(20.05.08) – Fast hatte er sie abgeschüttelt, jetzt ist sie wieder da: Die vermeintliche Siemens-Schmiergeldaffäre in Argentinien holt den einstigen Vorstandsvorsitzenden und Aufsichtsratsvorsitzenden der Siemens AG wieder ein. Nun hat auch ein Manager der ehemaligen SBS (Siemens Business Services = IT-Dienstleister) laut Bericht des Nachrichtenmagazins "Fokus" die Siemens-Schmiergeldaffäre in Argentinien bestätigt. In die Zahlung von zehn Millionen Dollar sei der Siemens-Zentralvorstand – und damit auch Dr. Heinrich von Pierer – eingebunden gewesen.
Heinrich von Pierer war erst kürzlich durch die Anschuldigungen zweier ehemaliger Siemens-Mitarbeiter, von Pierer habe sie aufgefordert, Schmiergeldzahlungen in Argentinien zu leisten, in Misskredit geraten. Den Belastungszeugen habe von Pierer angeblich gesagt, sie sollen sich nicht gegen eine Schmiergeldzahlung sperren und sich gefälligst in ihrem Job wie "Soldaten von Siemens" verhalten. Heinrich von Pierer hat dies allerdings heftig bestritten.
Weder Siemens noch die Oberstaatsanwaltschaft wollten bisher zu dem Focus-Bericht Stellung nehmen.
Nachdem sich die Bundesregierung bereits ihres Beraters Heinrich von Pierer entledigt und der VW-Konzern ihn erst vor kurzem aus dem Aufsichtsrat verbannt hat, scheint von Pierer ebenfalls nicht mehr als Aufsichtsrat der Deutschen Bank erwünscht zu sein. Offensichtlich nach Druck der Kleinaktionäre und anderer Opponenten hat Heinrich von Pierer der Deutschen Bank AG mitgeteilt, dass er nicht mehr für eine Wiederwahl in den auf der Hauptversammlung am 29. Mai 2008 zu wählenden Aufsichtsrat der Gesellschaft zur Verfügung steht.
Obwohl von Pierer durch die Siemensaffäre stark an Reputation verloren hatte, hatte sich die Deutsche Bank, allen voran sein alter Intimus Josef Ackermann, stets hinter ihn gestellt.
Der Aufsichtsrat wird nun an seiner Stelle der kommenden Hauptversammlung Dr. Johannes Teyssen zur Wahl in den Aufsichtsrat vorschlagen. Dr. Johannes Teyssen ist stellvertretender Vorsitzender des Vorstands und Chief Operating Officer der E.ON AG und verfügt über umfangreiche Erfahrungen sowohl in der Energiewirtschaft als auch in der Corporate Governance deutscher Großunternehmen.
Nach dem Ausscheiden aus den Kontrollorganen von Volkswagen und Deutsche Bank besitzt Heinrich von Pierer nur noch das Aufsichtsratsmandat der Münchner Rück. Wie lange noch, bleibt abzuwarten.
Da die Staatsanwaltschaft München ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen Heinrich von Pierer wegen Aufsichtsverletzung (eigentlich die "Höchststrafe" für einen Aufsichtsrat) einleiten will, können auf den ehemaligen Mr. Siemens rund eine Million Euro Bußgeld zukommen. Kaum anzunehmen, dass sich die Münchner Rück ein solch peinliches Aushängeschild wie Heinrich von Pierer leisten kann und will. (Siemens: ra)
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