Ärzte: Betrugskomplizen in Weiß

Ein Frontal 21-Beitrag des ZDF behandelte das Thema Ärzte-Betrug: Viele Ärzte fühlen sich durch die Gesundheitsreform im Stich gelassen
Im Allgäu: Ärzte manipulierten Operationsberichte oder rechneten Leistungen ab, die nie erbracht wurden


(15.01.08) – Ein Frontal 21-Beitrag des ZDF behandelte das Thema: Verdacht auf Abrechnungsbetrug im HNO-Bereich. Eine Ärztin deckt im Alleingang Unregelmäßigkeiten auf, stößt auf ein Netzwerk von Komplizen im Weiß-Kittel. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft, hat Praxisräume und eine Klinik durchsucht.

Der HNO-Ärztin Yvonne Fischer aus dem Ällgäu waren merkwürdige Abrechnungen in die Hände gefallen. Daraus ging zum Beispiel hervor, dass Ärzte Operationsberichte manipulierten oder Leistungen abrechneten, die nie erbracht wurden. Bis zu 200.000 Euro pro Jahr und Praxis könnten so illegal kassiert worden sein, schätzt die Hals-Nasen-Ohren-Spezialistin. Sie informierte die Krankenkassen, erstattete Strafanzeige.

Die Betrugsspezialisten der Kaufmännischen Krankenkasse Halle (KKH) kommen nach Durchsicht belastender Dokumente zu dem Ergebnis, dass es sich offenbar nicht nur um ein paar schwarze Schafe handelt, sondern um ein Netzwerk von Abrechnungsbetrügern. So seien mehrere Arztpraxen involviert, sogar ein Operationszentrum und eine Klinik, bestätigt Dina Michels, die Leiterin der Abteilung Abrechnungsbetrug der KKH.

"Bunter Strauß an Betrügereien"
"Da wurden zum Beispiel einfache Operationen zu höherwertigen hochstilisiert. Es wurden auch Leistungen abgerechnet, die gar nicht erbracht wurden. Es wurden falsche Bescheinigungen ausgestellt, auch in Zusammenhang mit Operationszentren und Kliniken - also, es war der bunte Strauß an Betrügereien, die man sich vorstellen kann", erklärt Michels.

Außerdem habe es Absprachen über gefälschte Bescheinigungen gegeben, so Michels. Auch Yvonne Fischer, die im Allgäu erst eine Praxis eröffnet hatte, bekam ungefragt Tipps von anderen Medizinern, wie sie mit falschen Abrechnungen Kasse machen könne. "Es gibt konkrete Abrechnungsbeispiele, wie beispielsweise ein einfaches Trommelfellschnittchen als komplizierter Mittelohreingriff abgerechnet werden kann, wo sie dann auch ungefähr das Fünffache an der tatsächlich erbrachten Leistung mit den Kassen dann abrechnen oder mit der kassenärztlichen Vereinigung", so die Ärztin gegenüber Frontal21. "Man ist wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass ich mich an die hiesigen Abrechnungsgepflogenheiten anpasse", meint Fischer.

Fehlende Kontrolle
Uwe Dolata vom Bund deutscher Kriminalbeamter ermittelt seit Jahren gegen betrügerische Mediziner und kennt ihre Motive. Viele Ärzte hätten eine Menge Geld in ihre Praxis investiert und fühlten sich durch die Gesundheitsreform im Stich gelassen. Es habe sich eingeschlichen, sich das vermeintlich zustehende Gehalt anders zu holen, meint Dolata und bemängelt: Es fehle an Kontrolle und Verfolgungsdruck.

Stattdessen werden die Ärzte bestraft, die auspacken. Das sei wie bei der organisierten Kriminalität, sagt die Betrugsspezialistin Michels. Und Dolata bestätigt: "Sie werden geschnitten, ihnen werden keine Patienten mehr vermittelt, sie werden, wenn sie Krankenhaus-Leiter sind, entlassen, sie werden aus den Verbänden weggemobbt, also hier ist ein großes Risiko vorhanden."

Yvonne Fischer hat das erfahren müssen. Sie gilt als Nestbeschmutzerin, klagt sie. Die Kollegen überweisen nur noch selten, die Patientenzahlen seien spürbar eingebrochen. Das macht sie wütend: Ihr drohe der wirtschaftliche Ruin - während andere weiter abkassierten. (ZDF: ra)


Uwe Dolata zu Ärztebetrug: Es fehlt an Kontrolle.

Thema Ärzte-Betrug

Sehen Sie das Video "Arzte: Betrugskomplizen in Weiß"
Ein Beitrag von ZDF, Frontal21, 08.01.2008, 7:50 Minuten
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/394768?inPopup=true
Beitragslänge: 7:21 Minuten




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