Wofür benötigte Siemens den Berater Thomas Bach?

Krake Siemens: IOC-Vizepräsident Thomas Bach wehrt sich gegen den Verdacht, er habe als Mitglied des Verwaltungsrates der Siemens Schweiz AG der Siemens AG Aufträge vermittelt
Die Siemens AG überprüft derzeit den Beratervertrag mit Thomas Bach – Angeblich hat AUB-Gründer Wilhelm Schelsky Thomas Bach in die Siemens AG eingeführt


Von Rainer Annuscheit

(22.04.08) - Nachdem das Hamburger Nachrichtenmagazin "Spiegel" den deutschen IOC-Vizepräsidenten, Dr. Thomas Bach, mit einer Randbemerkung in Verbindung mit der Siemens-Affäre gebracht hat, reagiert Bach ungewöhnlich heftig: Seine Tätigkeit sei ausschließlich beratend gewesen, die Vermittlung von Aufträgen gehöre in keiner Form dazu.

Bach, der in Tauberbischofsheim eine Anwaltskanzlei betreibt, hat als Wirtschaftsanwalt seit 2000 einen Beratervertrag der Siemens AG Schweiz. 1991 wurde Bach Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und 1996 Mitglied des Exekutivkomitees des IOC.

Nach Informationen des "Spiegel" soll der ehemalige AUB-Gründer und Siemens-Betriebsrat, Wilhelm Schelsky, Thomas Bach bei Siemens eingeführt haben.
Die AUB gilt als Gegengewerkschaft zur IG Metall und soll über verdeckte Zahlungen (es geht um einen zweistelligen Millionen-Betrag) lange Zeit von der Siemens AG (angeblich über Ex-Vorstand Johannes Feldmayer) mitfinanziert worden sein. Gegen Feldmayer wird derzeit wegen Untreue ermittelt. Ob es zur Anklage kommt, ist noch unklar. Wilhelm Schelsky sitzt bereits seit Februar 2007 in Untersuchungshaft. Wegen Fluchtgefahr wurde diese bislang nicht aufgehoben. Bis Ende Juni sei angeblich mit einer Anklage zu rechnen.

Thomas Bach, der als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge des IOC-Präsidenten Jacques Rogge gilt, betonte gegenüber Medienvertreter, er habe nie für Siemens vermittelt – "auch nicht für den Bau des chinesischen Flughafens". "Im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen von Peking oder mit dessen Organisationskomitee BOCOG", habe er keine geschäftlichen Tätigkeiten betrieben. Alle derartigen Unterstellungen seien vollkommen "abwegig" und "absurd". Er habe ja noch nicht einmal gewusst, dass Siemens mit dem Bau des chinesischen Flughafens etwas zu tun gehabt habe.

Man mag zwar Thomas Bach Glauben schenken: Nicht jedoch der Intention der Siemens AG. Nach all dem, was bisher vorgefallen ist, erscheint weiß man doch, dass das Unternehmen wie eine Krake Kontakte in alle Bereiche des Öffentlichen Lebens gesucht hat, um seine Geschäftsziele zu verfolgen.
Wozu sonst sollte man einen "Berater" Thomas Bach ausgerechnet bei der Siemens AG Schweiz platzieren. In welchen Angelegenheiten soll er denn dort beraten?

Thomas Bach gilt für "Industrie-Anliegen" als durchaus "kompetenter" Ansprechpartner. Besonders nach seinen höheren "IOC-Weihen" (1996 wurde Bach Mitglied des Exekutivkomitees des IOC) häuften sich die Aufsichtsratspöstchen:
>> 1998: Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Maschinenfabrik "Michael Weinig AG"
>> 2000: Berufung zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates der "Weinig International AG".
>> 2000: Mitglied des Verwaltungsrates der Siemens Schweiz AG.
>> 2002: Berufung zum Stellvertretenden Vorsitzenden des Aufsichtsrates der "Wall AG"
(siehe auch: Who is who)

Thomas Bach betonte, dass sein Engagement für die Siemens AG Schweiz kein Geheimnis war und auch von der Ethik-Kommission des IOC und der "Findungskommission des deutschen Sports" nicht beanstandet wurde.
Doch ganz offenkundig hat die Compliance-Abteilung der Siemens AG ein Problem mit diesem Vertrag: Nach Informationen des Spiegel überprüft Siemens derzeit, wie der Vertrag zustande gekommen ist und ob er gegen die Compliance-Bestimmungen der Siemens AG verstößt.

Was das IOC betrifft, ist Bachs Argument natürlich ein sehr schwaches: Das IOC als Ausrichter der Olympischen Spiele gilt mehr oder weniger als von der Industrie fremdbestimmt. Bereits die Vergabe der Olympischen Spiele nach Peking habe dies offenkundig werden lassen, so die Kritik. "Kommerz" komme beim IOC schon lange vor "Moral". (Siemens: ra)

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