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Compliance-Magazin.de-Umfrage: Welche Maßnahmen sollen ergriffen werden, um zukünftig den Datenmissbrauch zu verhindern?
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble setzt auf eine Selbstverpflichtung der Branche - andere fordern strengere Überwachung, schärfere Gesetze und höhere Bußgelder
(04.06.08) – Die Deutsche Telekom wird aktuell mit schweren Bespitzelungs-Vorwürfen konfrontiert. Demnach soll es in den Jahren 2005 und 2006 zur missbräuchlichen Nutzung von Verbindungsdaten von Aufsichtsrat-Mitgliedern, Managern und Journalisten gekommen sein. Um eine rasche auch strafrechtliche Klärung zu ermöglichen, hat der Vorstandvorsitzende der Deutschen Telekom, René Obermann, angeordnet, die Staatsanwaltschaft einzuschalten. Bereits am 14. Mai hat das Unternehmen Anzeige erstattet. Die Staatsanwaltschaft Bonn hat darauf hin am 29. Mai 2008 die Ermittlungen aufgenommen und die Bonner Zentrale des Konzerns durchsucht.
Inzwischen hat der Skandal erneut an Dynamik gewonnen: So sollen nicht nur Telefonverbindungen ausgespäht worden sein, sondern sogar Bankdaten. Außerdem habe man zudem von einzelnen Personen über Handy-Daten Bewegungsprofile erstellt.
Um die Datensätze auszuspähen hat sich die Deutschen Telekom verschiedener Dienstleister bedient:
>> Control Risks Group (CRG), Unternehmensberatung für Krisenmanagement und Ermittlungen. Sie soll bereits im Jahr 2000 von der Konzernsicherheit beauftragt worden sein, undichte Stellen im Konzern zu enttarnen.
>> Die Wirtschaftsdatei Desa Investigation & Risk Protection: Angeblich (so sagt die Financial Times Deutschland - FTD) habe diese Datei im Jahr 2000 einen Reporter der FTD bespitzelt. Ihre Geschäftsführer seien ehemalige Stasi-Mitarbeiter.
>> Network Deutschland, Spezialist für die Kommunikationssicherheit, soll die Verbindungsdaten ausgewertet haben.
Durch die Bespitzelungsaffäre ist Vertrauen der Kunden in die Deutsche Telekom und die Wirtschaft massiv untergraben worden. Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, Peter Schaar, fordert die Kontrolldichte zu erhöhen, um Datenmissbrauch frühzeitig aufdecken zu können. Außerdem spricht er sich für die Erhöhung von Bußgeldern bei Verstößen aus und die Beseitigung von Hürden und Hemmnisse, die dazu führen, dass zurzeit nur sehr wenige Datenschutzverstöße als Straftat oder Ordnungswidrigkeit sanktioniert werden".
Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) wiederum fordert eine massivere Kontrolle der Wirtschaft und hält nichts von einem Ehrenkodex der Branche, wie ihn beispielsweise Innenminister Wolfgang Schäuble unter dem Stichwort "Selbstverpflichtung" einfordert. Schäuble wie auch Branchenverbände sprechen sich massiv gegen schärfere Gesetze im Bereich Datenschutz aus.
Die Fraktion der Grünen hat generell etwas gegen die Sammel-Wut von Daten und sagt, der beste Datenschutz sei immer noch die "Datenarmut". Die Grünen greifen in diesem Zusammenhang auch die vom Gesetzgeber beschlossene Vorratsdatenspeicherung an. Auch die FDP fordert die Bundesregierung auf, das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung zu stoppen. Die Vorratsdatenspeicherung, die als entsprechendes Gesetz seit dem 1. Januar gilt, ist bei der Telekom allerdings derzeit noch gar nicht installiert worden. Sie muss bis zum 31. Dezember 2008 umgesetzt werden – solange läuft die Übergangsfrist, die der Gesetzgeber den Telekommunikationsunternehmen eingeräumt hat.
Rund 120 Milliarden Datensätze fallen allein bei der Deutsche Telekom pro Jahr an. Erfasst werden in einem Datensatz der Zeitpunkt des Anrufs, seine Dauer, die Nummern der Teilnehmer sowie rechnungsspezifische Merkmale wie z.B. Konferenzschaltungen etc.. Diese Daten werden bei der Telekom derzeit 80 Tage lang vorgehalten, um auf entsprechende Reklamationen und Nachfragen reagieren zu können.
Compliance-Magazin.de möchte von ihren Lesern wissen, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, um den Datenmissbrauch zukünftig zu verhindern.
Abbildung: Telekom offenbart Datenschutzmängel: - Sind schärfere Gesetze und höhere Strafen notwendig? Bild: Deutsche Telekom
Umfrage: Wofür plädieren Sie, um den Datenschutz sicherzustellen?