Crommes Dementis wenig überzeugend
Cromme unter Druck: Siemens hat nicht nur ein Korruptions- und ein Führungsproblem: Siemens hat auch ein eklatantes Kommunikationsproblem
Wenn Alpha-Tiere "Männchen" machen - Reitzle ließ angeblich durchblicken:
Siemens: ja – mit Cromme im Aufsichtsrat: nein!"
Mit dem Rücken zur Wand:
Cromme streut Dementis und erntet neue Spekulationen, Bild: Siemens
(09.05.07) - Die letzten Tage haben deutlich gezeigt, was Gerhard Cromme noch in den nächsten Wochen bevorsteht, sollte er nicht in der Lage sein, schnell einen Nachfolger für den geschassten Klaus Kleinfeld zu finden. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Siemens AG trat am Montag Spekulationen entgegen, wonach er beabsichtige, den Vorstand komplett umzubauen. Nichts von dem sei wahr, ebenso wenig alle Spekulationen, die sich derzeit um eine Nachfolge des Noch-Vorstandsvorsitzenden Klaus Kleinfeld drehen. Die Dementis wirkten jedoch wenig überzeugend, reichlich aufgesetzt und wurden dazu noch garniert von einer weiteren Personalie.
Zunehmend wird nämlich deutlich, dass Siemens nicht nur ein Korruptions- und ein Führungsproblem hat: Siemens hat auch ein eklatantes Kommunikationsproblem. Offenkundig wurde dies, nachdem Janos Gönczöl, Leiter Corporate Communications der Siemens AG, mitteilen lies, dass er das Unternehmen Ende Mai 2007 verlassen werde. Er hatte diese Position am 1. Oktober 2005 übernommen und die Kommunikationsaktivitäten des Konzerns seitdem weltweit geleitet. "Die Gestaltung der Kommunikation in dieser turbulenten, durch viele Gerüchte und Spekulationen geprägten Zeit war nicht immer einfach. Mit diesem Schritt erhoffe ich mir, dass auch die Kommunikation wieder in ein ruhigeres Fahrwasser gelangt", sagte Gönczöl. Man muss ihm zugute halten, dass er dies wahrscheinlich nicht zynisch gemeint hat.
Als Nachfolger von Gönczöl leitet Stephan Heimbach nun die Abteilung Corporate Communications. Heimbach hat seit 1992 verschiedene Positionen innerhalb der Siemens AG bekleidet. Schon in seiner bisherigen Funktion stand er in enger Verbindung zu Vorstand und Aufsichtsrat. Ob er allerdings die Kommunikation in ruhigere Fahrwasser bringen kann, ist fraglich: Siemens seit Bekanntwerden der Korruptionsaffäre im November 2006 dringend Spezialisten für Krisen-PR und keine netten Postversender von irgendwelchen Trallala-Press-Releases, für die sich derzeit kaum einer interessiert.
Die Öffentlichkeit möchte wissen, wie es mit Siemens weitergeht. Abgespeist wird sie nur mit Wischiwaschi-Kommentaren des Konzerns.
Besäße die deutsche Medienlandschaft nicht Zeitungen und Magazine wie die SZ, Wirtschaftswoche, Handelsblatt oder Financial Times, deren gut recherchierende Journalisten sich Kanäle in alle möglichen Vorstands- und Aufsichtsratsetagen gegraben hätten, es sähe noch schlimmer aus.
Cromme wird daher nicht so leicht zur Ruhe kommen. Und eine Gefahr lauert: Wenn er nicht aufpasst, kommt zu den Fällen "von Pierer", "Kleinfeld" und "Korruption bei Siemens" noch bald ein Fall "Cromme" hinzu.
Immer stärker wird der norddeutsche "Haudrauf" dafür verantwortlich gemacht, zusammen mit dem smarten "Killer von der Deutschen Bank" dem Siemens-Konzern innerhalb von einer Woche seine Identität und sein Herz genommen zu haben.
Sollte Cromme wirklich daran gedacht haben, Wolfgang Reitzle für den Vorstandsvorsitz der Siemens AG gewinnen zu wollen, so erscheint dies mehr als peinlich. Im internen Kreis soll Reitzle durchaus sein Interesse an diesen Job gezeigt haben. Gleichzeitig habe sich Reitzle aber darüber pikiert geäußert, auf welch unfreundliche und wenig elegante Art man Heinrich von Pierer und Klaus Kleinfeld rasiert habe. Reitzle ließ angeblich durchblicken: Siemens: ja – mit Cromme im Aufsichtsrat: nein!"
Interessanterweise soll der deutsche Bank-Chef Josef Ackermann laut einer Meldung der Wirtschaftswoche vorhaben, den Siemens-Aufsichtsrat zum Januar 2008 verlassen zu wollen. Ackermann ließ zwar umgehend dementieren – aber es würde ins Bild passen. Königsmörder waren stets nützlich, geliebt wurden sie dennoch nie und froh war man, wenn sie von dannen zogen.
Ganz nebenbei wurde in den Medien ein neuer Name für den Siemens-Vorstandsvorsitz genannt und siehe da - es ist eine interne Variante: Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E. h. Erich R. Reinhardt, der bei Siemens die Leitung der Medical Solutions innehat.
Reinhardt gilt als Korruptions-unbelastet und könnte sich vielleicht eher als Wolfgang Reitzle mit dem "Alpha-Tier" Cromme anfreunden.
Wolfgang Reitzle soll schon bemängelt haben, dass alles, was bei Siemens ablaufe, immer von Politik begleitet werde. Das hört sich nicht nach einer Liebeserklärung an. (Rainer Annuscheit)
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Im Gespräch sind derzeit:
>> Wolfgang Reitzle, Chef von Linde
>> Lars Göran Josefsson, President und CEO) von Vattenfall AB
>> Wolfgang Bernhard, Ex-Volkswagen-Markenchef,
>> Carl-Peter Forster, General-Motors-Europachef
>> Eckhard Cordes, Haniel-Chef
>> Harry Roels, scheidender RWE-Chef
>> Manfred Wennemer, Continental-Chef
>> Fred Kindle, ABB-Chef
>> Franz Fehrenbach, Bosch-Chef
>> Joe Kaeser, Siemens-Finanzvorstand
>> Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E. h. Erich R. Reinhardt, Siemens Leiter Medical Solutions
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(Siemens: ra)
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