Siemens: Radomski soll von Pierer ersetzen

Die Ablösung von Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer wird offensichtlich bei Siemens diskret geplant
Siemens selbst dementiert, dass Jürgen Radomski als Nachfolger von Heinrich von Pierer auserkoren wurde


(19.04.07) - Die Situation bei Siemens erinnert langsam an die Endzeitstimmung in der CSU vor rund vier Monaten: Kurz vor Weihnachten schlug die Bespitzelung von Gabriele Pauli hohe Wellen. Stoibers Büroleiter Höhenberger musste / durfte zurücktreten. Ministerpräsident Stoiber versicherte, er habe von alledem nichts gewusst, außerdem gäbe es kein Bespitzelungssystem innerhalb der CSU. Stoibers Vasallen, Herrmann, Beckstein, Glück und Huber, versicherten dem Ministerpräsidenten ihre Treue. Der aalglatte CSU-Fraktionschef Joachim Herrmann betonte gar im "Deutschlandfunk", Stoiber sei der "geborene Spitzenkandidat" für die nächste Landtagswahl (siehe: Bericht von br-online
http://www.br-online.de/bayern-heute/artikel/0612/22-hoehenberger-ruecktritt/index.xml).

Doch hinter Stoibers Rücken begann bereits das Posten-Geschachere. Dankbar nahm man in der CSU-Spitze zur Kenntnis, dass die gute Pauli begann, den Ministerpräsidenten sturmreif zu schießen, indem sie seine Wiederwahl öffentlich zur Disposition stellte. Das Ergebnis ist bekannt: In einer Nacht- und Nebelaktion wurde "Cäsar Stoiber" von einer Heerschar von kleinen "Brutussen)" regelrecht abgeschlachtet. Stoiber musste entnervt seinen vorzeitigen Amtsrücktritt bekannt geben.

Was der CSU ihr Stoiber, könnte der Siemens ihr von Pierer sein. Immer mehr wird Siemens-Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer als die zentrale Figur im Siemens-Korruptionsskandal gesehen, ohne deren Rücktritt ein Neuanfang bei Siemens kaum vorstellbar ist. Fast alle größeren und kleineren Korruptions- und Kartell-Schweinereien fielen offensichtlich in die Ära des Siemens-Vorstandsvorsitzenden Heinrich von Pierer, wobei es letztendlich vollkommen egal ist, ob von Pierer nun etwas gewusst oder nicht gewusst hat: Siemens braucht und sucht einen Verantwortungsträger, der moralisch die Gesamtverantwortung übernimmt – und zwar für alles.

Schon seit geraumer Zeit wird von Pierer daher förmlich bedrängt, seine diversen Hüte zu nehmen und in der Versenkung zu verschwinden:
>> Die Opposition in Berlin (siehe: Wann legt von Pierer seine Beratertätigkeit nieder?) würde es genauso wie die IG Metall (siehe: Interview mit Werner Neugebauer, IG Metall Bayern) begrüßen, wenn von Pierer seiner Beratertätigkeit für die Bundesregierung niederlegt,
>> Innerhalb des Aufsichtsrates hat sich bereits eine Kontra-von Pierer-Fraktion etabliert, die dem Aufsichtsratsvorsitzenden nach Ostern einen Amtsrücktritt nachlegten (siehe: Heinrich von Pierer: Demontage hat begonnen) und
>> auch die Investoren schießen gegen einen Verbleib von Pierer im Aufsichtsrat (siehe: Investoren gegen von Pierer).

Man will den Saubermann, der sogar mal in der Diskussion stand, eine adäquate Figur als Bundespräsident abzugeben, endlich straucheln sehen.

Die Motive sind sicherlich unterschiedlich:
>>
die einen gönnen von Pierer einfach mal einen gescheiten Denkzettel,
>> die anderen sehen in ihm die personifizierte Siemens-Korruptions- und Kartell-Historie: Für sie ist er der Übervater, dessen geistigen Söhne so eifrig zum Wohle der Firma Siemens schmieren, bestechen und Kartell-Absprachen treffen,
>> Die dritte Fraktion nimmt von Pierer gar übel, dass er die Siemens immer noch nach althergebrachter Tradition führen will und dadurch den "Machern" wie Siemens-Chef Klaus Kleinfeld den Entscheidungsspielraum raubt. Zu dieser Fraktion scheinen Investoren wie z.B. die Union Invest zu gehören.

Das "manager magazin" meldete jetzt, dass sich Siemens nach der Absage von Gerhard Cromme nun intern auf einen Nachfolger für den Aufsichtsratsvorsitzenden Heinrich von Pierer geeinigt hat. Es soll der jetzige Personalvorstand Jürgen Radomski (64) sein. Ramdomski soll die Leitung des Aufsichtsrates Anfang 2008 übernehmen, eventuell auch schon früher, falls von Pierer frühzeitig seinen Hut nehmen sollte.

Siemens dementierte diese Meldung zwar postwendend und sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Dow Jones, sie entbehre "jeglicher Grundlage" und sei "Unsinn", doch sprechen die gezielten Indiskretionen aus dem Haus Siemens eine andere Sprache. Zudem wäre es fast fahrlässig von der Siemens-Spitze, zu diesem Zeitpunkt nicht nach einem passenden Nachfolger für von Pierer zu suchen.

Hier lesen Sie alles zum Siemens-Skandal
(Siemens: ra).


Jürgen Radomski, soll von-Pierer nachfolger werden, Bild: Siemens





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