Deutsche Telekom: Auch Kunden abgehört?
Angeblicher Hackerangriff auf die Deutsche Telekom: Hagen Hultzsch ließ vier Telefonnummern bei drei Teilnehmern abhören, ohne die Aktion vorher bei der Staatsanwaltschaft genehmigen zu lassen
Auch Aufsichtsbehörden wurden nicht vorher informiert - Bundesdatenschützer Peter Schaar will die Aufzeichnungspraktiken der Telekom genauer untersuchen
(23.06.08) - Nach Erkenntnissen der Wirtschaftswoche und des ZDF soll die Deutsche Telekom nicht nur Aufsichtsräte, eigene Mitarbeiter und Journalisten bespitzelt haben. Unterlagen sollen belegen, dass die Telekom bereits 1996 Telefonate von Kunden aufgezeichnet hat. Würde dies stimmen, hätte die Deutsche Telekom das Fernmeldegeheimnis eindeutig verletzt. Die Telekom wehrt sich in einer Stellungnahme gegenüber dem ZDF: "Angesichts eines nach damaliger Einschätzung unmittelbar drohenden schwersten Eingriffs in die Rechnersysteme der Telekom hielt man wegen der besonderen Eilbedürftigkeit eigene Maßnahmen zur Gefahrenabwehr für unerlässlich."
Die Gefahrenabwehr, von der die Telekom spricht, bezieht sich auf einen abgeblichen "schweren Hacker-Angriff einer einzelnen Person auf das Netz der Deutschen Telekom", so die Aussage gegenüber dem ZDF. Genehmigt habe den Abhör-Vorgang laut Informationen von Wirtschaftswoche und ZDF der damalige Vorstand Technische Dienste, Hagen Hultzsch.
In einer Krisensitzung am Abend des 11. Dezember 1996 habe er sich für die Bespitzelung ausgesprochen, nachdem zuvor Telekom-Juristen eine Rechtmäßigkeit unter Berufung auf den Notwehrparagraphen (§ 32) des Strafgesetzbuches gerechtfertigt hätten: Es habe dem Unternehmen schwerer Schaden bevorgestanden, lautete die damalige Erkenntnis. Später soll der Telekom-Personalvorstand Heinz Klinkhammer versucht haben, die Bespitzelung zu vertuschen. Gegenüber heise online rechtfertigte sich ein Sprecher der Telekom mit der Aussage: "Es gibt keinen Beleg dafür, dass Kunden abgehört wurden." – Wobei er offensichtlich davon ausgeht, dass die abgehörten Personen nicht als Kunden betrachtet werden können.
Die Abhöraktion lief unter dem Decknamen "Bunny". Überwacht wurden vier Telefonnummern von drei verdächtigen Personen. Rund 120 Anrufe seien erfasst worden, dabei sei teilweise auch der Inhalt der Gespräche aufgezeichnet worden. Die Auswertung sei im Monitoring-Center der Servicefirma Reuter, die laut Informationen der Wirtschaftswoche auch für deutsche Sicherheitsbehörden gearbeitet habe, vorgenommen worden.
Gegenüber dem ZDF hat die Telekom erklärt, dass sie keine Gespräche abgehört habe. Sie habe lediglich den Hackerangriff technisch analysiert, indem sie den Datenverkehr des ISDN-Anschlusses aufgezeichnet und dann versucht habe, im angeblichen Hackercode Steuersignale zu identifizieren. Angeblich habe die Telekom diesen "bis dahin größten Hackerangriff in der Geschichte der Deutschen Telekom" bei der Staatsanwaltschaft angezeigt.
Erst im Juni 1997 soll die Telekom das Bundesministerium für Post und Telekommunikation über den Vorfall informiert haben. Angeblich habe der zuständige damalige Staatssekretär Gerhard Pfeffermann den Abhörvorgang als "strafrechtlich in hohem Maße bedenklich" und als "rechtswidrig" gerügt. Auch Telekom-intern soll die Rechtmäßigkeit der Aktion als Verstoß gegen geltendes Recht umstritten gewesen sein. Kritisiert wurde, dass der Konzern nicht rechtzeitig die Aufsichtsbehörden und schon gar nicht die Betroffenen der Abhöraktion informiert habe.
Interessanterweise kam es nicht zu einem Verfahren gegen die angeblichen Hacken. Das Ermittlungsverfahren soll sang- und klanglos eingestellt worden sein. Gegenüber der Wirtschaftswoche kündigte Bundesdatenschützer Peter Schaar an, er werde die Aufzeichnungspraktiken der Telekom bei der Telefonüberwachung genauer untersuchen. (Deutsche Telekom: ra)
Die Bespitzelungsaffäre der Deutschen Telekom
16.07.08 - KfW, Datenschutz und Deutsche Telekom AG
Die möglichen datenschutzrechtlichen Verfehlungen der Deutschen Telekom AG, die Gegenstand eines laufenden staatsanwaltlichen Ermittlungsverfahrens sind, waren nicht Thema des Gesprächs, das die Bundesregierung am 2. Juni 2008 mit führenden Vertretern der Telekommunikationsbranche geführt hat.
16.07.08 - Deutsche Bundesregierung: Telekom-Sicherheit wurde nicht beanstandet
Die Bundesnetzagentur hat nach Auskunft der Bundesregierung die Sicherheitskonzepte der Deutschen Telekom AG zum Schutz des Fernmeldegeheimnisses geprüft und dabei keine wesentlichen Mängel festgestellt.
23.06.08 - Deutsche Telekom: Auch Kunden abgehört?
Nach Erkenntnissen der Wirtschaftswoche und des ZDF soll die Deutsche Telekom nicht nur Aufsichtsräte, eigene Mitarbeiter und Journalisten bespitzelt haben. Unterlagen sollen belegen, dass die Telekom bereits 1996 Telefonate von Kunden aufgezeichnet hat. Würde dies stimmen, hätte die Deutsche Telekom das Fernmeldegeheimnis eindeutig verletzt.
20.06.08 - Update: Deutsche Telekom-Spitzelaffäre
"Wir neigen nicht zu Bauernopfern", sagte der Bonner Oberstaatsanwalt, Friedrich Apostel, dem "Handelsblatt" und verlieh damit gleichzeitig seiner Überzeugung Ausdruck, die Bespitzelungsaffäre der Deutschen Telekom vollständig aufklären zu können.
10.06.08 - Datenschutzpraxis bei der Deutschen Telekom
Die Bespitzelungsaffäre bei der Deutschen Telekom hat Spuren hinterlassen: Das Vertrauen der Kunden in die Fähigkeit und den Willen der Telekom, Kundendaten wirkungsvoll zu schützen, hat erheblichen Schaden genommen. Nachfolgend erklärt die Deutsche Telekom wie in ihrem Unternehmen die Datenschutzpraxis abläuft.
05.06.08 - Telekom-Bespitzelungsaffäre im Innenausschuss
Der Umgang mit der so genannten Telekom-Bespitzelungsaffäre wurde am 4. Juni im Innenausschuss diskutiert. Dabei erläuterte ein Vertreter des Bundesinnenministeriums (BMI) Ziel und Verlauf des Treffens von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) mit Vertretern der Telekom und der Branchenverbände am Montag.
04.06.08 - Umfrage "Schärfere Gesetze gegen Datenmissbrauch"
Die Bespitzelungsaffäre der Deutschen Telekom hat das Vertrauen der Kunden in die Wirtschaft und speziell in die Telekom-Branche stark getrübt. Compliance-Magazin.de möchte von ihren Lesern wissen, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, um den Datenmissbrauch zukünftig zu verhindern.
03.06.08 - Treffen zwischen Schäuble und Obermann
Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) hat wohl Recht behalten. Kurz vor dem Gespräch von Innenminister Wolfgang Schäuble mit der Deutschen Telekom und zwei Branchenverbänden hatte er gegenüber der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ) das geplante Treffen als "reine Schaufensterpolitik" kritisiert.
03.06.08 - Datenschutz: Bitkom warnt vor Schnellschüssen
Schon im Vorfeld des Treffens mit Innenminister Wolfgang Schäuble hat der Bundesverband Bitkom vor Schnellschüssen in der gegenwärtigen Debatte um den Datenschutz in der Telekommunikation gewarnt.
03.06.08 - Datenschutzmängel in der Wirtschaft bekämpfen
Die Frage nach Strafverschärfung bei Datenschutzverletzungen gewinnt angesichts der Bespitzelungsaffäre bei der Deutschen Telekom verstärkt an Dynamik. Erneut hat der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI), Peter Schaar, eine Erhöhung der Bußgelder für Rechtsverstöße gegen das Datenschutzrecht gefordert.
02.06.08 - Deutsche Telekom beruft externen Sachverständigen
Als Reaktion auf die Bespitzelungsaffäre hat die Deutsche Telekom AG hat am Freitag (30.05.08) den Vorsitzenden Richter am Bundesgerichtshof (BGH), Dr. Gerhard Schäfer, als Sachverständigen für die Aufklärung um die Vorwürfe zum Missbrauch von Daten angeworben.
30.05.08 - Bespitzelungsaffäre der Telekom eskaliert
Nun ist es soweit: Die Staatsanwaltschaft Bonn hat am Donnerstag-Vormittag (29. Mai 2008) die Mittlungen in der Telekom-Bespitzelungsaffäre aufgenommen und die Bonner Zentrale der Deutschen Telekom durchsucht.
30.05.08 - Fragen und Antworten zum Telekom-Skandal
Da durch die Bespitzelungsaffäre das Vertrauen der Kunden in die Deutsche Telekom massiv untergraben wurde, sieht sich das Unternehmen gezwungen, öffentlich auf Fragen der Kunden zu antworten – soweit diese nicht die laufenden Untersuchungen beeinträchtigen.
27.05.08 - Deutsche Telekom und Datenschutz
Zu den Berichten über die missbräuchliche Verarbeitung von Telekommunikationsdaten bei der Deutschen Telekom hat der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit eine Prüfung der Vorgänge eingeleitet.
27.05.08 - Deutsche Telekom arbeitete mit SED-Methoden
Ein beeindruckenden Schritt in Richtung "Vertrauensbildende Maßnahmen zum Zwecke der Kundenbindung" leistete sich offensichtlich die Telekom: Rund anderthalb Jahre (2005 und 2006) lang ließ die Deutsche Telekom eigene Mitarbeiter, Aufsichtsräte und Journalisten bespitzeln, indem sie illegal Telefondaten der Betroffenen auswertete.
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