Sie sind hier: Home » Markt » Hintergrund

Schattenwirtschaft im Internet ein globaler Markt


Kriminelle Online-Schattenwirtschaft: Innerhalb eines Jahres wurden Waren und Services im Gesamtwert von 276 Millionen US-Dollar angeboten
Mit 31 Prozent Anteil sind Kreditkarteninformationen die meistangebotene Produkt- und Servicekategorie


Kontoinformationen sind sehr beliebt:
Kontoinformationen sind sehr beliebt: Sie bringen in kurzer Zeit viel Geld, Bild: Symantec

(26.11.08) - Symantec veröffentlichte den "Report on the Underground Economy". Er untersucht die Schattenwirtschaft im Internet, die sich zu einem globalen Markt entwickelt hat. Hier werden gestohlene Güter und betrügerische "Dienstleistungen" nach herkömmlichen Marktmechanismen verkauft und gekauft, die Summe der umgeschlagenen Waren und Services beläuft sich schätzungsweise auf mehrere Hundert Millionen Dollar. Basis des Reports sind Daten, die von der Symantec Security Technology and Response Organisation (STAR) zwischen dem 1. Juli 2007 und dem 30. Juni 2008 von Untergrund-Servern erhoben wurden.

Der potenzielle Wert sämtlicher inserierten Güter und Dienstleistungen betrug im Beobachtungszeitraum über 276 Millionen US-Dollar. Zugrunde liegt dabei ihr (hypothetischer) Ausverkauf - und zwar zu den jeweils vom Anbieter geforderten Preisen.

Mit 31 Prozent Anteil sind Kreditkarteninformationen die meistangebotene Produkt- und Servicekategorie. Dabei werden für gestohlene Kreditkarten Preise zwischen 0.10 - 25 Dollar verlangt - bei einem durchschnittlichen Limit der Karte von etwa 4000 US-Dollar. Nach Berechnungen von Symantec liegt der potenzielle Maximalwert sämtlicher auf Untergrund-Servern angebotenen Kreditkarten bei 5,3 Milliarden Dollar.

Die Popularität von Kreditkarteninformationen kann darauf zurückgeführt werden, dass sie sich auf vielfältige Weise für Betrugsversuche eignen - zum Beispiel beim Online-Shopping, wo der Betrüger bereits einkaufen kann, bevor Händler und Kreditkarteninstitute die Legitimität der Karte verifizieren können. Darüber hinaus werden Kreditkarteninformationen oft im Paket an weiterverkauft, zum Teil - je nach Menge - sogar mit Rabatten oder Gratis-Geheimnummern.

Mit einem Anteil von 20 Prozent sind Kontonummern bzw. Kontenzugangsdaten die zweithäufigste Kategorie inserierter Waren und Dienstleistungen. Während Konteninformationen für 10 bis 1000 US-Dollar zu haben sind, sind die "geknackten" Konten durchschnittlich mit etwa 40.000 US-Dollar gedeckt. Zusammen mit diesem Deckungswert bringen es alle auf Untergrund-Servern angebotenen Kontoinformationen auf eine Gesamtsumme von 1,7 Milliarden US-Dollar. Die hohe Beliebtheit von Kontoinformationen liegt auf der Hand: Sie bringen in kurzer Zeit viel Geld.

Während des Beobachtungszeitraums zählte Symantec insgesamt 69.130 verschiedene Anbieter und über 44 Millionen Inserate in den verschiedenen Untergrund-Foren. Der potenzielle Wert sämtlicher angebotenen Waren der zehn aktivsten Händler beträgt 16,3 Millionen US-Dollar für Kreditkarten und 2 Millionen US-Dollar für Kontenzugangsdaten. Allein das Angebot des aktivsten Händlers hatte während des Beobachtungszeitraums einen potenziellen Wert von 6,4 Millionen US-Dollar.

Cyberkriminelle agieren global, ihre Protagonisten sind sowohl lose Gruppierungen von Individuen als auch straff geführte, hochprofessionelle Organisationen. Im Beobachtungszeitraum befanden sich die meisten Untergrund-Server in Nordamerika (45 Prozent), es folgten die Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika (EMEA) (38 Prozent), Asien/Pazifischer Raum (12 Prozent) und Lateinamerika (fünf Prozent). Die Server wechseln ständig den Standort, um der Entdeckung zu entgehen.

"Wie der Symantec Report zeigt, profitieren Cyberkriminelle heute vor allem von Informationen und Daten, die sie bei Verbrauchern und Unternehmen stehlen. In dem Maß, in dem die Kriminellen neue Instrumente und Methoden entwickeln, um ihre Ziele rund um den Globus zu erreichen, in dem Maß müssen sich auch die Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung und zum Schutz vor solchen Attacken ändern", erklärt Candid Wüest, Analyst und Sicherheitsexperte bei Symantec.

Über die STAR-Organisation:
Symantec Security Technology and Response (kurz STAR) ist ein weltweit arbeitendes Team von Software-Entwicklern sowie Sicherheits- und Virenexperten, zur Bekämpfung aktueller komplexer Sicherheitsbedrohungen aus dem Internet.

Symantec Security Technology and Response (STAR) analysiert Schadcode von 120 Millionen Systemen im Internet, Daten aus über 40.000 Netzwerk-Sensoren in mehr als 180 Ländern und mehr als 25.000 Schwachstellen in mehr als 55.000 Technologien von über 8.000 Anbietern. (Symantec: ra)


Kostenloser Compliance-Newsletter
Ihr Compliance-Magazin.de-Newsletter hier >>>>>>


Meldungen: Markt / Hintergrund

  • USA: Förderung sauberer Energien

    Im August 2022 unterzeichnete Präsident Biden den Inflation Reduction Act, das größte Paket zur Förderung sauberer Energien in der Geschichte der USA. Es deckt viele Faktoren der sauberen und der erneuerbaren Energien ab, darunter auch Elektrofahrzeuge. Wird dieses Gesetz den Anbietern von Elektrofahrzeugen in den USA eine Blütezeit bescheren?

  • Compliance-Auflagen im KRITIS-Bereich

    Deutsche Unternehmen stehen massiv unter Druck: Der Gesetzgeber verschärft Stück für Stück die Sicherheits- und Compliance-Auflagen, etwa im KRITIS-Bereich mit § 8a Absatz 1a BSIG. Dieser verpflichtet die betroffenen Organisationen, adäquate Systeme zur Angriffserkennung bis spätestens Mai 2023 umzusetzen. Und ein Ende ist nicht in Sicht - denn mit NIS-2 steht eine Richtlinie vor der Tür, die für etliche Unternehmen Konsequenzen haben wird, derer sie sich vermutlich nicht einmal annähernd bewusst sind.

  • KI: Die Zukunft im Rückspiegel

    Dr. Scott Zoldi, Chief Analytics Officer bei Fico, wagt jedes Jahr einen Ausblick auf die kommenden Trends im Bereich Künstlicher Intelligenz (KI). In seinen für 2022 getroffenen Vorhersagen standen für ihn ganz klar die Themen "Nachvollziehbare KI" (Auditable AI) und "Bescheidene KI" (Humble AI) auf der Agenda der Data Scientists.

  • Codes des E-Rezept-Verfahrens sind zu schützen

    Am 22. August 2022 wurde anlässlich einer Pressemitteilung der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH) berichtet, das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) habe das "E-Rezept" in Schleswig-Holstein untersagt. Stimmt das? Verhindert der Datenschutz sogar gute Lösungen im Medizinbereich? Nein.

  • Deutsche Kreditwirtschaft startklar

    Kundinnen und Kunden werden im Rahmen ihrer Anlageberatung ab dem 2. August 2022 auch danach befragt, ob sie auf Nachhaltigkeitsaspekte bei Geldanlageprodukten Wert legen. Das gibt eine europäische Verordnung zur Finanzmarktrichtlinie MiFID II vor.

Wir verwenden Cookies um unsere Website zu optimieren und Ihnen das bestmögliche Online-Erlebnis zu bieten. Mit dem Klick auf "Alle akzeptieren" erklären Sie sich damit einverstanden. Erweiterte Einstellungen