Hat Siemens Schmiergeld-Aufklärung blockiert?
Vorwürfe gegen Siemens: Die Compliance-Abteilung des Unternehmens soll konzerninterne Finanzprüfung gestoppt haben, um mögliche Schmiergeldzahlungen nicht zu enttarnen
Wirtschaftsprüfungsfirma KPMG hat als Zeuge bei der Münchner Staatsanwaltschaft gegen Siemens ausgesagt
(18.12.07) – Siemens-Schmiergeldskandal und kein Ende: Wie die Süddeutsche Zeitung jetzt berichtet, ist offenbar die Siemens AG massiv gegen eine mögliche Aufdeckung von Schmiergeld- und Korruptionsvergehen vorgegangen: So habe ein Mitarbeiter des Wirtschaftsprüfungsunternehmens KPMG in einer Zeugenaussage vor der Münchner Staatsanwaltschaft die Siemens AG beschuldigt, bereits im April 2006 eine konzerninterne Finanzprüfung gestoppt zu haben. Der KPMG-Angestellte äußerte den Verdacht, Siemens habe die KPMG-Nachforschungen bewusst abwürgen wollen.
Die KPMG hat über viele Jahre für die Siemens AG gearbeitet. Im Geschäftsjahr 2008/2009 allerdings soll ein anderes Wirtschaftsprüfungsunternehmen die KPMG ersetzen.
Laut Spiegel-Recherchen ist vor allem die ehemalige Siemens-Mobilfunksparte ICM in mögliche Schmiergeldzahlungen involviert gewesen. Die KPMG habe Anfang 2006 die Intercom Telecommunications Systems auf Veranlassung von Verwaltungsratsmitgliedern der Intercom überprüfen sollen.
Bei den Untersuchungen sei man auf dubiose Zahlungen gestoßen, die zwischen 2002 und Anfang 2006 über eine Schweizer Tochter des Siemens-Konzerns abgewickelt wurden. Dabei handelte es sich um 43,5 Millionen Schweizer Franken ( = rund 26 Mio Euro). Die KPMG habe die Erkenntnis gewonnen, dass die Intercom dazu genutzt worden sei, Beraterverträge mit fragwürdigen Geschäftspartnern zu verwalten. Siemens-Schmiergelder seien über die Intercom und diversen Briefkastenfirmen in Liechtenstein, Panama und den British Virgin Islands an Empfänger in aller Welt verteilt worden.
Nach Abschluss ihrer Ermittlungen habe die KPMG den Sonderbericht "Opera" erstellen wollen, so der Spiegel. Die zuständige Siemens-Compliance-Abteilung habe nicht nur die Arbeit der KPMG über Monate sabotiert, sie habe sogar die Weisung erteilt, den Bericht "Opera" nicht fertigzustellen. Einwände der KPMG seien diesbezüglich abgeschmettert worden. (Siemens: Spiegel: SZ: ra)
Der Siemens-Skandal im Überblick:
Cover-Interview: Siemens und die organisierte Kriminalität
Hier lesen Sie alles zum Siemens-Skandal
Siemens: Rechtsstreits im Geschäftsjahr 2007
Neue Dimension im Siemens-Schmiergeldskandal
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