Siemens: Neuer Verdacht gegen Neubürger

In der AUB-Affäre fand jetzt eine Hausdurchsuchung beim ehemaligen CFO der Siemens AG, Heinz-Joachim Neubürger, statt
Gegen Neubürger wird jetzt nicht nur im Siemens-Korruptionsskandal ermittelt: Die Staatsanwaltschaft Nürnberg verdächtigt Neubürger, auch Zahlungen an die AUB gebilligt zu haben


(19.09.07) – Die AUB-Affäre zieht weitere Kreise: Mit einer Durchsuchung der Privaträume von Ex-Siemens-Finanzchef Heinz-Joachim Neubürger erreichte der Skandal jetzt einen neuen Höhepunkt. Nach Berichten von Süddeutsche Zeitung und Handelsblatt soll die Nürnberger Staatsanwaltschaft Neubürger verdächtigen, an der AUB-Affäre beteiligt gewesen zu sein. Die SZ berichtet, dass Neubürgers Anwalt Eberhard Wahle sowohl die Ermittlungen der Nürnberger Staatsanwaltschaft als auch die Durchsuchungen bestätigt habe. Auch der Sprecher der Nürnberger Justizbehörden, Andreas Quentin, bestätigte am Dienstag Medienberichte, nannte aber mit Verweis auf das Steuergeheimnis keine Einzelheiten.

Damit erhöht sich der Druck auf Neubürger entscheidend, denn die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn bereits im Zusammenhang mit den Schmiergeld- und Korruptionsvorwürfen gegen den Siemens-Konzern. Laut übereinstimmenden Medienberichten ermittelt die Staatsanwaltschaft Nürnberg gegen Neubürger wegen des Verdachts der Untreue. Neubürger soll Millionenzahlungen an den ehemaligen AUB-Chef Wilhelm Schelsky gebilligt haben. Das Geld sollte dazu verwendet worden sein, die AUB als Gegengewerkschaft zur IG Metall aufzubauen.

Der AUB-Skandal wurde bisher nur mit dem Siemens-(Ex)-Vorstand Johannes Feldmayer in Verbindung gebracht. Mit Neubürger wird nun eine zweite Front gegen einen ehemaligen "Siemens-Vorstand" eröffnet. Angesichts dieser Tatsache wird es immer unwahrscheinlicher, dass der frühere Siemens-Vorstands- und Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer nichts von der finanziellen Unterstützung der AUB durch die Siemens AG gewusst haben will. Heinrich von Pierer schmückt sich derzeit noch mit dem Titel eines Beraters der Deutschen Bundesregierung.

Neubürger war von 1998 bis zum Frühjahr 2006 Chief Financial Officer (CFO) der Siemens AG und Mitglied des Zentralvorstandes. Danach wurde er "Non-Executive Director" bei Private Equity-Gesellschaft Kohlberg Kravis Roberts (KKR). Im Juni 2007 soll er als Managing Director dessen Londoner Niederlassung haben, wird aber auf der Homepage der KKR immer noch als Berater geführt.

Warum Neubürger die Siemens AG noch vor Ablauf seines Vertrages verließ, bleibt bis heute im Dunkeln. Offiziell hieß es seinerzeit, Neubürger wolle sich eine Auszeit nehmen. Neubürger wurde damals sogar als möglicher Nachfolger des ehemaligen Siemens-Vorstandsvorsitzenden Heinrich von Pierer gehandelt.

In der AUB-Affäre geht es um Gelder in Höhe von rund 40 Millionen Euro, die über Umwege unter anderem für Betriebsratswahlkämpfe AUB verwendet worden sein sollen. Die IG Metall hatte aus diesem Grund bereits Strafantrag wegen Beeinflussung von Betriebsratswahlen gestellt.
(Siemens: ra)

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Heinz-Joachim Neubürger: Wie tief steckt er in der AUB-Affäre? Bild: Siemens





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