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Infineon: Warum musste Günther gehen?

Infineon-Vorstand Rüdiger A. Günther war vielen ein Dorn im Auge: Angeblich habe Günther Fragen gestellt, die man besser nicht stellen sollte
Das lässt tief blicken: Mit dem BASF-Manager Eckart Sünner rückt ausgewiesener Compliance-Experte in den Infineon-Aufsichtsrat nach

(08.08.07) – Es war ein kurzes Intermezzo: Ende letzter Woche teilte Infineon Technologies AG mit, dass der Aufsichtsrat des Unternehmens seinen Finanzchef und Arbeitsdirektor, Rüdiger A. Günther, mit sofortiger Wirkung von seinem Vorstandsmandat entbunden hat. Der Aufsichtsrat hat Peter J. Fischl gebeten, das Finanz- und Personalressort und das Amt des Arbeitsdirektors vorübergehend wieder zu übernehmen.

Der Aufsichtsrat hat sich auf Grund der "nicht zu überbrückenden Differenzen zwischen dem Unternehmen und Günther" zu diesem Schritt entschieden und ihn unverzüglich eingeleitet. Günther war erst im April 2007 zum Mitglied des Vorstands und im Mai 2007 zum Finanzchef und Arbeitsdirektor von Infineon berufen worden. Er folgte Peter J. Fischl, der diese Ressorts bis zu seiner Pensionierung im Mai 2007 geführt hatte.

Angeblich sei der Absetzung von des Ostwestfalen Günther ein Machtkampf vorausgegangen. Der Aufsichtsrat habe Günther bereits Ende Juli den Rücktritt nahe gelegt haben. Dieser habe jedoch nicht freiwillig seinen Job räumen wollen.

Der Rauswurf von Günther hatte offensichtlich auch im Aufsichtsrat für Meinungsverschiedenheiten gesorgt: Der Dresdner-Bank-Vorstand Stefan Jentzsch löste sein Mandat ohne Angabe von Gründen auf. Mit dem BASF-Manager Eckart Sünner rückte ausgewiesener Compliance-Experte in den Infineon-Aufsichtsrat nach, was tief blicken lässt. Bei BASF ist Sünner Leiter der Zentralabteilung Recht, Steuern und Versicherungen beschäftigt.

Warum würde Günther entlassen?
Es kursieren verschiedene Gründe, die Günther als Person mehr oder weniger diskreditieren sollen:
>> Günther, der vom Landmaschinenhersteller Claas zu dem Chipkonzern Infineon gekommen war, habe starke Eingewöhnungsschwierigkeiten gehabt
>> Günther habe nicht das Geschäft eines Chipkonzern verstanden
>> Günther habe eine Vorliebe für Extravaganz gehabt (wie z.B. luxuriöse Hotelzimmer und schusssichere Autoscheiben)
>> Günthers Führungsstil sei von einer ausgesprochenen Ruppigkeit gekennzeichnet gewesen
Personen, die Günther näher kennen, verweisen allerdings auf weitaus tiefer liegende Kündigungsgründe:
>> Günther habe "unbequeme" Fragen gestellt und
>> Fragen gestellt, die man angeblich besser nicht stellen sollte
>> Günther wollte angeblich die Bilanzierung der neuen Unternehmenszentrale Campeon bei München hinterfragen

Vielen ist immer noch der unrühmliche Abgang des umstrittenen Infineon-Chefs Ulrich Schumacher in Erinnerung. Im Zuge der Korruptionsaffäre um führende Infineon-Manager war das Unternehmen in Zwielicht geraten.
(Reuters, FTD, Infineon: ra)

Infineon im Zwielicht:

>> Verurteilung wegen illegaler Preisabsprachen
Im Juni 2002 wurden vom US-Justizministerium Untersuchungen gegen Infineon und andere DRAM-Hersteller wie die südkoreanischen Konzerne Samsung und Hynix angestrengt, nachdem sich Computerhersteller über die steigenden Speicherchippreise beschwert hatten. 2004 bekannte sich das Unternehmen gegenüber dem US-Justizministerium als erstes dieser Unternehmen für schuldig, zwischen Juli 1999 und Juni 2002 durch illegale Preisabsprachen bei DRAM-Speicherchips die Verbraucher – bzw. Computerhersteller wie Dell, IBM und Apple – geschädigt zu haben und erklärte sich bereit, in Raten bis zum Jahr 2009 160 Millionen US-Dollar als Entschädigung zu bezahlen.

Am 2. Dezember 2004 erklärten sich vier leitende Angestellte bereit, Gefängnisstrafen von vier bis sechs Monaten anzutreten und je 250.000 US-Dollar Geldstrafe (umgerechnet ca. 188.000 Euro) zu bezahlen. Ein Infineon-Sprecher erklärte hierzu, dass diese Verurteilung eine Angelegenheit der betroffenen Manager sei und die Firma Maßnahmen getroffen habe, weitere Geschehnisse dieser Art zu verhindern.

>> Korruptionsskandal
Im Juli 2005 erschüttert ein Korruptionsskandal das Unternehmen. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung gegen Infineon-Topmanager (namentlich genannt: Andreas von Zitzewitz, ehemals COO und Vorstand der Speicherchip-Sparte; Harald Eggers, früherer Infineon-Manager, der das Schweizer Technologieunternehmen Unaxis Holding AG leitet; Udo Schneider, Betreiber der Schweizer Sponsoring-Agentur BF Consulting). Nachdem der Skandal öffentlich wurde, ist Andreas von Zitzewitz mit sofortiger Wirkung zum 18. Juli als Vorstand zurückgetreten.[2]

>> Betriebsratswahlen 2006
Bei den Betriebsratswahlen erhielt am Hauptstandort Campeon die Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger (AUB) den größten Stimmenanteil. Von den vier kandidierenden Listen war die AUB die mit Werbemitteln bestausgestattete Gruppe. In Koalition mit einer anderen gewerkschaftsunabhängigen Arbeitnehmervereinigung, dem Arbeitskreis Ingenieure und Naturwissenschaftler (ain), bildet sie eine knappe Mehrheit gegenüber zwei gewerkschaftsorientierten Listen, der IG Metall und den Hi tecs. Im Zusammenhang mit Zahlungen der Siemens AG an den damaligen AUB-Vorsitzenden Wilhelm Schelsky läuft gegen die AUB und gegen Johannes Feldmayer ein Ermittlungsverfahren. Johannes Feldmayer vertritt den Anteilseigner Siemens im Infineon-Aufsichtsrat und übt daher auch weiterhin Einfluss auf Entscheidungen bei Infineon aus.
(Quelle: Wikipedia, Stand: 08.08.07, ra)


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