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Jetzt wird es eng: Neue Vorwürfe gegen Heinrich von Pierer in der Siemens-Korruptionsaffäre – Sah die Siemens AG unter von Pierer "Schmiergeldzahlungen als mögliche Unternehmensstrategie"?
Wenn die Vermerke des Ex-Compliance-Beauftragten Albrecht Schäfer stimmen, muss Heinrich von Pierer schon 2004 von den Korruptionsvorfällen gewusst haben
Von Rainer Annuscheit
(14.04.08) – Neue Erkenntnisse über Heinrich von Pierer bringen die Siemens-Korruptionsaffäre zurück in die Schlagzeilen. So schnell wird die Luft dünn: Vor einer Woche noch ließ die Münchner Staatsanwaltschaft verlauten, der Ex-Siemens-Vorstandschef und -Aufsichtsratsvorsitzende Heinrich von Pierer sei sauber. Er habe nichts von Korruption, Schmiergeld und Schwarze Kassen gewusst.
Sauber ist aber offensichtlich nicht rein. Nach Informationen des "Spiegel" soll von Pierer schon seit 2004 "von systematischer Korruption" im Unternehmen Kenntnis gehabt haben. Das Hamburger Nachrichtenmagazin verweist in diesem Zusammenhang auf "bisher unbekannte Vermerke" von Albrecht Schäfer, seines Zeichens ehemaliger Compliance-Beauftragter der Siemens AG, die erst vor wenigen Tagen aufgetaucht sein sollen. Der Spiegel berichtet weiter, ein Zeuge soll sogar berichtet haben, von Pierer selbst könnte eventuell an Bestechungsvorgängen in den achtziger Jahren beteiligt gewesen sein.
Albrecht Schäfer habe in der Schmiergeldaffäre um den Stromerzeuger Enel schon 2004 alle maßgebliche Vorstände, darunter auch Heinrich von Pierer, über die Erkenntnisse des Mailänder Ermittlungsrichters informiert. Der Spiegel zitiert aus dem Bericht: "Insbesondere die ... Existenz schwarzer Kassen bei Siemens zeige, dass die von Siemens praktizierte Aufsicht völlig ineffizient war und das Unternehmen Schmiergeldzahlungen zumindest als mögliche Unternehmensstrategie ansah". Auf der Verteilerliste des Schäfer-Berichtes habe unter der Rubrik "zur Kenntnis" neben Finanzchef Heinz-Joachim Neubürger, Personalvorstand Jürgen Radomski und Aufsichtsratschef Karl-Hermann Baumann eben auch Heinrich von Pierer gestanden.
Mehr noch: Der Spiegel weist auf einen weiteren Schäfer-Vermerk vom 29. April 2004 hin, den ebenfalls von Pierer und andere Vorstände erhalten haben sollen. In dem Vermerk ging es um die Gefahr, dass die amerikanische Börsenaufsicht SEC wegen der Enel-Korruptionsaffäre gegen Siemens ermitteln könnte.
Amnesie als Verteidigungsstrategie?
Von Pierer selbst hatte in seiner Verteidigungsstrategie bisher stets nach dem Motto gehandelt: "Ich habe von Korruption, Schmiergeld und Schwarze Kassen nichts gewusst" – Das hieß bisher nichts anderes als: Was man mir nicht nachweisen kann, gebe ich einfach nicht zu.
Zwei Wochen vor der Siemens-Aufsichtsratssitzung am 29. April bringt der "Spiegel"-Bericht nun neue Unwucht in die demonstrative Siemens-Harmonie. Wenn die Fakten stimmen, muss von Pierer etwas gewusst haben, es sei denn, er leidet heute unter Amnesie und ist sich dessen nicht bewusst, was vielleicht einmal gewusst hat.
Gegenüber dem "Spiegel" habe die Anwältin von Schäfer mitgeteilt, dass ihr Mandant "sein Wissen den internen Siemens-Ermittlern bereits Anfang 2007 umfassend mitteilen (wollte). Allerdings habe noch in der ersten Jahreshälfte 2007 'kein Interesse an seinen Aussagen' bestanden. Diese seien 'entweder nicht ernst genommen worden oder man wollte sie nicht hören'."
Der Spiegel hat sowohl Heinrich von Pierer als auch Siemens und andere Betroffene um Stellungnahme zu diesen neuen Erkenntnissen gebeten. Erwartungsgemäß wollte sich jedoch keiner äußern.
Siehe auch Spiegel-Bericht: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,546970,00.html
(Siemens: ra)
Der Siemens-Skandal im Überblick:
Cover-Interview: Siemens und die organisierte Kriminalität
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Neue Dimension im Siemens-Schmiergeldskandal
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Siemens: Aufsichtsratsmitglieder neu gewählt
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Siemens-Korruption: Neue Erkenntnisse
Siemens: Unruhe vor der Hauptversammlung
SdK: Siemens-Aufsichtsrat hat versagt
Kein Freibrief für Siemens-Vorstände
Abbildung: Heinrich von Pierer: - Was wusst er wirklich über die Siemens-Korruptions-Strategien? Bild: Siemens
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