"Ärzte im Fadenkreuz der Fahnder"

Betrug und Korruption im Gesundheitswesen: Bund Deutscher Kriminalbeamter fordert Verstärkung der Ermittler - Gesundheitsreform verschafft dem Abrechnungsbetrug Hochkonjunktur
Laut Gesetz sind die Kassenärztlichen Vereinigungen und die gesetzlichen Krankenkassen verpflichtet, Stellen zur Bekämpfung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen einzurichten


(28.05.08) - "In Anbetracht des stetig wachsenden Kostendrucks, dem sich Ärzte und alle sonstigen Anbieter auf dem Gesundheitsmarkt ausgesetzt sehen, ist zu erwarten, dass Betrug und Korruption im Gesundheitswesen in den kommenden Jahren Konjunktur haben werden. Umso wichtiger ist es, dass sämtliche Akteure im Gesundheitsmarkt die Notwendigkeit erkennen, gemeinsam und strukturiert gegen Betrug und Korruption vorzugehen, um einen elementaren Beitrag zum Schutze einer der wichtigsten Säulen unseres Sozialstaates zu leisten", sagte Uwe Dolata vom Bund Deutscher Kriminalbeamter in der Sendung defacto des hr-Fernsehens am Sonntag, 25. Mai, um 18 Uhr.
Ärzte im Fadenkreuz der Fahnder lautete der Beitrag der Sendung.

Vergangene Woche durchsuchten die Ermittler eine Arztpraxis einer Frankfurter Allgemeinmedizinerin. Der Verdacht: die Ärztin soll in den letzten fünf Jahren zusammen mit den beschuldigten Patienten Arztrechnungen über nicht erfolgte Behandlungen abgerechnet haben. Die weiteren Beschuldigten - darunter drei Ärzte sollen diese Rechnungen gegenüber der Krankenkasse abgerechnet haben. Der dabei zusammengekommene Betrag soll dann mit der beschuldigten Ärztin geteilt worden sein.

Wirtschaftskriminalist Dolata erklärte, dass der Vorstand des IKK-Bundesverbandes den Schaden vorsichtig auf ca. 1 Milliarde Euro schätzt. Während laut Transparency International im deutschen Gesundheitswesen jährlich zwischen 6 bis 20 Milliarden Euro durch Betrug und Korruption versickern sollen.

Laut Gesetz sind die Kassenärztlichen Vereinigungen und die gesetzlichen Krankenkassen verpflichtet, Stellen zur Bekämpfung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen einzurichten, die die Ermittlungsbehörden unverzüglich unterrichten sollen, wenn eine Prüfung ergibt, dass ein Anfangsverdacht auf strafbare Handlungen mit nicht nur geringfügiger Bedeutung für die gesetzliche Krankenversicherung bestehen könnte. "Leider bekommen wir von diesen Stellen aber viel zu wenig Informationen, selbst in laufenden Ermittlungsverfahren. Es müssten sowohl bei den Krankenkassen, als auch bei den Ermittlungsbehörden viel mehr Spezialisten eingestellt und ausgebildet werden", forderte Dolata.

Betrug und Korruption im Gesundheitswesen haben ganz unterschiedliche Erscheinungsformen und unterliegen einem ständigen Wandel, da sie sich an Änderungen der Infrastruktur im Gesundheitsmarkt anpassen, insbesondere an Änderungen im Vergütungssystem. Dolata fordert mehr Transparenz bei den Abrechungen und auch Informationen über die Abrechnungen an kassenärztliche Patienten. "Schließlich fehlen durch die kriminellen Abschöpfungen die Gelder des Topfes für unser Gesundheitswesen an anderer Stelle. So werden präventive Maßnahmen wie Kuren immer mehr heruntergefahren und selbst chronisch Kranke leiden an einer zurückgeschraubten Versorgung."

Ärzte im Fadenkreuz der Fahnder
Länge:
10:13 Minuten

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(Hessischer Rundfunk: ra)


Uwe Dolata: Korruption im Gesundheitswesen wird ansteigen, Bild: HR





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