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BaFin benötigt internationale Sichtweise


Hans-Willi Hüsch, Wolters Kluwer Financial Services: "Harmonisierung nationaler und internationaler Regeln ist eine Herausforderung"
"Dass die Belastung der Finanzindustrie durch die verschärfte Regulierung stetig zunimmt, wird häufig kritisiert - Hierbei geht es nicht nur um die Fülle der neuen Regeln wie zum Beispiel Basel III"


(02.02.12) - Mit der Ernennung von Dr. Elke König zur neuen Präsidentin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) konnte eine international renommierte und erfahrene Expertin für die Herausforderungen des regulatorischen Umfelds für Finanzinstitute in Deutschland gewonnen werden. Anlässlich des offiziellen Amtsantritts von Frau Dr. König am 24. Januar 2012 gab Hans-Willi Hüsch, Experte für Risikomanagement und Compliance bei Wolters Kluwer Financial Services, eine persönliche Einschätzung.

Herr Hüsch, welche Erwartungen haben Sie an die neue BaFin-Chefin?
Hans-Willi Hüsch:
Vor allem erwarte ich eine stärker international ausgerichtete Sichtweise. Als langjähriger BaFin-Chef hat ihr Vorgänger Jochen Sanio bemerkenswerte Erfolge bei der Regulierung nationaler Finanzinstitute verzeichnet. Meiner Ansicht nach liegt die große Herausforderung von Frau Dr. König nun in der Harmonisierung dieser national umgesetzten Regeln mit international gültigen Standards und somit auch darin, internationale Regelwerke durch eigene Vorschläge aktiv mit zu gestalten. Dabei gilt es insbesondere, in Deutschland gültige Verordnungen in Einklang mit den Vorschriften der EU-Regulierungsorgane zu bringen. Ich bin deshalb gespannt, welche Schwerpunkte Frau Dr. König für ihr "Regierungsprogramm" letztendlich wählen wird.

Rechnen Sie im Zuge der fortschreitenden Internationalisierung eher mit einer Verschärfung der Finanzmarktregulation oder können wir mit Frau Dr. König an der BaFin-Spitze eine Abschwächung der Sanktionierungen erwarten?
Hans-Willi Hüsch:
Dass die Belastung der Finanzindustrie durch die verschärfte Regulierung stetig zunimmt, wird häufig kritisiert. Hierbei geht es nicht nur um die Fülle der neuen Regeln wie zum Beispiel Basel III, die noch in diesem Jahr angepasst und umgesetzt werden müssen, sondern auch darum, dass die einzelnen Vorschriften auch ständig weiterentwickelt und präzisiert werden. Die Fragen, die mit der Einführung des Regelwerks einhergehen und denen sich Frau Dr. König hierbei stellen muss, beziehen sich vor allem auf das Verhältnis von Kosten und Nutzen:

Lassen sich damit zukünftige Finanzkrisen besser vermeiden, werden die Anleger besser geschützt oder erhalten wirtschaftlich gesunde Unternehmen ausreichend finanzielle Mittel für ihr weiteres Wachstum?
Wie sollten Finanzunternehmen, die keine Banken sind effektiver überwacht werden?

Aus unserer Sicht ist auch ein verstärkter Dialog mit den verschiedenen Teilnehmergruppen am Finanzmarkt von zentraler Bedeutung. So sollte einerseits die Belastung durch das sich ständig wandelnde regulatorische Umfeld reduziert und andererseits die Notwendigkeit neuer Regeln transparent kommuniziert werden können.

Sie glauben also, dass sich die Behörde zukünftig stärker öffnen sollte?
Hans-Willi Hüsch:
Wenn es Frau Dr. König gelingt, die BaFin für weitere Interessentenkreise leichter zugänglich zu machen, indem ein stärkerer Kommunikationsfluss herrscht, ist dies sicherlich von Vorteil. Entscheidend ist zum einen, dass der Einfluss der BaFin durch die Finanzmarktkrise und die Verschärfung der Regulation erheblich gewachsen ist. Diesen Veränderungen und den damit einhergehenden Herausforderungen gilt es nun auch durch klare Signale vonseiten der Behörde zu begegnen. Umfang und Detailtiefe der bereitzustellenden Meldedaten steigen deutlich an.

Fragen, die sich in diesem Zusammenhang stellen sind unter anderem: Was wird die Aufsicht daraus machen, um eine bessere Regulierung des Finanzmarktes zu erreichen? Und wie können spezialisierte Dienstleister und Lösungsanbieter im Finanzmarkt z.B. für Marktdatenversorgung, Risikomanagement, Reporting, Revision und Compliance besser dabei helfen, diese neuen Herausforderungen pragmatisch umzusetzen?

Der Amtsantritt von Frau Dr. König birgt somit viel Potenzial für einen neuen "Regierungskurs", der sich in seiner Offenheit an die erhöhten (Tranzparenz-)Anforderungen im Bereich Risikomanagement und Meldewesen für die immer stärker international ausgerichtete Finanzindustrie anlehnt. (Wolters Kluwer Financial Services: ra)

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