Sie sind hier: Home » Markt » Hintergrund

Schutz sensibler persönlicher Daten


SID-Verband: Online-Durchsuchungen nicht das Hauptproblem, sondern Spock, Google & Co. - Sammeln und Verwerten von persönlichen Daten im Internet kann für Millionen Deutsche unangenehme Folgen haben
Online-Durchsuchungen dagegen betreffen nur eine verschwindend geringe Zahl von Internetnutzer – Datenschutz: Software-Initiative Deutschland rät zu verstärkten Sicherheitsmaßnahmen und sparsamerem Gebrauch von persönlichen Daten


(30.08.07) - Die aktuelle Diskussion um die umstrittenen Online-Durchsuchungen deutscher Sicherheitsbehörden geht nach Ansicht der Software-Initiative Deutschland (SID) am Kernproblem vorbei. Die eigentliche Gefahr liege vielmehr darin, dass Suchmaschinen und Portalbetreiber persönliche Daten und Suchabfragen von Millionen Internetnutzern sammeln, analysieren und offen legen. Dadurch haben auch Sicherheitsbehörden, Wirtschaftsunternehmen, Direktvermarkter und sogar kriminelle Vereinigungen Zugriff auf die sensiblen Informationen und können diese für unterschiedliche Zwecke nutzen.

Hinzu kommt die unsichere Kommunikation via E-Mail, die laut SID der Internetspionage Tür und Tor öffne. Als Abhilfe rät die Software-Initiative zu umfassenden Datenschutz-Vorkehrungen am eigenen Computer. Darüber hinaus sollten die Internetnutzer eher sparsam mit persönlichen Informationen und Daten beim Nutzen des Internets - sei es beruflich oder privat - umgehen. Detaillierte Präventivmaßnahmen des Unabhängigen Datenschutzzentrums Schleswig-Holstein (ULD) finden sich unter https://www.datenschutzzentrum.de/selbstdatenschutz/index.htm.

Jeder Internet-Nutzer hinterlässt eine Vielzahl von Spuren und persönlichen Informationen im Netz. Diese werden von Suchmaschinen und Portalbetreiber gesammelt und systematisiert. "So versuchen beispielsweise Suchmaschinen wie Google, Microsoft oder Yahoo kostenlose Services durch personalisierte Werbung gegen zu finanzieren", erläutert Volker Oboda, Vorsitzender des Ausschusses für Team Collaboration und Datenschutz im Internet in der Software-Initiative Deutschland (SID). "Hierfür bieten sie Analysen der persönlichen Daten, Suchanfragen und Zielgruppenzugehörigkeit an, die sich aus dem Suchverhalten der Internetnutzer ergeben."

Ein Extrembeispiel für die Offenlegung von sensiblen Daten sei die Menschensuche beim Start-up-Unternehmen Spock, dass innerhalb kürzester Zeit über 100 Millionen Menschen im Internet ausfindig und Informationen über sie frei zugänglich gemacht habe.

Das Internet hat sich mittlerweile sehr stark zu einem interaktiven Kommunikationsmittel entwickelt. Reines Suchen und Lesen von Informationen ist sehr schnell einer Interaktion gewichen. Das Schreiben von E-Mails und Nutzen von Speicherplatz über das Internet gehören heutzutage genauso dazu wie der Gebrauch von Foren und Weblogs.

"Die Gefahr, dass dadurch berufliche, private oder sogar intime Geheimnisse in falsche Hände geraten, ist vielfach vorhanden. Während sich das E-Mail durch Spam, gefährliche Viren oder andere digitale Schädlinge immer mehr zu einer zeitraubenden und nervigen Angelegenheit entwickelt hat, gewinnen alternative Arbeits- und Kommunikationsformen über das Internet zunehmend an Bedeutung", fügt Oboda hinzu.

Nach Ansicht der Software-Initiative eignet sich hierbei vor allem Web Collaboration-Software. Konzipiert für die Arbeit in virtuellen Teams wird die gesamte Kommunikation, welche die Rechner verlässt, automatisch komprimiert und verschlüsselt. Niemand außerhalb des persönlich zusammengestellten Teams weiß, wer Zugang zu den Daten hat und nur die Teammitglieder verfügen über die Zugangsschlüssel.

"Einzig bleibt noch die Aufgabe des Anwenders, seinen eigenen Computer vor unberechtigtem Zugang zu sichern und seine persönlichen Daten und Schlüssel zu trennen", so der SID-Sicherheitsexperte. Mit der richtigen Kommunikationssoftware und einfachen Verhaltensregeln kann nach Einschätzung der Software-Initiative das Internet geschützt vor fremden Augen in seiner globalen Verfügbarkeit ungefährdet genutzt werden.

Die Software-Initiative Deutschland (SID) hat sich zum Ziel gesetzt, die auf ca. zwei Billionen Euro geschätzten Investitionen der Wirtschaft und der öffentlichen Hand in Computersoftware zu sichern. Das Projekt hat hohe Bedeutung, weil ca. 70 Prozent aller für die Volkswirtschaft und das öffentliche Leben wichtigen Anwendungen auf Bestandssoftware basieren. Wenn diese Software stillsteht, kommt Deutschland zum Erliegen. Gleichzeitig gilt es, neue Anwendungen so zu entwickeln, dass sie eine möglichst langfristige Lebensdauer aufweisen.

Der Schutz dieser Investitionen vor Gefahren aus dem Internet und die Integration neuer Technologien und Verfahren wie das Datenschutz-Management spielen dabei eine Schlüsselrolle. Dieser Aufgabe widmet sich der Ausschuss für Team Collaboration und Datenschutz im Internet unter der Leitung von Volker Oboda. (SID: ra)

Lesen Sie auch:
Online-Durchsuchung nur der erste Schritt
Online-Durchsuchung: Mit dem Keylogger zum Ziel
LHG-BW-Veranstaltung: Online-Durchsuchung
Datenschutz und Online-Durchsuchungen
Online-Durchsuchungen im BKA-Gesetz
Anti-Terror contra Datenschutz
Bundestrojaner schadet Made in Germany
Verdeckte Online-Durchsuchung rechtswidrig


Kostenloser Compliance-Newsletter
Ihr Compliance-Magazin.de-Newsletter hier >>>>>>


Meldungen: Markt / Hintergrund

  • Wie IT-Forensik die Demokratie schützt

    Eine Demokratie bietet den Menschen, die in ihr leben, viele Rechte und Freiheiten. Diese zu garantieren und zu schützen, ist Aufgabe des Staates. Exterro erläutert, wie digitalforensische Untersuchungen von Datenträgern, IT-Systemen und Kommunikationsverbindungen dabei helfen.

  • Hinter den Kulissen: Was Ransomware kostet

    Die Sicherheitsforscher von Check Point Research (CPR geben neue Einblicke in die Ransomware-Ökonomie, nachdem die Leaks der Conti-Gruppe und verschiedene Datensätze von Ransomware-Opfern weiter analysiert wurden. Das gezahlte Lösegeld ist nur ein kleiner Teil der tatsächlichen Kosten eines Ransomware-Angriffs für das Opfer, denn CPR schätzt die Gesamtkosten auf das Siebenfache. Die Cyberkriminellen verlangen eine Summe, die sich am Jahresumsatz des Opfers orientiert und zwischen 0,7 und fünf Prozent liegt.

  • Weichen für "Digital Services Act" (DSA) gestellt

    Vertreter des Europäischen Parlaments, des Rates und der EU-Kommission haben in den Trilogverhandlungen eine politische Einigung zum "Digital Services Act" (DSA) gefunden - dem künftigen europäischen Regelwerk für Internet-Plattformen. Wegen des Vorrangs des Unionsrechts würden damit die Vorschriften im deutschen Recht, insbesondere das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG), weitgehend abgelöst, wenn Rat und Parlament dieser Einigung förmlich zustimmen.

  • Automatisierung der Rechnungsverarbeitung

    Durch die Pandemie verursachte Störungen und Ausfälle haben sich praktisch auf jeden Aspekt der automobilen Lieferkette ausgewirkt. Doch selbst vor diesen Einschnitten war es bereits schwierig, die riesigen Rechnungsberge zu bewältigen, die sich in der Fahrzeugindustrie anhäuften. Viele Rechnungen haben immer noch Papier- oder PDF-Format und werden manuell bearbeitet. Wie jeder Kreditorenbuchhalter weiß, erfordert die Verarbeitung eingehender Rechnungen für gewöhnlich einen sehr hohen manuellen Aufwand und viel Zeit, was sich wiederum als kostenintensiv erweist. Zudem lassen sich menschliche Fehler oder sogar Betrugsversuche in solch einem Prozess nicht gänzlich ausschließen.

  • Konsequente Vermögensabschöpfung

    Der Kampf gegen Organisierte Kriminalität (OK) wird weiter verstärkt. Das haben Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und Justizminister Georg Eisenreich im Bayerischen Landeskriminalamt (BLKA) deutlich gemacht. Dort berichteten Ermittler von Polizei und Staatsanwaltschaft über aktuelle Entwicklungen und laufende Ermittlungsverfahren. "Unsere Ermittler von Polizei und Staatsanwaltschaft sind hervorragend gerüstet und vernetzt, um die Organisierte Kriminalität in Bayern weiter zurückzudrängen", erklärten Herrmann und Eisenreich.

Wir verwenden Cookies um unsere Website zu optimieren und Ihnen das bestmögliche Online-Erlebnis zu bieten. Mit dem Klick auf "Alle akzeptieren" erklären Sie sich damit einverstanden. Erweiterte Einstellungen