(26.05.08) – Einem Bericht der Financial TimesDeutschland" (FTD zufolge will der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS noch in diesem Sommer eine eigene Compliance-Abteilung einrichten. Ziel ist es, in Zukunft Insidergeschäfte verhindern. Der installierte Chief Compliance Officer sei direkt dem Verwaltungsrat der EADS unterstellt, dem höchsten Kontroll- und Entscheidungsgremium des Konzerns. EADS reagiert damit auf aufgedeckte Insider-Verstöße und diesbezügliche Anmahnungen durch die französische Börsenaufsicht AMF.
EADS: Schmiergeldzahlungen, Bestechlichkeit und Insidergeschäfte (Quelle: Wikipedia.de)
2006 Im Frühjahr gerät EADS im Zusammenhang mit der Affäre Clearstream II in Frankreich in die Schlagzeilen. Im Mai 2006 gibt der EADS-Vizepräsident Jean-Louis Gergorin zu, Autor anonymer Briefe an Untersuchungsrichter zu sein, in denen Nicolas Sarkozy und andere Politiker fälschlich verdächtigt wurden, über Geheimkonten bei Clearstream Schmiergelder kassiert zu haben. Gergorin wird von seinem Posten bei EADS suspendiert. Zuvor waren im April 2006 die Büros von Gergorin und anderen EADS-Managern von der französischen Justiz durchsucht worden.
Im Sommer gerät der Co-Chef von EADS Noël Forgeard in die Schlagzeilen als bekannt wird, dass er Optionen im Wert von mehr als einer Mio. Euro etwa zwei Wochen vor Bekanntwerden der Verschiebung des geplanten Auslieferungstermins des neuen Modells A380 verkauft hat, was allgemein als Anzeichen für ein Insidergeschäft gewertet wird. Forgeard streitet dies ab und gibt seinem deutschen Kollegen die Schuld für die Verzögerungen. Am 2. Juli 2006 gibt er seinen Rücktritt bekannt.
2007 Im Februar 2007 beginnt vor dem Landgericht München der Korruptionsprozess gegen zwei ehemalige EADS-Manager und einen früheren Bereichsleiter der EADS-Tochter Airbus wegen des Verdachts der Bestechlichkeit und der besonders schweren Untreue. Mitangeklagt wegen Bestechung ist auch der Ex- Gesellschafter einer Auftragnehmer-Firma, dem vorgeworfen wird, für Aufträge bei der Digitalisierung der technischen Handbücher für das Kampfflugzeug Tornado siebenstellige Schmiergelder bezahlt und diese Summe in seine Kalkulation aufgenommen zu haben.
In einem ersten Prozess um die Schmiergeldaffäre war ein früherer EADS-Manager im Juni 2006 vom Münchner Landgericht zu drei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt worden. Ein Subunternehmer war damals zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und elf Monaten verurteilt worden; auch gegen zwei weitere Subunternehmer wurde inzwischen Anklage erhoben.
Am 10. April 2007 wird der Kommandant der österreichischen Luftstreitkräfte (Airchief), Generalmajor Erich Wolf, der an der Beschaffungsentscheidung für 18 österreichische Eurofighter maßgeblich beteiligt war, wegen Verdachts der falschen Zeugenaussage vor einem Untersuchungsausschuss sowie verbotener Geschenkannahme von einem EADS-Lobbyisten von seinem Amt suspendiert.
Korruptionsvorwürfe führten am 7. Dezember 2007 zur Stornierung eines Großauftrags betreffend 197 Helikopter im Umfang von 600 Mio. Dollar durch die indische Regierung. Die Regierung in Neu-Delhi warf dem Konzern "Unregelmäßigkeiten im Bieterverfahren" vor. Laut Angaben des indischen Verteidigungsministeriums habe die EADS-Hubschraubersparte Eurocopter zudem die Ausschreibung ursprünglich im Februar 2007 nur "durch die verbotene Nutzung von Mittelsmännern" für sich entschieden. (EADS: ra)
|