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Siemens-Schmiergeldaffäre: Reinhardt geht von Bord

Wegen Compliance-Verfehlungen innerhalb des früheren Siemens-Bereichs Medizintechnik: Erich Reinhardt legt zum 30. April 2008 Mandat als Siemens-Vorstand nieder - CEO der Division Diagnostics Jim Reid-Anderson soll nachfolgen
Gerhard Cromme: "Es gibt keinerlei Zweifel an der persönlichen Integrität Professor Reinhardts. Nach allem, was wir wissen, ist er persönlich unbeteiligt an fragwürdigen Aktivitäten

Prof. Dr. Erich R. Reinhardt:

Im Gegensetz zu Heinrich von Pierer sehr charakterstark, Bild: Siemens

(25.04.08) – Der CEO des Siemens-Sektors Healthcare, Prof. Dr. Erich R. Reinhardt (61), tritt von seinem Amt zurück und legt zum 30. April 2008 sein Mandat als Mitglied des Vorstands der Siemens AG nieder. "Ich habe diese persönliche Entscheidung gestern getroffen, weil sie meinem Verständnis von Führungskultur und unternehmerischer Gesamtverantwortung entspricht. Mir erscheint sie notwendig angesichts der Compliance-Verfehlungen innerhalb des früheren Siemens-Bereichs Medizintechnik, die mich betrüben und die ich zutiefst missbillige und bedauere", so Reinhardt.

Reinhardt war zuvor von der Anwaltskanzlei Debevoise & Plimpton über neue Compliance-Verstöße im früheren Bereich Medizintechnik informiert worden und suchte anschließend das Gespräch mit den Anwälten und dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Siemens AG, Gerhard Cromme.

Im Nachhinein kann man diesen Schritt auch als Affront gegenüber seinem langjährigen Mitstreiter und Ex-Vorstandschef Heinrich von Pierer werten. Reinhardts "Verständnis von Führungskultur und unternehmerischer Gesamtverantwortung" scheint sich so ganz und gar nicht mit dem zu decken, was Heinrich von Pierer unter Führungskultur versteht. Bevor die Wahl auf Peter Löscher fiel, gehörte auch Reinhard in den Medien zu den aussichtsreichsten Kandidaten für den Vorstandsvorsitz der Siemens AG.

Reinhard zieht mit seinem vorbildhaften Rücktritt die Konsequenz aus neuen Erkenntnissen von Debevoise & Plimpton zu Compliance-Vorfällen im ehemaligen Siemens-Bereich Medizintechnik. An den Vorfällen war Reinhardt nach heutigen Erkenntnissen nicht persönlich beteiligt. Er bleibt dem Unternehmen weiter beratend verbunden. Für die Nachfolge von Reinhardt schlägt das Präsidium des Aufsichtsrats dem Aufsichtsrat Jim Reid-Anderson (49) vor, bisher CEO der Division Diagnostics im Healthcare-Sektor.

Bis Ende Januar sollen solle sich im Bereich Medizintechnik die fragwürdigen Zahlungen auf rund 44 Millionen Euro addiert haben.

"Vor dem klaren Schritt Professor Reinhardts, den ich seit langer Zeit kenne und schätze, habe ich höchsten Respekt. Dies zeugt einmal mehr von seinem beispielhaften Verantwortungsbewusstsein und Führungsverständnis. Ich freue mich, dass Herr Reinhardt dem Unternehmen, unserem Healthcare-Geschäft und mir persönlich beratend verbunden bleibt", sagte Peter Löscher, Vorsitzender des Vorstands von Siemens.

"Ich habe diese persönliche Entscheidung gestern getroffen, weil sie meinem Verständnis von Führungskultur und unternehmerischer Gesamtverantwortung entspricht. Mir erscheint sie notwendig angesichts der Compliance-Verfehlungen innerhalb des früheren Siemens-Bereichs Medizintechnik, die mich betrüben und die ich zutiefst missbillige und bedauere", so Reinhardt. Er war zuvor von der Anwaltskanzlei Debevoise & Plimpton über neue Compliance-Verstöße im früheren Bereich Medizintechnik informiert worden und suchte anschließend das Gespräch mit den Anwälten und dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Siemens AG, Gerhard Cromme.

"Es gibt keinerlei Zweifel an der persönlichen Integrität Professor Reinhardts. Nach allem, was wir wissen, ist er persönlich unbeteiligt an fragwürdigen Aktivitäten. Wir mussten aber feststellen, dass es in dem ehemaligen Bereich Medizintechnik Fehlverhalten gegeben hat, das nicht akzeptabel ist", erklärte Gerhard Cromme.

Reinhardt hatte die Führung des Bereichs Medizintechnik 1994 übernommen und war im September 2001 zusätzlich in den Vorstand der Siemens AG berufen worden. Seit Januar 2008 ist er CEO des neu geschaffenen Healthcare-Sektors. Für seine Nachfolge wird das Präsidium des Aufsichtsrats dem Aufsichtsrat Jim Reid-Anderson vorschlagen. Er war 1996 Executive Vice President and Chief Financial Officer und ab 2000 Chief Executive Officer bei Dade Behring. Siemens hatte das US-Unternehmen 2007 übernommen.

Insgesamt sollen bei Siemens in einem Zeitraum von 1999 und 2006 insgesamt rund 1,3 Milliarden Euro anfragwürdigen Zahlungen (Korruption, Schmiergeld, Schwarze Kassen) angefallen sein. Laut Angaben von Finanzvorstand Joe Kaeser könnte der entstandene Gesamtschaden errechnet bis Januar 2008 sogar 1,6 Milliarden Euro betragen.
(Siemens: ra)


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Nach Rücktritt: Jim Reid-Anderson beerbt Reinhardt Neue Impulse für TechniData