(21.09.07) – "In einer Welt, in der Betrügereien und Korruption so üppig gedeihen wie Unkraut, regiert offenbar das Gesetz des Dschungels: Wer an die Tränke kommt, will auch saufen, und wer die Möglichkeit hat, macht so viel Beute wie möglich. Die Wirtschaftskriminalität stellt eine prosperierender Sparte dar." Uwe Dolata, Wirtschaftskriminalist, Buchautor und Lehrbeauftragter für Anti-Korruptions-Strategien, University of Applied Sciences, Würzburg, liebt die harten Worte, die in der politischen WDR-Talkshow "Hart aber fair" so gern von Frank Plasberg gehört werden. Das Thema vom 19. September 2007 hatte den Titel "Große Gier, kleine Gauner - Sind wir ein Volk von Abzockern?"
Es ging um Siemens und deren schwarze Kassen, käuflichen Sex im Dienste von Volkswagen (VW) und um Postenschiebereien in der Kommmunalpolitik. Die These: Korruption und Betrug werden zum Schmierstoff unserer Gesellschaft." Steuertricks, Schwarzarbeit, das Auto auf Presse-Rabatt sind Disziplinen im bundesdeutschen Volkssport geworden.
In 90 Minuten sollte geklärt werden, wer am Ende der Dumme ist, wenn die Gier die Moral ersetzt?
Franz-Josef Antwerpes, ehemaliger Regierungspräsident von Köln, sagte, dass es in Deutschland normal sei, wenn Menschen mit kleinen Betrügereien versuchen würden, einen Vorteil zu erlangen, auch weil sie diese gar nicht als Betrügereien empfinden.
Ulrich Stockheim, Unternehmensberater, dagegen betonte, viele Deutsche würden durch das undurchsichtige und komplizierte Steuersystem in Deutschland regelrecht zu Steuer-Tricksereien verleitet.
Britta Bannenberg, Professorin für Kriminologie und Strafrecht, erklärte, der Korruptionstyp, der Korruption auf Dauer verfolgt und Wirtschaftskriminalität begeht, sei überwiegend der karriereorientierte, ehrgeizige Mann über 40. Letztlich sei es ein Spiegelbild der derzeitigen Wirtschaft, in der überwiegend Männer in den Führungsgremien sitzen. Stimmt das?
Uwe Dolata stellte eine Profilanalyse zusammen: "Die wichtigsten Eigenschaften eines Korruptionstäters, können in folgendem Täterprofiling zusammengefasst werden: >> überwiegend männlich, deutsch, ca. 40-60 Jahre alt, nicht vorbestraft; >> gewisse berufliche Stellung mit Macht und Einfluss >> geordnete finanzielle und familiäre Verhältnisse >> überdurchschnittliches berufliches Engagement >> hoher Lebensstandard >> häufig Führungskraft >> ausgeprägte Rechtfertigungs- und Neutralisierungstechnik."
Dr. Peter Graeff, wissenschaftlicher Angestellter an der soziologischen Fakultät der Universität Bielefeld, sieht dies genauso und ergänzt: "Es gibt auch tendenziell empirische Gewissheit für die Frage, ob ein höherer Frauenanteil in staatlichen Organen wie etwa der Regierung die Korruptionshäufigkeit senkt."
Hans Leyendecker, Journalist und Autor, sagte voraus, wer in der Wirtschaft mit unmoralischen Mitteln nur auf den schnellen Gewinn aus ist, wird letztlich verlieren. Nur wer sich auch an moralische Vorgaben hält, wird am Ende davon profitieren.
Uwe Dolata bestätigte Leyendecker und stellte heraus: "Compliance kann einen deutlichen Mehrwert für Unternehmen schaffen". Seine These: "Je weniger Korruption in einem Land verbreitet ist, desto leichter ist es dort, Arbeitsplätze zu schaffen und zu sichern." (WDR: ra)
|
 |
Uwe Dolata: Wirtschaftskriminalität properiert, Bild: Dolata.de
|