Energielabel muss Stromverbrauch deutlicher machen


Marktcheck zeigt Reformbedarf: Energielabel muss verständlicher werden
Marktcheck zeigt, dass vor allem die Flut an Bestnoten problematisch ist

(27.03.15) - Beim Kauf eines neuen Haushaltsgeräts achtet mehr als die Hälfte der Verbraucher (57 Prozent) auf das Energielabel mit den Effizienzklassen A+++ bis G. Das zeigt eine aktuelle forsa-Umfrage im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv). Doch das Energielabel ist nicht so eindeutig, wie die Farbskala nahe legt: Für jede Produktgruppe gelten unterschiedliche Regeln. Das macht es Verbrauchern schwer, den Überblick zu behalten. Zu diesem Schluss kam ein Marktcheck des vzbv und der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz anlässlich des Weltverbrauchertags am 15. März.

"Das Energielabel ist alles andere als einfach. Galt früher Klasse A als guter Tipp, ist diese Kennzeichnung heute nicht mehr viel wert", sagt Klaus Müller, Vorstand des vzbv.

Weil Haushaltsgeräte immer effizienter werden, gibt es die Zusatznoten A+++, A++ und A+. Eine einheitliche Skala für alle Geräte fehlt aber. Während bei neuen Staubsaugern die besten Geräte die Klasse A tragen, ist A+ bei Waschmaschinen bereits die schlechteste Kategorie, die überhaupt noch neu in den Handel kommen darf. Das wissen aber die Verbraucher nicht: Laut aktueller forsa-Umfrage meinen mehr als drei Viertel (77 Prozent), dass eine Waschmaschine der Klasse A+ ein sehr energiesparendes Haushaltsgerät sei.

Dass es die schlechteste Klasse auf dem Markt ist, zeigt das Label nicht. Es informiert nicht darüber, welche Effizienzklassen überhaupt noch angeboten werden. "Wenn in der Schule nur Noten zwischen 1+, 1 und 1- vergeben werden, was sind diese Bewertungen dann wirklich wert?", so Müller. "Wir brauchen für das Energielabel wieder eine einheitliche und leicht verständliche Skala, die für alle Geräte gilt."

Nur Bestnoten sind nicht vergleichbar
Der Marktcheck zeigt, dass vor allem die Flut an Bestnoten problematisch ist: 73 Prozent der angebotenen Waschmaschinen erreichen die höchste Effizienzklasse A+++. Bei den Kühl- und Gefriergeräten sind 80 Prozent A+++- oder A++-Geräte. Damit wird die Aussagekraft geschwächt, ein wirklicher Vergleich fällt schwer.

Der vzbv fordert eine Rückkehr zum ursprünglichen System mit einer Skala von A bis G. Frühere Studien zeigen, dass Verbraucher diese Einteilung besser verstehen. Die Europäische Kommission müsse das berücksichtigen, wenn im Sommer 2015 die Rahmenrichtlinie zu Ökodesign und Energieverbrauchskennzeichnung überarbeitet werden soll.

Der Marktcheck belegt zudem, dass die angebotenen Haushaltsgeräte zwar immer effizienter werden, aber auch immer größer. Vor allem große Geräte erreichen leicht gute Effizienznoten, weil der Verbrauch im Verhältnis zur Gerätegröße errechnet wird. Effizienz allein bewirkt aber noch keine sinkende Stromrechnung. Wirklich Auskunft gibt nur der Jahresstromverbrauch in Kilowattstunden. Den berücksichtigt der Umfrage zufolge aber nur ein Drittel der Verbraucher.

Der Stromverbrauch muss laut vzbv deutlicher und verständlicher als bis­her auf dem Energielabel ausgewiesen werden. Müller: "Nur verständliche Informationen sind gute Informationen. Ohne Nachbesserungen wird das Vertrauen in die Kennzeichnung des Energieverbrauchs schwinden. Dann ist das Label bald nicht mehr als ein bunter Aufkleber", so Müller. (vzbv: ra)

vzbv: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.


Kostenloser Compliance-Newsletter
Ihr Compliance-Magazin.de-Newsletter hier >>>>>>


Meldungen: Kommentare und Meinungen

  • Haftungsrisiko begrenzen

    Die EU-Kommission veröffentlichte einen Entwurf zur Haftungsrichtlinie zu Künstlicher Intelligenz (AI Liability Directive), die den Haftungsfall im Umgang mit Künstlicher Intelligenz regelt. Dazu erklärt Susanne Dehmel, Mitglied der Bitkom-Geschäftsleitung: "Wir begrüßen, dass mit dem Entwurf zur KI-Haftungsrichtlinie erste grundsätzliche Fragen zur Haftung im Schadensfall beim Einsatz von KI geregelt werden sollen. Künstliche Intelligenz ist für die deutsche Wirtschaft eine herausragend wichtige Zukunftstechnologie."

  • Grundrechtsproblematische Massenüberwachung

    Der europäische Gerichtshof hat am 20. September 2022 ein historisches Urteil verkündet: Die aktuell in Deutschland geltende Vorratsdatenspeicherung widerspricht den Grundrechten der EU und das entsprechende deutsche Gesetz ist damit null und nichtig.

  • Neues Nachweisgesetz

    Seit dem 1. August 2022 gilt in Deutschland das neue Nachweisgesetz. Darin ist unter anderem geregelt, dass Informationen über die wesentlichen Arbeitsbedingungen für Mitarbeiter in Papierform vorliegen müssen. Dabei geht es unter anderem um Höhe und Zusammensetzung des Arbeitsentgelts, die Dauer einer eventuellen Probezeit, vereinbarte Arbeitszeit sowie (bei Schichtarbeit) Informationen zum Schichtsystem und weitere Pflichtangaben.

  • Bitkom zum Cyber Resilience Act

    Die EU hat den Cyber Resilience Act vorgestellt, mit dem die Sicherheit von IoT-Geräten verbessert werden soll. Dazu erklärt Bitkom-Präsident Achim Berg: "Europa muss die Abwehr von Cyberangriffen stärker in den Fokus rücken. Der Cyber Resilience Act kann einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Sicherheit vernetzter Geräte leisten. Ein wirksamer Schutz vor Cyberkriminellen ist Voraussetzung dafür, dass die Geräte und Technologien im vernetzten Zuhause auf ein neues Sicherheitsniveau gebracht werden. Krisenfestigkeit war wohl selten so wichtig wie heute, der Cyber Resilience Act kommt genau zur richtigen Zeit."

  • EuGH-Urteil zur Vorratsdatenspeicherung

    Der EuGH hat einem Grundsatzurteil entscheiden, dass das deutsche Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung (VDS) nicht mit dem EU-Recht vereinbar ist. Damit ist die VDS in Deutschland wieder einmal vom Tisch. Bereits in den vergangenen Monaten zeigte der EuGH weniger Verständnis für Politiker in den EU-Mitgliedsstaaten, die trotz eindeutiger Rechtslage und -sprechung weiter eine anlasslose Vorratsdatenspeicherung fordern.

Wir verwenden Cookies um unsere Website zu optimieren und Ihnen das bestmögliche Online-Erlebnis zu bieten. Mit dem Klick auf "Alle akzeptieren" erklären Sie sich damit einverstanden. Erweiterte Einstellungen