Korruption in Großkonzernen

"Die große Gier: Korruption, Kartelle, Lustreisen: Warum unsere Wirtschaft eine neue Moral braucht" – Hans Leyendecker seziert in seinem neuen Buch die großen deutschen Korruptionsskandale im Zeitalter der Globalisierung
"Am Ende habe ich mich gefühlt wie so ein kleiner Junge, der von der Oma ein bisschen Geld zugesteckt bekam
"

(14.09.07) - Noch nie wurde in der Bundesrepublik derart gemauschelt und betrogen wie im Zeitalter der Globalisierung: Weltkonzerne wie VW, Siemens, oder EADS setzen wegen kurzfristiger Gewinne ihren Ruf aufs Spiel. Die Habsucht und Hybris der Manager scheinen grenzenlos zu sein. Aber im Zeitalter der Globalisierung gilt auch: Auf lange Sicht bleibt dabei nicht nur die Moral auf der Strecke, sondern das, was die Wirtschaft im Innersten antreibt – der Profit. Bei unlauterem Geschäftsgebaren droht der Verlust ganzer Märkte. Deutschland, so zeigt der Journalist Hans Leyendecker mit seinem atemberaubenden Material, braucht eine neue Ethik, damit die Wirtschaft nicht abstürzt.

Einer, der zu seinem Korruptionsvergehen mutig öffentlich Stellung nimmt, ist Infineons Ex-Vorstandsmitglied Andreas von Zitzewitz. In einer MDR-Fernsehsendung zur Vorstellung von Leyendeckers Buch (MDR, Sonntag, 9. September 2007, wiederholt in 3SAT, Kulturzeit, 13. September 2007), charakterisiert von Zitzewitz seine irrationale Handlungsweise mit den Worten: "Am Ende habe ich mich gefühlt wie so ein kleiner Junge, der von der Oma ein bisschen Geld zugesteckt bekam."

Im Infineon-Korruptionsprozess hatte Ex-Vorstandsmitglied Andreas von Zitzewitz im Sommer 2005 öffentlich beschrieben, wie er Schmiergeld angenommen und sich dadurch seine Unabhängigkeit hatte abkaufen lassen. Von Zitzewitz, der als ehemaliger Vorstand und Chef der Speicherchipsparte des Halbleiterkonzerns rund 1,1 Millionen Euro im Jahr verdiente, hatte von Raf Udo Schneider, der das Motorsport-Sponsoring für Infineon organisierte, mehrmals Beträge in Höhe von insgesamt 70.000 bis 100.000 Euro angenommen – bar versteht sich. Als Gegenleistung hatte er Schneider geholfen, an Sponsorenverträge im Motorsportgeschäft zu gelangen. Insgesamt hatte Schneider mehrere Infineon-Manager mit insgesamt 260.000 Euro bestochen.

Vor dem Münchner Landgericht sagte von Zitzewitz seinerzeit aus, er habe das Schmiergeld nach eigenen Angaben in der Regel bei Treffen in seinem Büro erhalten. Schneider habe ihm Briefumschläge mit Geldscheinen überreicht. Das Geld sei für Motorradrennen verwendet worden, an denen er gemeinsam mit seinen zwei Söhnen teilgenommen habe, unter anderem für Startgebühr und neue Reifen. Andreas von Zitzewitz erhielt für sein Vergehen ein Jahr Haft auf Bewährung und wurde zu 100.000 Euro Geldbuße verurteilt.

Interviewt in der MDR-Sendung erklärte von Zitzewitz, wie eins zum anderen gekommen war: "Ende der 90er Jahre haben wir uns überlegt, dass wir doch ein bisschen mehr tun müssen um unseren neuen Namen bekannt zu machen und deswegen sind wir in das Motorsport-Sponsoring eingestiegen. Und in dem Zusammenhang habe ich den freien Makler, Herrn Schneider, Sponsoren vermittelt. Eines Tages stand er bei mir im Büro mit einem Briefumschlag und darin lag Geld und er sagte mir: Mensch, an diesen Geschäften verdiene ich ganz gut und ich will Dir davon was abgeben."

Gewissenhaft seziert Leyendecker die großen Korruptionsskandale der jüngeren deutsche Wirtschaftsgeschichte im Zeitalter der Globalisierung und kommt immer wieder auf den gleichen Punkt als Motor zurück: "Die große Gier". Die VW-Lustreisen und Bordell-Affäre nimmt einem breiten Raum (ca. 60 Seiten) ein: "Brüder zur Sonne, zur Sause" witzelt Leyendecker.

Gegenüber dem MDR meint Leyendecker: "Man bekommt plötzlich mit, wie Arbeitnehmervertreter ihre Reisen so arrangieren, dass sie in die besten Bordelle fahren, wie sie sich abschotten, wie sie fünf Sterne leben. Der VW-Skandal wird dadurch, dass zwischen dem, was man vorgibt und zwischen dem, was man tut, eine so große Kluft ist, im Vergleich zum Siemens-Skandal draußen anders gesehen. Er wird als Verrat gesehen, während das Andere noch immer mit zu dem Spiel gehört, wie es international üblich ist."

Hans Leyendecker
Die große Gier
Korruption, Kartelle, Lustreisen: Warum unsere Wirtschaft eine neue Moral braucht.
Rowohlt Verlag 2007.
ISBN-10: 3.871.345.946
ISBN-13: 978-3871345944
Euro 19,90


(Rowohlt: ra)

[Abbildung] [Abbildung]


[Dieser Inhalt steht auf mobilen Endgeräten nicht zur Verfügung.]


[Dieser Inhalt steht auf mobilen Endgeräten nicht zur Verfügung.]

Was digitale Postbearbeitung bedeutet | Einblick in SAP-Sicherheit und Compliance

Schwerpunkt: Ethik und Compliance im Unternehmen | Events / Veranstaltungen | Stellenanzeigen - Jobsuche | Compliance-Shop | Statement of the Month: Identity Management | Shopping-Portal & Shopping Mall | Newsletter | Impressum | Kontakt | Links | RSS: Compliance-Magazin.de-News Feed abonnieren | RSS: IT SecCity®.de-News Feed abonnieren | Datenschutzerklärung | Geschäftsbedingungen | Wichtiger Hinweis zu Rechtsthemen | Compliance-Magazin für Mobile Devices | Sitemap | Suche