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Was bedeutet SEPA für Unternehmen?


Warum europaweit tätige Unternehmen schnellstens die acht Vorteile von SEPA nutzen sollten
Unternehmen sollten zumindest die passive SEPA-Fähigkeit schnellstens erreichen - Dies bedeutet, dass SEPA-Transaktionen empfangen werden können


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Von Klaus Schwägerl (*)

(31.01.08) - Die Deutsche Kreditwirtschaft und die Unternehmen warten seit Jahren auf eine Europäisierung des Zahlungsverkehrs. Endlich ist es soweit. Das Stichwort heißt SEPA (Single Euro Payments Area).
Wie sieht der Zeitplan aus? Zum 28.01.2008 wurde die einheitliche SEPA-Überweisung in Europa von den Banken angeboten. Nach und nach werden parallel zu den heute eingesetzten Zahlungsverkehrsformaten weitere SEPA-Produkte angeboten.

Diese sind:
>> SEPA Credit Transfer seit 28. Januar 2008 (Überweisung): Kein wesentlicher Unterschied zu der 2003 eingeführten EU-Standardüberweisung, Überweisungen ohne Limit innerhalb der EU
>> SEPA Direct Debit (Lastschrift): Terminierung noch offen, Implementierung vermutlich Ende 2009
>> SEPA Kartenzahlung (SEPA Cards Framework)

Ziel der Europäischen Zentralbank ist, dass bis zum Jahr 2010 so viele Transaktionen mit SEPA abgewickelt werden, um eine Umkehr von SEPA unmöglich zu machen (kritische Masse).

Was ändert sich?
Bezüglich der Überweisungen relativ wenig (siehe oben). SEPA verwendet statt Bankleitzahl und Kontonummer IBAN (International Bank Account Number) und BIC (Bank Identification Code).

Im Bereich der SEPA-Lastschriften ist geplant, diese bis Ende 2009 flächendeckend einzuführen. Es wird mehr Wettbewerb in der Europäischen Bankenlandschaft geben. Das wirkt sich sehr positiv auf die Gebührenstruktur aus. Die SEPA-Zahlung im Europäischen Ausland kostet künftig genau so viel, wie die Inlandszahlung.

Banken müssen bis zur endgültigen SEPA-Einführung im Jahr 201x sowohl die heutigen Zahlungsverkehrsprodukte als auch SEPA vorhalten. Dies ist unwirtschaftlich für Banken. Die Regelung wird dazu führen, dass bei Erreichen einer kritischen Masse im SEPA-Zahlungsverkehr die Gebühren für die bisherigen nationalen Verfahren steigen werden.

Welche Handlungsempfehlungen sind für Unternehmen relevant?
Sofern Unternehmen an SEPA teilnehmen wollen, können sie ab 28.01.2008 SEPA Überweisungen in 31 Europäische Länder (26 weitere EU Mitgliedsstaaten neben Deutschland, Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz) vornehmen. Sie können jedoch auch weiterhin ihre bisherigen Verfahren anwenden, da die Banken parallel beides anbieten müssen.

Unternehmen sollten zumindest die passive SEPA-Fähigkeit schnellstens erreichen. Dies bedeutet, dass SEPA Transaktionen empfangen werden können.

Schritt 1: Initiierung eines SEPA Projekt

Schritt 2: Die Einholung von die IBAN (International Bank Account Number) als auch den BIC (Bank Identification Code) bei Kunden, Lieferanten als auch Mitarbeitern. Diese werden Kontonummer und Bankleitzahl bei SEPA ablösen.

Schritt 3: Der Erfahrungsaustausch mit europäischen Geschäftspartnern einschließlich Banken, wie sich diese zu SEPA positionieren. Ziel ist ein Zeit und Aktivitätenplan mit allen Geschäftspartnern und Banken.

Schritt 4: Die Meldepflichten und -grenzen nach Außenwirtschaftsverordnung bleiben weiterhin bestehen. Hier gibt es keine Veränderungen für Unternehmen in Deutschland.

Schritt 5: Bei Lastschriften (geplant für 2009) müssen Mandate abgeschlossen, überwacht und bei Bedarf erneuert werden. Es gibt noch keine gültige Aussage, ob die heute verwendeten Einzugsermächtigungen als Mandat anerkannt werden. Hier muss schnellstens ein Rechtsrahmen geschaffen werden. Mandate haben eine Laufzeit von 18 Monaten und verlängern sich automatisch, wenn innerhalb dieses Zeitraumes eine Lastschrift erfolgt. Erfolgt innerhalb von 18 Monaten keine Lastschrift, dann muss das Mandat neu erteilt werden.

Schritt 6: SEPA-Formate sind XML basiert. Dies ist eine Seitenbeschreibungssprache, welche Systemunabhängig verwendet wird und einen hohen Verbreitungsgrad aufweist. Die Transaktionsgrösse liegt jedoch bei Faktor 3 zu den bekannten Inlands- und Auslandszahlungsformaten. Die Zahlungsverkehrslösung in den Unternehmen ist also so anzupassen und zu konfigurieren, dass es zu keinen Verlusten in der Performanz der Systeme kommt (Sizing). Es werden ca. zweimal jährlich Formataktualisierungen stattfinden.

Achtung Stolperfalle:
Deutsche Unternehmen müssen die Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung und Speicherung (GoBS), sowie das Gesetz zur Digitalen Prüfung der Unternehmen (GDPdU) bei der SEPA-Einführung berücksichtigen.

Dies bedeutet bei einer Migration des Zahlungsverkehrs auf ein neues Produkt, dass für den Betriebsprüfer steuerrelevante Daten digital im Zugriff zu halten sind. Und dies für einen Zeitraum von zehn Jahren. Hier ist streng auf die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften zu achten, ansonsten drohen Repressalien durch den Fiskus.

Merke:
Migrieren und abschalten des Altsystems sind nicht konform zu den Anforderungen des Fiskus, die Sicherstellung des Zugriffs auf Altdaten bedeutet für Unternehmen Zusatzkosten. Dies gilt auch für die Formataktualisierungen.

Die acht Vorteile einer SEPA-Einführung
Der gesamte Euro Zahlungsverkehr kann über Banken in einem Land abgewickelt werden, das bedeutet eine Straffungsmöglichkeit von Kontoverbindungen und damit erhebliche Einsparungen im Europäischen Zahlungsverkehr. Waren Unternehmen bisher gezwungen, in jedem europäischen Land ihrer Geschäftstätigkeit ein Konto vorzuhalten, können sie heute ihre Kontoverbindungen auf ein europäisches Land konsolidieren.

In Europa existieren heute ca. 25 unterschiedliche Verfahren und Gebührenstrukturen. Deutsche Banken sind im Europäischen Kontext hier im eindeutigen Vorteil durch moderne Technik und niedrige Gebühren, das bedeutet einen Wettbewerbsvorteil für den Standort Deutschland im Zahlungsverkehr.

Einige Banken - darunter die Deutsche Bank - haben publiziert, dass sie ab 28.1.2008 alle Zahlungen für Firmenkunden, die SEPA-Kriterien erfüllen, zum Inlandspreisniveau abwickeln. Unternehmen können also sofort drastisch Gebühren einsparen.

Vorteil 1: Die Zeitschrift impulse hat in Ihrer Ausgabe 12/2007 publiziert, dass ein Unternehmen, welches pro Monat etwa 100 Geldeingänge und -ausgänge mit Beträgen zwischen 50.000 € und 100.000 € im SEPA-Raum verbucht, im Jahr 50.000 € einsparen kann.

Vorteil 2: Die Vereinheitlichung von Zahlungsverkehrsverfahren und -formaten beseitigt heutige Inkompatibilitäten unterschiedlicher nationaler Systeme, das bedeutet Kostenersparnis mit durchgängigen Systemen.

Vorteil 3: Durch Festlegung auf ein Fälligkeitsdatum (Valuta) im Lastschriftverfahren (2009) wird eine bessere Planbarkeit des Liquiditätsmanagements erzielt, das bedeutet mehr Transparenz, Zeit- und Kostenersparnis.

Vorteil 4: Die Zentralisierung des Liquiditätsmanagement auf ein Land, das bedeutet mehr Transparenz und Kostenersparnis für Unternehmen.

Vorteil 5: Das Lastschriftverfahren (2009) kann auch im Auslandszahlungsverkehr verwendet werden, das bedeutet mehr Sicherheit für Unternehmen.

Vorteil 6: Die Laufzeiten im Europäischen Zahlungsverkehr werden reduziert, das bedeutet einen Liquiditätsvorteil.

Vorteil 7: Durch Konsolidierung des Zahlungsverkehrs werden Lösungen in Ländern mit hohen Gebühren auf Dauer nicht zu halten sein, das bedeutet mehr Wettbewerb und günstige Gebühren.

Vorteil 8: e2e STP (end to end Straight Through Processing). Das bedeutet, dass der SEPA-Kontoauszug detailliertere Angaben zur Rechnung ermöglicht. So kann automatisch ein Offener Posten Abgleich und Buchungen aufgrund von Zahlungen ohne manuelle Eingriffe vorgenommen werden.

Fazit:
Sicherlich ist es noch ein Weg über mehrere Jahre hinweg, bis sich SEPA auf der Unternehmensebene durchgesetzt hat. Die Vorteile für Unternehmen überwiegen jedoch. Aus diesem Grunde empfiehlt sich eine frühe Auseinandersetzung mit dem Thema und eine Planung für eine baldige Migration der Systeme. Eine frühzeitige Planung stellt sicher, schnell die Vorteile des Verfahrens nutzen zu können.

Die SEPA-Einführung bei Banken hat gezeigt, dass die Spezialisten am Markt rar gesät sind. Rechtzeitige Planungen für SEPA-Projekte stellen sicher, dass Unternehmen Zugriff auf kompetente Berater haben, bevor diese in Projekten bei anderen Unternehmen sind.

Am Markt existieren fertige Lösungen für die SEPA-Implementierungen in Unternehmen. Beliebige Konvertierungen sind ebenso möglich, wie die Kommunikation zwischen Alt- und Neusystemen. Die Anbindung an nahezu jegliche Kundensysteme ist bei beiden Modellen sichergestellt. Einen kritischen Faktor stellen sicherlich die Eigenentwicklungen in Unternehmen dar.

(*) Autor Klaus Schwägerl ist Geschäftsführer von Die Projektfabrik GmbH

Das Unternehmen Die Projektfabrik GmbH unterstützt mit ihrem Team kompetent Unternehmen und Banken bei der Einführung von SEPA. Sie bietet Standardlösungen auf .net und Unix Basis zur Umsetzung von SEPA an. Die Projektfabrik ist ein Unternehmernetzwerk mit 340 Spezialisten im IT Consulting, welche sich mit der Konzeption und Umsetzung von IT Projekten auf höchster Qualitätsstufe beschäftigt. Klaus Schwägerl ist in diesem Unternehmerverbund für für die strategische Beratung und die Entwicklung neuer Geschäftsfelder bei seinen Kunden verantwortlich. Er verfügt über umfangreiches Erfahrungspotenzial in der Konzeption und Umsetzung weltweiter Großprojekte in den Sektoren Industrie, Finanzen, Medien und Hotellerie.

(Projektfabrik: ra)

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Weitere Informationen:
Was ist SEPA


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