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Siemens-Zentralvorstand: Aus zehn mach drei

Kehraus im Olymp: Angeblich plant Siemens einen radikalen Umbau der Vorstandsetage – Wird der Zentralvorstand von zehn auf drei Vorstände gestutzt?
Wird Kleinfeld Siemens noch in diesem Quartal verlassen müssen? - Gerhard Cromme sucht fieberhaft nach einem Kleinfeld-Nachfolger

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Siemens-Zentralvorstand:

Das Köpferollen steht bevor.

(02.05.07) - Das bevorstehende Ausscheiden der beiden Siemens-Vorstandsmitglieder Johannes Feldmayer und Jürgen Radomski sowie des Siemens Vorstandsvorsitzenden Klaus Kleinfeld ist wohl erst der Auftakt zu einer groß angelegten Säuberungswelle im Münchener Konzern gewesen. Der Aufsichtsrat des Siemens-Konzerns will die Korruptionsvorwürfe offensichtlich zum Anlass nehmen, um die althergebrachten Führungsstrukturen bei Siemens zu kappen. Wie die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) übereinstimmend berichten, soll der zehn Vorstände umfassende Zentralvorstand in München deutlich verkleinert werden. Dies sei aus aufsichtsratsnahen Kreisen bekannt geworden. Allerdings solle der Konzern nicht durch den Verkauf von Sparten zerschlagen werden, berichtete die SZ.

Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme und Aufsichtsrat Josef Ackermann, die als Drahtzieher für den Rauswurf von Heinrich von Pierer und Klaus Kleinfeld gelten, würden für Siemens ein Vorstandsmodell bevorzugen, das bereits in ihren "Heimat"-Unternehmen ThyssenKrupp und Deutsche Bank umgesetzt worden sei und für Effizienz bürge: Nämlich die Reduzierung des Vorstandes auf einen Vorstandsvorsitzenden und jeweils einen Finanz- und einen Personalvorstand. Die einzelnen Konzernsparten würden dann mit größerer Selbständigkeit ihr Geschäft tätigen können.

Bisher besteht der Siemens-Zentralvorstand aus zehn Vorständen. Cromme werfe dem Zentralvorstand laut SZ-Bericht vor, er sei ein "Wasserkopf": "Heerscharen von Vorständen" würden herumlaufen, ohne für etwas direkt verantwortlich zu sein. Da die Vorstände nach eigenem Bekunden von den Korruptionsfällen überhaupt nichts mitbekommen hätten, sei es eigentlich nicht einsehbar, warum es sie überhaupt gäbe.

Cromme sucht weiterhin fieberhaft nach einem Nachfolger für Kleinfeld, der diesen möglichst schnell, wahrscheinlich schon zu Beginn des nächsten Quartals, beerben soll. Allgemein gilt eine interne Nachbesetzung von Klaus Kleinfeld als unwahrscheinlich. Laut FAZ sei der Vorstandsvorsitzende des Industriegase-Konzerns Linde, Wolfgang Reitzle, weiter der Top-Favorit für den Vorstandsvorsitz der Siemens AG. Reitzle hatte angeblich diesen Job bisher abgelehnt, gilt aber wohl grundsätzlich noch als gesprächsbereit. In den Medien vermutete man, dass ihm das Salär von rund 4 Millionen Euro zu gering erschien. Bei Linde erhält Reitzle ein ungewöhnlich hohes Gehalt von rund 7,4 Millionen Euro. Würde es zu einer Verringerung der Vorstände bei Siemens kommen, könnte allerdings die Vergütung von Reitzle erhöht werden. Ohnehin bieten Optionsscheine und Boni Spielräume für eine Erhöhung des Reitzle-Gehaltes. Siemens gibt nach eigenen Angaben derzeit rund 30 Millionen Euro an Vorstandsgehältern aus. Bei einer Verringerung der Verstandskaste könnte mehr in Qualität statt Masse investiert werden.

Kandidaten für den Vorstandsvorsitz bei Siemens

Kandidaten für den Vorstandsvorsitz bei Siemens wurden in der letzten Zeit viele genannt. Darunter interessanterweise auch welche, die im Automobilbereich zu Hause sind. Es hieß zwar allgemein in der Presse, diese seien keine ernsthaften Kandidaten. Da aber auch Reitzle mit Automobilvergangenheit reichlich gesegnet ist, bedeutet das nicht viel.

Wer ist bisher genannt worden?
>> Spitzenkandidat ist wohl weiterhin Linde-Chef Wolfgang Reizle.
>> Genannt werden ebenfalls der frühere Volkswagen-Markenchef, Wolfgang Bernhard,
>> der General-Motors-Europachef Carl-Peter Forster und
>> der ehemalige Automanager und Haniel-Chef Eckhard Cordes.
>> Auch der scheidende RWE-Chef Harry Roels und sogar der
>> Continental-Chef Manfred Wennemer sollen zu den Kandidaten zählen.
>> Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser, der ebenfalls als möglicher Kandidat gehandelt wurde, hat nach eigenen Angaben kein Interesse an dem Job.

Siemens-Zentralvorstand: Wer muss gehen?

Angeblich steht das Ausscheiden der beiden Vorstandsmitglieder Johannes Feldmayer und Jürgen Radomski bereits fest. Ihre Verträge sollen nicht mehr verlängert werden.
Der 66jährige Jürgen Radomski, dessen Vertrag ursprünglich doch noch einmal verlängert werden sollte, scheidet offiziell aus Altersgründen aus. Feldmayer ist durch Korruptionsvorwürfe zu stark belastet.

Die Vorstandsmandate der jeweils 62-jährigen Zentralvorstände Uriel Sharef und Klaus Wucherer laufen regulär bis Ende März kommenden Jahres. Besonders Sharef, der im Darmstädter Korruptionsprozess als Zeuge mehr oder weniger eine Lachnummer abgegeben hat, steht ernsthaft auf der Kippe. Sehr wahrscheinlich ist, dass zumindest sein Vertrag nicht verlängert wird. Eventuell wird man beiden vielleicht aus "Altersgründen" ganz offiziell den Laufpass geben,

Ob Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser und Vorstand Rudi Lamprecht den Korruptionsskandal unbeschadet überstehen werden, muss abgewartet werden. In seiner Ausgabe vom 23.01.2007 hatte das Wall Street Journal (WSJ) harte Geschütze gegen die Siemens-Vorstände Joe Kaeser und Rudi Lamprecht aufgefahren. Das Medium berief sich auf Aussagen von zwei ehemaligen Siemens-Managern, die im Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft München behauptet haben sollen, dass Joe Kaeser und Rudi Lamprecht in die fraglichen Vorgänge bei Siemens Com involviert gewesen seien.

Nicht unwahrscheinlich ist also, dass Cromme sich mit der radikalen Verringerung des Zentralvorstandes auf elegante Art und Weise weiterer – wie er es wahrscheinlich nennen würde – "Risikofaktoren" entledigen wird.

Hier lesen Sie alles zum Siemens-Skandal
(FAZ, SZ, Siemens: ra)

Siemens-Vorstand: Wer ist gefährdet?

Die derzeitige Besetzung des Vorstandes der Siemens AG:

Dr. rer. pol. Dipl.-Kfm. Klaus Kleinfeld (49), seit 1987 bei Siemens,
Vorsitzender des Vorstands
(Status: Vertrag wird nicht verlängert, wird das Unternehmen verlassen)

Prof. Johannes Feldmayer (50), seit 1979 bei Siemens
(Status: seit dem 28. März 2007 vorübergehend freigestellt, durch Korruption stark belastet, Vertrag wird nicht verlängert, wird das Unternehmen verlassen)
Betreuung:
Siemens IT Solutions and Services
Siemens Building Technologies AG (SBT)
Siemens Real Estate (SRE)
Corporate Information Office (CIO)
Corporate Supply Chain and Procurement (CSP)
Global Shared Services (GSS)
Europa, einschl. Regionalorganisation Deutschland (RD)

Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E. h. Erich R. Reinhardt (60), seit 1983 bei Siemens
(Status: völlig offen)
Leitung:
Medical Solutions (Med)

Dipl.-Betriebswirt Joe Kaeser (49), seit 1980 bei Siemens, Finanzvorstand,
(Status: Name wurde im Zusammenhang mit Korruptionsvorwürfen genannt, könnte der internen Säuberungswelle zum Opfer fallen)
Leitung:
Corporate Finance (CF)
Betreuung
Siemens Financial Services GmbH (SFS)

Prof. Dr. phil. nat. Dipl.-Phys. Hermann Requardt (52), seit 1984 bei Siemens
(Status: völlig offen)
Leitung:
Corporate Technology (CT)
Betreuung:
Siemens VDO Automotive (SV)
Japan

Dipl. Ing. Rudi Lamprecht (58), kam über Siemens-Nixdorf (Eintritt 1996), 1998 zur Siemens AG
(Status: Name wurde im Zusammenhang mit Korruptionsvorwürfen genannt, könnte der internen Säuberungswelle zum Opfer fallen)
Betreuung:
Joint Venture: BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH
Joint Venture: Fujitsu Siemens Computers
Siemens Home and Office Communication Devices
Afrika, Naher und Mittlerer Osten, GUS Länder

Dr. rer. pol. Uriel J. Sharef (62), seit 1978 bei Siemens
(Status: tauchte als Zeuge im Darmstädter Korruptionsprozess auf und ließ Siemens in einem sehr ungünstigen Licht erscheinen, Vertrag läuft im März 2008 aus, wird eventuell aus "Altersgründen" nicht verlängert)
Betreuung:
Power Generation (PG)
Power Transmission and Distribution (PTD)
Amerika

Dipl. Ing Eduardo Montes (55), seit 1975 bei Siemens
(Status: völlig offen)
Leitung
Communications (Com)

Prof. Dr-Ing. Dr.-Ing E. h. Klaus Wucherer (62), seit 1970 bei Siemens

(Status: Vertrag läuft im März 2008 aus und könnte aus "Altersgründen" nicht verlängert werden)
Betreuung:
Automation and Drives (A&D)
Industrial Solutions and Services (I&S)
Transportation Systems (TS)
Unternehmensprogramm top+
Asien, Australien

Dr. rer. pol. h. c., Dr. techn. h. c. Jürgen Radomski (65), Arbeitsdirektor der Siemens AG, seit 1957 bei Siemens
(Status: Vertrag wird aus "Altersgründen" nicht verlängert, stand als zuständiger Manager für den Compliance-Bereich in der Kritik)
Leitung:
Corporate Personnel (CP)
Betreuung:
Medical Solutions (Med)
Osram GmbH
Management Consulting Personnel (MCP)

Hier lesen Sie alles zum Siemens-Skandal
(Siemens: ra)


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Wusste Kleinfeld doch von Korruptionszahlungen? Cromme neuer Siemens-Aufsichtsratschef