(29.06.07) – Bravo Siemens! Du weißt wirklich, wie man mit Menschen umgehen muss: Nach Heinrich von Pierer und Klaus Kleinfeld muss nun auch der Chief Compliance Officer, Daniel Noa (55), unrühmlich seinen Hut nehmen. Noa war genau ein halbes Jahr im Amt.
Die reichlich karge, offizielle Presseerklärung weist Daniel Noa den aktiven Part an der Trennung zu (siehe unten). Als gesichert gilt aber, dass Noa zu gut Deutsch "geschasst" worden ist. Die Sprachregelung "Er wird Siemens bis Ende 2008 aber weiter beratend zur Verfügung stehen" deutet auf einen hart errungenen Abfindungsvertrag mit interner Schweigeklausel hin.
Warum musste Daniel Noa gehen? – Über die Gründe darf spekuliert werden: War dies schon ein vorauseilender Gehorsam der Siemens-Führung? Vielleicht ist Daniel Noa tatsächlich schon das erste prominente Opfer von Peter Löscher, der in punkto Qualitäten eines Chief Compliance Officer bestimmt andere Vorstellungen von einem Anforderungsprofil hat, als seinerzeit Siemens-Chef Klaus Kleinfeld. Löscher gilt als erfahren im Umgang mit Compliance und wird andere CCO-Kaliber kennen gelernt haben.
Die FAZ will erfahren haben, dass im Unternehmen die Zusammenarbeit mit Noa nicht gut funktioniert habe. Noa sei kein Team Player gewesen. Auch habe Noa "Probleme" mit der englischen Sprache gehabt, woraus sich Kommunikationsschwierigkeiten mit der amerikanischen Börsenaufsicht SEC und für die Kooperation mit den amerikanischen Anwälten von der Kanzlei Debevoise & Plimpton ergeben hätten.
Daniel Noa selbst hat sich im letzten halben Jahr als sehr scheu entpuppt und ist Interviews beharrlich aus dem Wege gegangen. Compliance-Magazin.de hat mehrfach versucht, ihn zu einem Interview zum Thema "Compliance bei Siemens" zu bewegen. Und offenbar nicht nur unser Magazin. Doch eher hätte man einen Regenwurm zum Sprechen bringen können. Die Presseabteilung musste resignierend feststellen, dass Noa einfach kein Interesse daran hat, seine Strategien nach außen zu kommentieren. Vielleicht hatte er auch keine gescheite Strategie gehabt und einfach nur "Muffe" vor der Presse.
In Compliance Officer-Kreisen runzelte man ohnehin die Stirn, als man von der Berufung Daniel Noas hörte. Dass ein derartig krisengeschütteltes Unternehmen wie Siemens einen Compliance-Nobody berief, konnte keiner so recht verstehen. Mutmaßungen gab es: Vielleicht suchte Siemens auch seinerzeit nur nach einer passenden Figur, die Staatsanwalts-konform diskutieren konnte – getreu dem Motto: "Staatsanwalt mauschelt mit Staatsanwalt. Dann wird's schon nicht so schlimm". Ganz offensichtlich konnte und wollte Noa diese Rolle aber nicht erfüllen.
Die Siemens-Presseerklärung im Original: Daniel Noa (55) gibt zum 1. Juli 2007 seine Funktion als Chief Compliance Officer ab. Er wird Siemens bis Ende 2008 aber weiter beratend zur Verfügung stehen. "Herr Noa hat einen wesentlichen und wertvollen Beitrag beim Ausbau der internen Kontrollmechanismen geleistet und die Grundlage für die zukünftige Compliance-Struktur gelegt. Wir danken ihm für die erfolgreiche Arbeit“, sagte Joe Kaeser, Siemens Finanzvorstand.
Bis zur Regelung der Nachfolge wird Dr. Paul Hobeck, Leiter der Rechtsabteilung, die Aufgabe wahrnehmen. Die Aufklärungsarbeit bei Siemens wird ungebremst fortgeführt und die Stärkung der internen Kontrollmechanismen wird weiter vorangetrieben.
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(Siemens: ra)
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