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Digitale Dokumentation von Patientendaten


Privatwirtschaft versus Bundesregierung: Wer führt bundesweit die digitale Patientenakte ein?
Da die Deutsche Bundesregierung den Moment zur Einführung der elektronischen Patientenakte verpasst hat, breiten sich nun private Anbieter auf dem Markt aus

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Arzttermine verwalten, Impfungen dokumentieren oder aktuelle Unverträglichkeiten überprüfen – verschiedene Angebote etwa in Form von Apps stellen diese Funktionen dem Verbraucher bereits zur Verfügung. Grundlage dafür ist die elektronische Speicherung und Verarbeitung von Patientendaten. "Plattformen zur digitalen Dokumentation von Patientendaten stellen eine begrüßenswerte Initiative für die Sozialbranche dar", so Karsten Glied, Geschäftsführer der Techniklotsen GmbH. Derzeit befinden sich hauptsächlich private Anbieter auf dem Markt, die Dienste rund um die elektronische Patientenakte anbieten. Um dies zu ermöglichen, arbeiten häufig Krankenkassen mit Krankenhäusern und große IT-Dienstleister zusammen. "Da wo der Staat in der Pflicht war, strömen derzeit private Anbieter auf den Markt. Die Selbstverwaltung muss nun mehr Handlungsbereitschaft zeigen und schnell reagieren, damit der digitale Fortschritt bundeseinheitlich in die Sozialbranche einziehen kann", plädiert Karsten Glied.

Zum Scheitern verurteilt?
Mit der Einführung der elektronischen Versichertenkarte im Jahr 1995 ging die Bundesregierung einen großen Schritt in Richtung Digitalisierung der Gesundheitsbranche. Ziel der Karte war eine bessere administrative Kommunikation sowie die Stärkung der Patientenrechte. Jedoch ließ sich bisher nur ein Bruchteil der versprochenen Funktionen nutzen, da die Unterstützung von Seiten der Regierung und dem Deutschen Ärztetag fehlte. Zwar nahm die Bundesregierung im Jahr 2018 erneut das Thema digitale Patientendaten und E-Health in den Koalitionsvertrag auf, hielt sich jedoch mit konkreten Zielen zurück.

Bis zum Jahr 2025 sollen die Pläne zur einheitlichen Umsetzung der digitalen Akte sowie zur Digitalisierung von weiteren Gesundheitsangeboten entstehen. "Doch die Bundesregierung agiert hierbei nach Meinung der Kostenträger zu langsam, diese bringen daher eigene Produkte auf den Markt – nicht zuletzt aus Interesse an den sensiblen Daten", so Karsten Glied. "Der Schritt zur elektronischen Patientenakte ist dringend notwendig und sollte von Seiten des Bundes aktiv vorangetrieben werden. Dabei gilt es, die Interoperabilität verschiedene Systeme sowie die Einhaltung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) sicherstellen."

Privatwirtschaft auf dem Vormarsch
Da die Bundesregierung den Moment zur Einführung der elektronischen Patientenakte verpasst hat, breiten sich nun private Anbieter auf dem Markt aus. Krankenkassen und Start-ups nehmen sich der Marktlücke an: Sie entwickeln und testen bereits die digitale Verarbeitung von Patientendaten, um diese etwa in Apps für den Verbraucher nutzbar zu machen. Hieraus könnten sich Monopolstellungen einzelner Anbieter bilden, die sich Marktvorteile aus den sensiblen Daten sichern wollen. Die Lösung: Die Bundesregierung muss zeitnah mit eigenen Angeboten beherzt durchgreifen und einen Maßnahmenkatalog mit sinnvollen Vorgaben liefern.

"Wer letztlich federführend die Software zur digitalen Akte bereitstellt, ist nur zweitrangig. Entscheidend ist jedoch, dass es sich um eine offene und staatlich unterstützte, DSGVO-konforme Plattform mit flexiblen Schnittstellen handelt. Nur so lassen sich verschiedene Systeme kombinieren und die Vorteile der elektronischen Patientenakte allen Akteuren zur Verfügung stehen", summiert Glied. Damit nicht ausschließlich private Anbieter den Markt dominieren, müssen Staat und Selbstverwaltung zusammenarbeiten. Durch die staatliche Förderung und Bereitstellung digitaler Angebote eröffnen sich viele Chancen, um die Digitalisierung in der Sozialbranche voranzutreiben. (Techniklotsen: ra)

eingetragen: 05.08.18
Newsletterlauf: 27.09.18

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Meldungen: Markt / Hintergrund

  • Wahrung der Compliance im Blick

    Zwei Gesetzesvorgaben drängen derzeit die Chefetagen, sich mit dem Thema Verschlüsselung zu beschäftigen. Die europäische Datenschutz-Grundverordnung (EU DSGVO) trat am 25. Mai 2018 in Kraft und stärkt die Datenschutzrechte von Privatpersonen. Die Verschlüsselung personenbezogener Daten ist durch sie EU-weit gesetzliche Pflicht geworden. Empfindliche Bußgelder, gepaart mit der hohen Chance, dass Verstöße gegen die EU DSGVO tatsächlich auffallen, sorgen dafür, dass Unternehmen sich zunehmend um die Wahrung ihrer Compliance sorgen. Bereits 2016, zwei Jahre vor Inkrafttreten der EU DSGVO, wurde die Know-how-Schutz-Richtlinie der Europäischen Union zur Förderung der Binnenwirtschaft veröffentlicht. Ihr Ziel ist es, im EU-Raum einheitliche Schutzregeln für Geschäftsgeheimnisse zu schaffen. In Deutschland wurden die Vorgaben am 21. März 2019 im Geschäftsgeheimnisgesetz (GeschGehG) als neues Stammgesetz verabschiedet. Jetzt müssen Geschäftsgeheimnisse, um rechtlich als solche zu gelten, nachweisbar von den Unternehmen geschützt werden. Wer sensible Daten unverschlüsselt versendet, bleibt ohne gesetzlichen Schutz, wenn Geschäftsgeheimnisse beim Datenversand abgefangen und von anderen genutzt werden.

  • Verwendung der personenbezogenen Daten

    Im ersten Jahr der europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) kehrte in die Unternehmen eine größere Datenhygiene ein. Sie waren gezwungen einen besseren Schutz und eine verantwortungsbewusstere Verwaltung der Daten europäischer Bürger zu gewährleisten. Um dies zu erreichen, mussten die Unternehmen den Überblick über die Vorhaltung von Datenbeständen erhalten, die oft über mehrere verschiedene Abteilungen verstreut aufbewahrt wurden. Nur auf einer einheitlichen Datenbasis - die oftmals als Data dictionary oder data repository bezeichnet wird - konnte festgestellt werden, ob die Erlaubnis zur Verwendung der personenbezogenen Daten tatsächlich vorliegt.

  • Zu wenig Klarheit im Umgang mit der DSGVO

    Am 25. Mai gilt die DSGVO seit einem Jahr in allen EU-Mitgliedstaaten. In dieser Zeit haben die Datenschutzkonferenz von Bund und Ländern (DSK) und der Europäische Datenschutzausschuss kontinuierlich neue Merkblätter und Orientierungshilfen veröffentlicht, die Unternehmen mehr Sicherheit geben sollen bei der Umsetzung der DSGVO. Doch von Rechtssicherheit für alle Unternehmen und einer einheitlichen Auslegung der Verordnung ist Europa noch weit entfernt. "Die Datenschutzbeauftragten in Deutschland und die Aufsichtsbehörden in ganz Europa fordern wir auf, diese Regeln einheitlich auszulegen, um Unternehmen vor bürokratischer Willkür zu schützen", sagt Alexander Rabe, Geschäftsführer des eco - Verbands der Internetwirtschaft e. V.

  • Beschleunigung der Gerichtsverfahren

    Bayerns Justizminister Georg Eisenreich begrüßt die Eckpunkte zur Reform der Strafprozessordung (StPO), die das Bundeskabinett in Berlin beschlossen hat. Eisenreich: "Das ist auch ein großer Erfolg bayerischer Rechtspolitik. Viele der beschlossenen Eckpunkte fordern wir schon lange. Insbesondere die Maßnahmen zur Beschleunigung von Strafgerichtsverfahren, die Erweiterung der DNA-Analyse, die Befugnis zur Telekommunikationsüberwachung bei Verdacht auf Wohnungseinbruchdiebstahl und auch das Verbot der Gesichtsverhüllung vor Gericht." Bayern hatte sich bereits bei den Koalitionsverhandlungen bei diesen Themen durchgesetzt. Damals war es gelungen, die zentralen bayerischen Anliegen in den Koalitionsvertrag zu verhandeln.

  • DSGVO-konformer Umgang mit sensiblen Daten

    Am 25. Mai 2019 jährt sich das Inkrafttreten der Datenschutz-Grundverordnung, kurz DSGVO, das erste Mal. Grund genug, Bilanz zu ziehen. Während sich im Vorfeld die Kritik an dem Gesetz häufte und in den Medien beispielsweise von Abmahnwellen die Rede war, blieben die Befürchtungen der Unternehmen diesbezüglich weitestgehend unbestätigt. "Doch auch ein Jahr nach Inkrafttreten gehört ein DSGVO-konformer Umgang mit sensiblen Daten noch immer nicht zum Alltag vieler Unternehmen", so Haye Hösel, Geschäftsführer und Gründer der Hubit Datenschutz GmbH & Co. KG. Besonders wenn es um gesetzeskonforme Websites, sichere Passwörter oder die Nutzung von Diensthandys geht, besteht weiterhin Handlungsbedarf. "Unternehmen sehen nicht immer den Sinn der DSGVO, sondern lediglich einen größeren Arbeitsaufwand. Aber immerhin schließen wir auch die Tür ab, wenn wir das Haus verlassen, obwohl dies einen zusätzlichen Aufwand bedeutet", betont Hösel.