Siemens-Chef in Griechenland wird entlassen
Siemens-Compliance-Chef Peter Y. Solmssen: Wer geschmiert hat, hat sich bereichert - Erste Amnestien für Geständige
Ein Mythos, dass es in einigen Gegenden der Welt unmöglich sei, ohne Bestechung an Aufträge zu kommen
Peter Y. Solmssen:
Sauberkeit zum Wettbewerbsvorteil machen, Bild: Siemens
(19.12.07) – Siemens will aufräumen mit dem Mythos, dass innerhalb von Siemens Bestechung zum Wohle des Unternehmens betrieben worden sei. Der im Oktober in den Siemens-Vorstand als oberster Korruptionsbekämpfer berufene Deutschamerikaner Peter Y. Solmssen will Ausreden bei Bestechungsfällen nicht mehr gelten lassen. In einem Gespräch mit der ZEIT (Interview der ZEIT Nr. 52 vom 19. Dezember 2007) sagt Solmssen, Vorstand Recht und Compliance bei der Siemens AG, er sehe seine Aufgabe als General Counsel darin, "mit ein paar Mythen" in diesem Zusammenhang aufzuräumen.
So könne nicht die Rede davon sein, dass die Siemens-Mitarbeiter, die mit Hilfe von Schmiergeldern Aufträge hereingeholt hätten, ausschließlich im Interesse der Firma gehandelt und sich nicht bereichert hätten. Sie hätten sich dadurch Boni und Gehaltserhöhungen gesichert. "Sie haben ihre Zahlen gemacht und dafür auch Schmiergeld eingesetzt. Selbstverständlich haben sie sich bereichert", sagt Solmssen.
Ein Mythos sei auch, dass es in einigen Gegenden der Welt unmöglich sei, ohne Bestechung an Aufträge zu kommen und dass es "jeder mache". Sein früherer Arbeitgeber, der Siemens-Konkurrent General Electric, habe es verstanden, Sauberkeit zum Wettbewerbsvorteil zu machen. Diesem Beispiel werde Siemens folgen.
Seit der Einführung einer Melde-Möglichkeit für unsaubere Geschäftspraktiken hätten sich bereits mehr als 200 Mitarbeiter anvertraut, sagt Solmssen. "Wir sind so schneller an Informationen darüber gekommen, wie die Dinge gehandhabt wurden". Mitarbeiter seien auch "in diese Systeme hineingezwungen" worden. Deshalb habe es auch erste Amnestien für Geständige gegeben. Es sei wichtig, so an die Verantwortlichen heranzukommen.
Der Siemens-Konzern versucht derzeit in Gesprächen mit der amerikanischen Börsenaufsicht SEC, eine hohe Strafe wegen jahrelanger Schmiergeldzahlungen im Ausland abzuwenden. Der Vorstandsvorsitzende Peter Löscher, Aufsichtsratschef Gerhard Cromme sowie General Counsel Peter Y. Solmssen sind dazu Anfang der Woche nach Washington gereist. Der ZEIT sagt Solmssen vor der Abreise, man werde die SEC von der Ernsthaftigkeit des Bemühens um künftig saubere Geschäfte überzeugen.
Ein Teil dieser "Ernsthaftigkeit" scheint auch die plötzliche Entlassung des Chefs von Siemens Griechenland zu sein, zu der sich Siemens allerdings nicht weiter äußern wollte. Wegen der Schmiergeld- und Korruptionsaffären droht Siemens hohes Bußgeld der SEC, das mehrere Milliarden Euro betragen könnte. (DIE ZEIT, Siemens. ra)
Der Siemens-Skandal im Überblick:
Cover-Interview: Siemens und die organisierte Kriminalität
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Neue Dimension im Siemens-Schmiergeldskandal
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