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Marktanteile von weit über 50 Prozent


Bundeskartellamt untersagt die Übernahme der MBO-Gruppe durch die Heidelberger Druckmaschinen AG
Auf Grundlage umfassender Marktermittlungen hat das Bundeskartellamt festgestellt, dass industrielle Bogenfalzmaschinen einen einheitlichen sachlichen Markt bilden und sog. Mailing-An­lagen, Inline-Finishing-Aggregate und kombinierte Weiterverarbeitungsmaschinen separaten Märkten zuzurechnen sind

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Das Bundeskartellamt hat das Vorhaben der Heidelberger Druckmaschinen AG, sämtliche Anteile an der HB Vermögensver­wal­tungsgesellschaft mbH & Co. KG zu erwerben, untersagt. Die HB Vermögensverwaltungsgesellschaft ist Anteilseigner des Falzmaschinenherstellers MBO Maschinenbau Oppenweiler Binder GmbH (MBO-Gruppe). Der Zusammenschluss betrifft vor allem den Spezialmaschinen-Markt für die Herstellung von Bogenfalzmaschinen für die industrielle Druckweiterverarbeitung.

Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, sagte: "Der Marktführer Heidelberger Druckmaschinen würde mit der MBO-Gruppe seinen wesentlichen Wettbewerber übernehmen. Auf dem relevanten Markt sind bereits heute europaweit lediglich vier Unternehmen tätig. Der Zusammenschluss würde zu einer marktbeherrschenden Position von Heidelberger Druckmaschinen und einer erheblichen Beeinträchtigung des Wettbewerbs zum Nachteil der Kunden führen. Wir haben den Markt sehr intensiv ausermittelt. Gerade mit der Frage der richtigen ökonomischen Marktabgrenzung haben wir uns eingehend befasst und festgestellt, dass industrielle Bogenfalzmaschinen aus Sicht der Kunden einen eigenen Markt bilden, der nicht weiter zu unterteilen ist."

In der Druckindustrie wird generell zwischen den drei Stufen Druckvorstufe, Druck(-prozess) und Druckweiterverarbeitung unterschieden. Die Druckweiterverarbeitung ist der letzte Schritt in der Herstellung eines Druckerzeugnisses. In diesem Schritt wird dem Erzeugnis die endgültige Form verliehen. Dabei werden sehr unterschiedliche spezialisierte Maschinen eingesetzt. Dies sind neben den hier betroffenen Bogenfalzmaschinen z.B. Schneidemaschinen, Zusammentragmaschinen, Klebebinder oder Fadenhefter. Industrielle Bogenfalzmaschinen über­neh­men die Funktion des Falzens von bedruckten Papierbogen bzw. Buchbinderbogen und sind damit ein wesentliches Produktionsmittel im Offset-Bogendruck insbesondere für Falzprodukte wie z.B. Bücher, Broschüren, Geschäftsberichte, Werbe-Flyer oder Folder, sog. Akzidenzen.

Auf Grundlage umfassender Marktermittlungen hat das Bundeskartellamt festgestellt, dass industrielle Bogenfalzmaschinen einen einheitlichen sachlichen Markt bilden und sog. Mailing-An­lagen, Inline-Finishing-Aggregate und kombinierte Weiterverarbeitungsmaschinen separaten Märkten zuzurechnen sind. Eine noch weitergehende Aufteilung des Marktes in unterschiedliche Formate und Leistungsstufen von industriellen Bogenfalzmaschinen ist allerdings nicht gerechtfertigt, da die verschiedenen Maschinen aus Sicht der Kunden austausch­bar sind und flexibel eingesetzt werden.

Größter Produktbereich der Heidelberger Druckmaschinen AG ist die Herstellung von Offset-Bogendruckmaschinen. In diesem Bereich ist das Unternehmen weltweiter Marktführer. Neben Druckmaschinen gehören zu dem Produktprogramm des Konzerns u.a. aber auch Maschinen der Druckweiterverarbeitungsstufe wie die hier betroffenen Bogenfalzmaschinen sowie Maschinen zur Belichtung der Druckplatten (Druckvorstufe).

Die MBO-Gruppe ist auf Bogenfalzmaschinen für den industriellen Einsatz sowie auf Falzmaschinen mit besonders hoher Leistung bzw. Geschwindigkeit spezialisiert. Außerdem bietet die MBO-Gruppe weitere Produkte für die Druckweiterverarbeitung an.

Heidelberger Druckmaschinen ist bereits heute Marktführer bei Bogenfalzmaschinen in Europa. Durch die Übernahme kämen die Zusammenschlussbeteiligten auf gemeinsame Marktanteile von weit über 50 Prozent. Der europäische Markt für Bogenfalzmaschinen für den industriellen Einsatz ist auch stark konzentriert. Aus Sicht der vom Bundeskartellamt befragten Kunden (überwiegend Druckereien, Buchbindereien und andere spezialisierte Unternehmen) sind neben den Zusammenschlussbeteiligten nur die deutsche GUK-Falzmaschinen Griesser & Kunzmann GmbH & Co. KG und die europäische Tochter des japanischen Unternehmens Horizon als Wettbewerber zu berücksichtigen. Darüber hinaus sind Heidelberger Druckmaschinen und die MBO-Gruppe in dem differenzierten Produktmarkt die beiden engsten Wettbewerber.

Neben Horizon gibt es keine außereuropäischen Wettbewerber, die in Europa tätig wären. Obwohl die deutschen und europäischen Hersteller durchaus weltweit vertreten sind, verzeichnen amerikanische und asiatische Hersteller von Bogenfalzmaschinen nur vernachlässigenswerte Importe nach Europa und sind den befragten Kunden auch überwiegend unbekannt.

Die Ermittlungen haben auch gezeigt, dass Marktzutritte aufgrund von hohem Kosten- und Zeitaufwand sowie der ausgeprägten Kundentreue und dem Bedarf der Kunden nach zeitnahem Service und Ersatzteilversorgung schwierig erscheinen und in den vergangenen 20 Jahren auch nicht erfolgt sind.

Die Untersagung ist noch nicht rechtskräftig. Die Beteiligten haben die Möglichkeit, innerhalb eines Monats beim Oberlandesgericht Düsseldorf Beschwerde gegen die Entscheidung einzulegen. (Bundeskartellamt: ra)

eingetragen: 12.05.19
Newsletterlauf: 18.06.19

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Meldungen: Kartellrecht

Kartellrecht und Kartellvergehen

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    Die Wettbewerbsbehörden der G7-Staaten (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, USA) haben zusammen mit der Europäischen Kommission eine gemeinsame Erklärung zum Wettbewerb in der digitalen Wirtschaft vorgelegt. Auf die Erklärung haben sich die beteiligten Wettbewerbsbehörden am 5. Juni 2019 in Paris verständigt. Sie wurde im Rahmen des Treffens der Finanzminister der G7-Staaten vom 17. bis 18. Juli im französischen Chantilly vorgestellt. Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, sagte: "Viele Internetkonzerne agieren global. Daher ist es wichtig, dass sich die Politik und die Wettbewerbsbehörden international austauschen, um kohärente Rahmenbedingungen für die digitale Wirtschaft herzustellen. Der aktuellen französischen G7-Präsidentschaft und unserer französischen Schwesterbehörde, der Autorité de la concurrence, gilt mein Dank dafür, dass sie dieses Thema weiter vorangetrieben haben."

  • Duale Systeme & Verpackungsrecycling

    Das Bundeskartellamt hat das Vorhaben der Remondis SE & Co. KG, sämtliche Anteile am dualen System DSD - Duales System Holding GmbH & Co. KG zu erwerben, untersagt. Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, sagte: "Das Zusammenschlussvorhaben hätte zu einer erheblichen Behinderung des Wettbewerbs bei den dualen Systemen geführt. Zu befürchten wären höhere Kosten für DSD-Wettbewerber, erhebliche Marktanteilsgewinne von DSD und letztlich höhere Preise bei der Entsorgung von Verpackungen. Darüber hinaus kommen die beiden Unternehmen im Bereich Altglasvermarktung auf bedenkliche gemeinsame Marktanteile von 40 bis 60 Prozent. Die von den Unternehmen angebotenen Zusagen waren nicht geeignet, die wettbewerblichen Bedenken auszuräumen."

  • Kooperationen zwischen Unternehmen

    Das Bundeskartellamt hat den Bundesverband der Deutschen Transportbetonindustrie e.V. dabei unterstützt, einen Leitfaden zur kartellrechtlichen Zulässigkeit von Bieter- und Liefergemeinschaften in der Transportbetonindustrie zu entwickeln. Den Leitfaden hat der Verband veröffentlicht. Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, sagte: "Das Kartellrecht erlaubt selbstverständlich notwendige und sinnvolle Kooperationen zwischen Unternehmen. Auch für unmittelbare Wettbewerber gibt es unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, Arbeitsgemeinschaften zu bilden. Wir begrüßen es ausdrücklich, wenn Verbände ihre Mitglieder in dieser Hinsicht kartellrechtlich beraten. In Zweifelsfällen können sich die Unternehmen natürlich auch an das Bundeskartellamt wenden."

  • Bericht des Bundeskartellamtes

    Beim Bundeskartellamt sind in den Jahren 2017 und 2018 insgesamt 2.686 Unternehmenszusammenschlüsse angemeldet worden. Das waren etwa zehn Prozent mehr als in den beiden Jahren zuvor, wie aus dem von der Bundesregierung als Unterrichtung (19/10900) vorgelegten Bericht des Bundeskartellamtes über seine Tätigkeit in den Jahren 2017/2018 sowie über die Lage und Entwicklung auf seinem Aufgabengebiet hervorgeht. Der Bericht enthält außerdem die Stellungnahme der Bundesregierung dazu.

  • Auch nach Fusion noch genügend Alternativen

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