Sie sind hier: Home » Recht » Datenschutz und Compliance

Facebook: Irische Datenschützer schlampig?


ULD bemängelt irischen Facebook-Audit-Bericht: Keine umfassende Quellcodeanalyse der Datenauswertungen bei Facebook, etwa für die vom ULD kritisierte Funktion "Insights", erkennbar
Audit-Bericht konstatiert, dass die gesamte zentrale Datenverarbeitung in den USA erfolgt. Festgestellt werden auch unzulängliche Informationen und fehlende Wahlmöglichkeiten für die Nutzenden


(12.01.12) - Der irische Datenschutzbeauftragte hat am 21.12.2011 einen Audit-Bericht über seine Datenschutzprüfung von Facebook Ireland Ltd. vorgelegt. Darin äußert er vielfältige Kritik am Internetangebot von Facebook, kommt aber zu dem Ergebnis: "Es ist die Aufgabe unserer Behörde sicherzustellen, dass Facebook Irland sich an das Datenschutzrecht hält, und dieser Bericht stellt diese Rechtskonformität fest".

Dazu erklärte Thilo Weichert, Leiter des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD):

"Wir danken dem irischen Datenschutzbeauftragten für die schnelle Vorlage seines Audits-Berichts. Dieser bestätigt die Ergebnisse des ULD, geht aber hinsichtlich der technischen Feststellungen nicht wesentlich über diese hinaus. Insbesondere ist keine umfassende Quellcodeanalyse der Datenauswertungen bei Facebook, etwa für die vom ULD kritisierte Funktion 'Insights', zu erkennen. Der Bericht legt nahe, dass nur einzelne Teile der Nutzungsanalyse geprüft wurden. Er stellt jedenfalls unzureichende Regelungen für den Facebook-internen Zugriff auf alle Nutzungsdaten fest. Vielfach verlässt sich die irische Behörde – anscheinend oft ungeprüft – auf die Aussagen und Zusicherungen von Facebook. Verstehen können wir nicht ganz die Schlussfolgerungen des Berichts, der eine Vielzahl von Datenschutzmängeln benennt, ohne deren Rechtswidrigkeit festzustellen. Er demonstriert ein erstaunliches Verständnis für angebliche Zwänge, die Facebook geltend macht.

Der Bericht konstatiert, dass die gesamte zentrale Datenverarbeitung in den USA erfolgt. Festgestellt werden auch unzulängliche Informationen und fehlende Wahlmöglichkeiten für die Nutzenden. Dokumentiert wird weiterhin, dass von Mitgliedern und auch von Nichtmitgliedern Daten gesammelt werden, die zu einer Profilbildung genutzt werden können. Zu löschende Daten werden nicht umgehend gelöscht. Dies sind die tatsächlichen Grundlagen der Beanstandungen und Verfügungen des ULD. Unsere rechtliche Bewertung weicht von derjenigen der unabhängigen irischen Behörde ab. Ein Aspekt hierfür besteht auch darin, dass das ULD deutsches Datenschutzrecht anwendet.

Ein positiver Effekt des Berichts kann nun darin liegen, dass Facebook Änderungen seines Vorgehens in Richtung Datenschutz angekündigt hat. Gemessen werden sollten aber nicht Absichtsbekundungen, sondern Fakten. Dem ULD gegenüber wurde von Facebook zugesagt, dass uns nach dem Irland-Audit umfassende Dokumentationen zur Facebook-Datenverarbeitung vorgelegt werden. Das ULD hat detaillierte Informationen angefordert und will die Reichweitenanalyse auf Ebene des Quellcodes prüfen. Dies wird zu weiteren Bewertungen durch uns führen. Hierbei werden wir – ebenso wie über den irischen Audit-Bericht – eine Diskussion mit unseren europäischen Kollegen führen."
(ULD: ra)

ULD: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.


Kostenloser Compliance-Newsletter
Ihr Compliance-Magazin.de-Newsletter hier >>>>>>


Meldungen: Datenschutz und Compliance

  • BfDI legt Konsultationsbericht zu KI vor

    Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) veröffentlicht die Ergebnisse des Konsultationsverfahrens zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im Bereich der Strafverfolgung und der Gefahrenabwehr. Der BfDI, Professor Ulrich Kelber, sagte dazu: "KI wird eingesetzt, ohne dass grundlegende rechtliche Fragen beantwortet wären. Der Gesetzgeber sollte jetzt zeitnah die notwendigen Entscheidungen treffen."

  • "Dark Patterns" in sozialen Medien

    Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit ( BfDI) Prof. Ulrich Kelber, zeigt sich zufrieden mit den Leitlinien, die der Europäische Datenschutzausschuss (EDSA) beschlossen hat: "Ich freue mich besonders darüber, dass der EDSA die konsolidierten Leitlinien zur Zusammenarbeit der Datenschutzaufsichtsbehörden im Kooperationsverfahren beschlossen hat. Im EDSA finden wir gemeinsam konstruktive Lösungen für Probleme, die der Gesetzgeber offen gelassen hat."

  • Liegt ein Datenschutzverstoß vor?

    Dem BfDI wurde von Hinweisgebern gemeldet, dass es im Zusammenspiel von elektronischen Gesundheitskarten (eGK) und den Konnektoren der Telematik-Infrastruktur zu Datenschutzverstößen gekommen sein soll. Dazu haben uns viele Fragen erreicht, von denen wir die häufigsten hier beantworten. Im Rahmen der Zertifikatsprüfung bei der eGK-Gültigkeitsprüfung wird die Seriennummer der eGK-Zertifikate (konkret das AUT-Zertifikat) von gesperrten elektronischen Gesundheitskarten im Sicherheitsprotokoll der Konnektoren eines Herstellers lokal gespeichert. Die Spezifikation des Konnektors sieht vor, dass keine personenbezogenen Daten protokolliert werden dürfen. Das fehlerhafte Verhalten der Konnektoren des Herstellers konnte die gematik nachstellen und hat nach eigener Aussage den Hersteller direkt über das Fehlverhalten der Konnektoren informiert.

  • EDSA beschließt Leitlinien zum Auskunftsrecht

    Der Europäische Datenschutzausschuss (EDSA) hat Leitlinien zu den Betroffenenrechten der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) veröffentlicht. Im Fokus steht dabei das Auskunftsrecht, mit dem Betroffene unter anderem in Erfahrung bringen können, welche Daten Unternehmen und Behörden über sie gespeichert haben. Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI), Professor Ulrich Kelber, begrüßt die gemeinsamen Leitlinien: "Das Recht auf Auskunft ist das grundlegende Betroffenenrecht und wird von den Bürgerinnen und Bürgern häufig in Anspruch genommen. Allerdings lässt der entsprechende Artikel der DSGVO allein einen großen Interpretationsspielraum. Der EDSA sorgt hier nun für mehr Klarheit und Einheitlichkeit."

  • Behörde hätte gerne frühzeitig beraten

    Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI), Professor Ulrich Kelber, kritisiert einige Bestandteile der neuen gesetzlichen Regeln zur Kontrolle des Impf-, Genesenen- oder Teststatus (3G) durch Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber. "Die Vorarbeiten der Bundesregierung für den Deutschen Bundestag sind an einigen Stellen fehlerhaft und verzichten auf datenschutzfreundliche Regelungen. Meine Behörde hätte gerne frühzeitig und begleitend beraten. Darauf hat das federführende Ministerium aber verzichtet. Folge ist ein unnötiges Risiko datenschutzrechtlicher Fehler, die bei Klagen vor Gerichten zu Verzögerungen führen könnten. Der Pandemiebekämpfung würde das massiv schaden", sagte der BfDI.

Wir verwenden Cookies um unsere Website zu optimieren und Ihnen das bestmögliche Online-Erlebnis zu bieten. Mit dem Klick auf "Alle akzeptieren" erklären Sie sich damit einverstanden. Erweiterte Einstellungen