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Deutsche Telekom arbeitete mit SED-Methoden

Watergate bei der Deutschen Telekom: Unternehmen spionierte eigene Manager, Telekom-Aufsichtsräte und Journalisten aus – Telekom-Chef René Obermann kündigt lückenlose Aufklärung an
Gibt es nach dem Siemens-Skandal nun den großen Telekom-Skandal? – Mehrere hunderttausend Festnetz- und Mobilfunkdatensätze der wichtigsten über die Telekom berichtenden Journalisten und deren privaten Kontaktpersonen" wurden ausgewertet

(27.05.08) – Ein beeindruckenden Schritt in Richtung "Vertrauensbildende Maßnahmen zum Zwecke der Kundenbindung" leistete sich offensichtlich die Telekom: Rund anderthalb Jahre (2005 und 2006) lang ließ die Deutsche Telekom eigene Mitarbeiter, Aufsichtsräte und Journalisten bespitzeln, indem sie illegal Telefondaten der Betroffenen auswertete. Ziel war es, undichte Stellen im eigenen Unternehmen aufzuspüren, nachdem wiederholt Informationen über interne Auseinandersetzungen, die sich zumeist um die drastisch sinkenden Kundenzahlen drehten, an die Öffentlichkeit gelangt waren. Die kriminelle Bespitzelung fand unter dem damaligen Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke statt. Ricke selbst bestreitet, die Aufträge erteilt zu haben, um die Telefonverbindungsdaten auszuspähen.

Bereits Ende April sei man laut Aussage von Telekom-Chef René Obermann mit diesem Sachverhalt konfrontiert worden und habe am 14. Mai 2008 Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Bonn erstattet. Laut Informationen des "Spiegel" fanden die Bespitzelungen unter den Projektnamen "Clipper" und "Rheingold" statt. Dabei seien mehrere "hunderttausend Festnetz- und Mobilfunkdatensätze der wichtigsten über die Telekom berichtenden Journalisten und deren privaten Kontaktpersonen" ausgewertet worden. Angeblich seien aber nicht die Gesprächsinhalte Ziel der Überprüfung gewesen – es soll also kein Abhören von Gesprächen gegeben haben. Bei der rechtswidrigen Nutzung von Verbindungsdaten handelte es sich um Angaben zu Uhrzeit, Länge und Teilnehmern von Gesprächen.

Unklar ist derzeit noch, ob die Bespitzelung nur in die Amtszeit von Ricke fällt, oder ob auch Nachfolger Obermann von der Affäre betroffen ist. Laut Spiegel sei noch im November 2006 das Projekt Clipper aktiv gewesen – Obermann hatte Ricke Mitte November 2006 abgelöst. Die Auswertung der Verbindungsdaten wurden von der Telekom an eine Firma übertragen, die im Bereich IT-Sicherheit aktiv ist. Derzeit überprüft die Bonner Staatsanwaltschaft die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wegen Verletzung des Datenschutzes.

"Ich bin über die Vorwürfe zutiefst erschüttert. Wir nehmen den Vorgang sehr ernst. Wir haben die Staatsanwaltschaft eingeschaltet und werden sie bei ihren Bemühungen um eine lückenlose Aufklärung unterstützen", sagte René Obermann. Zusätzlich wurde eine angesehene Kölner Anwaltskanzlei auf Wunsch des Vorstands und des Aufsichtsrats mit einer unabhängigen und rückhaltlosen Untersuchung der Vorfälle beauftragt.

Im Sommer 2007 war das Unternehmen aufgrund interner Hinweise bereits einem Einzelfall nachgegangen und konnte diesen Vorfall aufklären. Die in dieser internen Ermittlung gefundenen Erkenntnisse haben in 2007 zu weitreichenden personellen und organisatorischen Veränderungen in der Konzernabteilung Sicherheit geführt. Die Abteilung wurde komplett umgebaut und mit neuen Kontrollmechanismen personeller und organisatorischer Art aufgestellt.

"Wir haben uns angesichts der erkennbaren Schwachstellen und hohen Sensibilität dieses Bereichs für unser Unternehmen der Unterstützung eines langjährigen und erfahrenen Experten aus dem polizeilichen Bereich des Bundesinnenministeriums versichert: Ministerialdirektor a. D. Reinhard Rupprecht wurde noch in 2007 als Sicherheitsbevollmächtigter des Vorstands eingesetzt", erklärte Obermann.

Am 28. April 2008 wurden dem Vorstand nun neue, wesentlich umfangreichere und noch gewichtigere Vorwürfe durch ein Schreiben eines offenbar an den Vorgängen extern Beteiligten bekannt, der aus der Konzernabteilung Sicherheit heraus beauftragt worden war.

René Obermann äußerte sich zu den Vorwürfen: "Mit unserem Vorgehen wollen wir höchst mögliche Transparenz erreichen und der Strafjustiz ermöglichen, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Zudem haben wir als Vorstand gemeinsam mit dem Präsidialausschuss des Aufsichtsrats bereits eine erfahrene und angesehene Anwaltskanzlei beauftragt, eine rückhaltlose Aufklärung aller behaupteten Missbräuche durchzuführen."

Im Interesse der staatsanwaltlichen Prüfung will sich das Unternehmen derzeit nicht weiter zu Details äußern.

Videostatement René Obermann
Videostatement:
Stellungnahme von Telekom-Chef René Obermann zum Bespitzelungsskandal am 24. Mai 2008 vor der Presse.
Länge: 1:53 Minuten
http://www.deutschetelekom.de/dtag/cms/content/dt/de/534448

(Deutsche Telekom: ra)

Abbildung: Rene Obermann: - "Die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen", Bild: Dt. Telekom

Die Bespitzelungsaffäre der Deutschen Telekom


16.07.08 - KfW, Datenschutz und Deutsche Telekom AG
Die möglichen datenschutzrechtlichen Verfehlungen der Deutschen Telekom AG, die Gegenstand eines laufenden staatsanwaltlichen Ermittlungsverfahrens sind, waren nicht Thema des Gesprächs, das die Bundesregierung am 2. Juni 2008 mit führenden Vertretern der Telekommunikationsbranche geführt hat.

16.07.08 - Deutsche Bundesregierung: Telekom-Sicherheit wurde nicht beanstandet
Die Bundesnetzagentur hat nach Auskunft der Bundesregierung die Sicherheitskonzepte der Deutschen Telekom AG zum Schutz des Fernmeldegeheimnisses geprüft und dabei keine wesentlichen Mängel festgestellt.

23.06.08 - Deutsche Telekom: Auch Kunden abgehört?
Nach Erkenntnissen der Wirtschaftswoche und des ZDF soll die Deutsche Telekom nicht nur Aufsichtsräte, eigene Mitarbeiter und Journalisten bespitzelt haben. Unterlagen sollen belegen, dass die Telekom bereits 1996 Telefonate von Kunden aufgezeichnet hat. Würde dies stimmen, hätte die Deutsche Telekom das Fernmeldegeheimnis eindeutig verletzt.

20.06.08 - Update: Deutsche Telekom-Spitzelaffäre
"Wir neigen nicht zu Bauernopfern", sagte der Bonner Oberstaatsanwalt, Friedrich Apostel, dem "Handelsblatt" und verlieh damit gleichzeitig seiner Überzeugung Ausdruck, die Bespitzelungsaffäre der Deutschen Telekom vollständig aufklären zu können.

10.06.08 - Datenschutzpraxis bei der Deutschen Telekom
Die Bespitzelungsaffäre bei der Deutschen Telekom hat Spuren hinterlassen: Das Vertrauen der Kunden in die Fähigkeit und den Willen der Telekom, Kundendaten wirkungsvoll zu schützen, hat erheblichen Schaden genommen. Nachfolgend erklärt die Deutsche Telekom wie in ihrem Unternehmen die Datenschutzpraxis abläuft.

05.06.08 - Telekom-Bespitzelungsaffäre im Innenausschuss
Der Umgang mit der so genannten Telekom-Bespitzelungsaffäre wurde am 4. Juni im Innenausschuss diskutiert. Dabei erläuterte ein Vertreter des Bundesinnenministeriums (BMI) Ziel und Verlauf des Treffens von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) mit Vertretern der Telekom und der Branchenverbände am Montag.

04.06.08 - Umfrage "Schärfere Gesetze gegen Datenmissbrauch"
Die Bespitzelungsaffäre der Deutschen Telekom hat das Vertrauen der Kunden in die Wirtschaft und speziell in die Telekom-Branche stark getrübt. Compliance-Magazin.de möchte von ihren Lesern wissen, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, um den Datenmissbrauch zukünftig zu verhindern.

03.06.08 - Treffen zwischen Schäuble und Obermann
Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) hat wohl Recht behalten. Kurz vor dem Gespräch von Innenminister Wolfgang Schäuble mit der Deutschen Telekom und zwei Branchenverbänden hatte er gegenüber der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ) das geplante Treffen als "reine Schaufensterpolitik" kritisiert.

03.06.08 - Datenschutz: Bitkom warnt vor Schnellschüssen
Schon im Vorfeld des Treffens mit Innenminister Wolfgang Schäuble hat der Bundesverband Bitkom vor Schnellschüssen in der gegenwärtigen Debatte um den Datenschutz in der Telekommunikation gewarnt.

03.06.08 - Datenschutzmängel in der Wirtschaft bekämpfen
Die Frage nach Strafverschärfung bei Datenschutzverletzungen gewinnt angesichts der Bespitzelungsaffäre bei der Deutschen Telekom verstärkt an Dynamik. Erneut hat der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI), Peter Schaar, eine Erhöhung der Bußgelder für Rechtsverstöße gegen das Datenschutzrecht gefordert.

02.06.08 - Deutsche Telekom beruft externen Sachverständigen
Als Reaktion auf die Bespitzelungsaffäre hat die Deutsche Telekom AG hat am Freitag (30.05.08) den Vorsitzenden Richter am Bundesgerichtshof (BGH), Dr. Gerhard Schäfer, als Sachverständigen für die Aufklärung um die Vorwürfe zum Missbrauch von Daten angeworben.

30.05.08 - Bespitzelungsaffäre der Telekom eskaliert
Nun ist es soweit: Die Staatsanwaltschaft Bonn hat am Donnerstag-Vormittag (29. Mai 2008) die Mittlungen in der Telekom-Bespitzelungsaffäre aufgenommen und die Bonner Zentrale der Deutschen Telekom durchsucht.

30.05.08 - Fragen und Antworten zum Telekom-Skandal
Da durch die Bespitzelungsaffäre das Vertrauen der Kunden in die Deutsche Telekom massiv untergraben wurde, sieht sich das Unternehmen gezwungen, öffentlich auf Fragen der Kunden zu antworten – soweit diese nicht die laufenden Untersuchungen beeinträchtigen.

27.05.08 - Deutsche Telekom und Datenschutz
Zu den Berichten über die missbräuchliche Verarbeitung von Telekommunikationsdaten bei der Deutschen Telekom hat der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit eine Prüfung der Vorgänge eingeleitet.

27.05.08 - Deutsche Telekom arbeitete mit SED-Methoden
Ein beeindruckenden Schritt in Richtung "Vertrauensbildende Maßnahmen zum Zwecke der Kundenbindung" leistete sich offensichtlich die Telekom: Rund anderthalb Jahre (2005 und 2006) lang ließ die Deutsche Telekom eigene Mitarbeiter, Aufsichtsräte und Journalisten bespitzeln, indem sie illegal Telefondaten der Betroffenen auswertete.

Abbildung: Der Telekom-Skandal - Alles über die Bespitzelungsaffäre, Bild: Deutsche Telekom AG

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