- Anzeigen -
Besuchen Sie auch unser Zeitschriftenportfolio im Bereich Governance, Risk, Compliance & Interne Revision

De-Mail: Digitales Einschreiben ohne Briefumschlag


Alternative zur Briefpost? - Piratenpartei rät von der Nutzung von De-Mail ab
Piraten kritisieren: "De-Mail entpuppt sich als Abhörschnittstelle, die das Verfahren für eine sichere und vertrauensvolle Datenübermittlung unbrauchbar macht"


(30.08.12) - Die Deutsche Telekom hat am 23. August ihre Umsetzung des De-Mail-Gesetzes vorgestellt. Der De-Mail-Service, der am 31. August Privatkunden und Unternehmen zur Verfügung steht, soll eine vertrauliche Kommunikation unter anderem mit Behörden ermöglichen und damit eine Alternative zur Briefpost darstellen. Netzpolitiker der Piratenpartei Deutschland halten diese kostenpflichtige E-Mail-Variante für eine undurchdachte Mogelpackung und raten von der Registrierung im System ab.

"Es ist völlig unverständlich, warum Verbraucher plötzlich 39 Cent pro E-Mail zahlen sollen, ohne daraus sinnvollen Nutzen zu ziehen. Nicht einmal die Möglichkeit, mit Nutzern herkömmlicher E-Mail-Dienste zu kommunizieren, wird geboten. Auch die versprochene Sicherheit bleibt wegen fehlender Ende-zu-Ende-Verschlüsselung auf der Strecke", so Markus Barenhoff, stellvertetender Vorsitzender der Piratenpartei Deutschland.

Außerdem müsse der Nutzer dem Anbieter gestatten, die Briefe auf Schadsoftware zu untersuchen – dies gelte auch für vertrauliche Mails, die dazu vom Anbieter entschlüsselt werden müssten. Damit werde der Anbieter in die Lage versetzt, die vertrauliche Kommunikation mit den Behörden oder Geschäftspartnern zu lesen.

Die Piratenpartei wirft der Deutschen Telekom zudem vor, dass das vorgestellte De-Mail-System die elektronische Daten unverschlüsselt auf dem Server des Anbieters speichere. Dies gefährdet nach Einschätzung der Piratenpartei Hamburg das Kunden-Vertrauen in das neue System.

"Im Prinzip handelt es sich bei dem De-Mail-Dienst um ein digitales Einschreiben, das der Postbote ohne Briefumschlag in die Hand bekommt", erklärt Burkhard Masseida, Datenschutzexperte im Landesvorstand der Piratenpartei Hamburg. "Deutlich sicherer sind digital signierte E-Mails mit Verschlüsselungen wie PGP oder S/MIME. Beide Verfahren garantieren Sicherheit über den gesamten Kommunikationsweg hinweg und stehen unabhängig vom Mail-Provider bereits heute zur Verfügung."

Die Piratenpartei Hamburg kritisiert, dass deutsche Behörden zu wenig für eine benutzerfreundliche Infrastruktur zur sicheren Übertragung digitaler Post tun. "De-Mail entpuppt sich als Abhörschnittstelle, die das Verfahren für eine sichere und vertrauensvolle Datenübermittlung unbrauchbar macht", sagt Burkhard Masseida. "Das Telekom-System bietet keinerlei Vorteile gegenüber herkömmlichen Verschlüsselungen."

Vor diesem Hintergrund empfiehlt die Piratenpartei Hamburg derzeit, auf eine Registrierung beim De-Mail-Dienst zu verzichten. (Piratenpartei: ra)

- Anzeigen -




Kostenloser Compliance-Newsletter
Ihr Compliance-Magazin.de-Newsletter hier >>>>>>


Meldungen: Kommentare und Meinungen

  • Niedersachsen: Datenschutzfreie Regierung?

    Die Deutsche Vereinigung für Datenschutz e. V. (DVD) hat mit größtem Befremden einen Bundesrats-Antrag der Niedersächsischen Landesregierung zur Kenntnis genommen, in dem diese fordert, im Interesse der "Entlastung von kleinen und mittleren Unternehmen von zusätzlichen Bürokratiekosten" die Pflicht zur Benennung von Datenschutzbeauftragten aufzuweichen und eingetragene Vereine mit überwiegend ehrenamtlich Tätigen von dieser Pflicht möglicherweise völlig auszunehmen. Außerdem sollen die Fristen zur Benachrichtigung von Datenschutzverletzungen verlängert, die Abmahnmöglichkeit von Datenschutzverstößen ausgeschlossen sowie die Nutzung von Echtdaten für "Erprobungs- und Testzwecke" generell erlaubt werden (BR-Drucksache. 144/19 vom 03.04.2019).

  • Entscheidung des Rates zum Urheberrecht

    "Nach zähem Ringen um die nötigen Anpassungen des Urheberrechts an die digitalen Rahmenbedingungen ist die Verabschiedung der Urheberrechtsrichtlinie ein hart erkämpfter und wichtiger Erfolg. Ein zeitgemäßes Urheberrecht für einen digitalen Binnenmarkt ist wichtig für Künstlerinnen und Künstler, für Journalistinnen und Journalisten, für Verlage, für Kultur- und Gedächtniseinrichtungen und auch für die Nutzerinnen und Nutzer. Es stärkt die kulturelle und journalistische Vielfalt und eine lebendige Kultur- und Kreativwirtschaft in Europa", erklärte die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters.

  • Bitkom zu den vorgelegten Ethikleitlinien für KI

    Die von der EU-Kommission eingesetzte High-Level-Gruppe für Künstliche Intelligenz hat ihre Ethikleitlinien veröffentlicht. Hierzu erklärt Bitkom-Präsident Achim Berg: "Mit den vorgelegten Ethikleitlinien sendet Europa ein klares Signal: Ethische Fragen müssen bei Entwicklung und Einsatz Künstlicher Intelligenz von Beginn an mitgedacht werden. Europa wählt damit einen eigenen, eben europäischen Weg. KI muss ethischen Leitlinien folgen, darf sie nicht ignorieren und ihnen schon gar nicht widersprechen. Die Leitlinien sollten Grundlage für alle Unternehmen sein, die Künstliche Intelligenz in Europa entwickeln und anwenden, und können zudem den Anstoß für einen internationalen Dialog über ethische Regeln für KI geben.

  • Vielfalt des freien Internets geht zurück

    Die umstrittene EU-Urheberrechtsreform wird tatsächlich realisiert. Das Europaparlament stimmte der Reform zu - ein erster Schritt zur Umsetzung der kontroversen Richtlinie. Mit Sicherheit ist die Absicht der Initiative, das Urheberrecht von Künstlern, Musikern und Autoren im digitalen Zeitalter zu stärken und ihre Leistungen fair zu vergüten, gut gemeint. Die Umsetzung in dieser Form wird den einzelnen Kunstschaffenden jedoch kaum zugute kommen. Und auch der Gedanke, Riesen-Konzerne wie Google oder Facebook für die Verbreitung und Bereitstellung sämtlicher Inhalte zur Kasse zu beten, wird kaum funktionieren. Stattdessen wird die Macht der amerikanischen Unternehmen noch weiter gestärkt, wenn etwa komplexe Uploadfilter zum Einsatz kommen sollen, um Inhalte auf Urheberschaft zu prüfen. Heute existieren lediglich diejenigen Uploadfilter, die von den US-amerikanischen Techgiganten entwickelt wurden (u.a. "Content ID" von Google/Youtube).

  • Thema digitale Ethik vorantreiben

    Zu den von der EU-Kommission vorgestellten neuen Leitlinien für den ethischen Einsatz von Künstlicher Intelligenz, sagt eco-Vorstandvorsitzender Oliver J. Süme: "Wir begrüßen die Botschaft, die heute von der EU mit den neuen Ethik-Leitlinien für das Zukunftsthema KI gesendet wurde: Vertrauenswürdige KI-Anwendungen sollen so entwickelt und eingesetzt werden, dass sie menschliche Autonomie respektieren, dennoch sicher, fair und nachvollziehbar funktionieren. Digitalunternehmen treiben mit ihren Entwicklungen, Produkten und Diensten den digitalen Wandel an und sind mitverantwortlich für die Beantwortung der damit entstehenden gesellschaftlichen Fragen. Wir nehmen diese Fragestellungen als Verband der Internetwirtschaft sehr ernst und sind der Überzeugung, dass ethische Normen, Handlungsleitlinien und damit Rahmenbedingungen für die Entwicklung und den Einsatz digitaler Technologien im engen Schulterschluss zwischen Unternehmen, Politik und Zivilgesellschaft entwickelt werden müssen. eco will den gesellschaftlichen Diskurs zur Verantwortung Künstlicher Intelligenz effektiv vorantreiben!"