Graumarkt: Medikamente im Internet


Studie zeigt: Online-Medikamentenkauf mit größten Risiken verbunden
Zugriffszahlen auf fragwürdige Internetseiten haben sich verdreifacht – Missbrauch beim Internethandel steigt kontinuierlich


(03.09.08) - Der neue "Brandjacking Index Sommer 2008", eine Studie des auf Markenschutz im Internet spezialisierten Unternehmens MarkMonitor, zeigt einen weiteren Anstieg des Missbrauchs der Marken führender Pharmaunternehmen. Endkunden sind weiterhin der ernsthaften Gefahr ausgesetzt, im Internet verschreibungspflichtige Medikamente fragwürdiger Herkunft zu erwerben. Die Studie belegt außerdem, dass die Anzahl der Cybersquatting-Attacken führender Marken einen bisher unerreichten Höhepunkt erreicht hat. Auch stellte MarkMonitor einen Anstieg der Zahl erstmalig von Phishing betroffener Organisationen fest.

"Unsere mehrjährige Statistik deckt ein ernstzunehmendes Problem auf: Mit der Anzahl der Verbraucher, die – um Geld zu sparen – Medikamente im Internet kaufen, wächst auch die Anzahl der Betrüger, die die geringe Kontrolle dieses Verkaufskanals ausnutzen, um sich mit immer aggressiveren Methoden zu bereichern", stellt Irfan Salim, CEO von MarkMonitor fest. "Je häufiger das Internet genutzt wird, um dort Medikamente zu erwerben, desto größer ist die Verantwortung der Hersteller dafür zu sorgen, dass die Verbraucher ihre Gesundheit nicht mit gefälschten oder minderwertigen Arzneimitteln gefährden."

Mehr gefälschte / abgelaufene Medikamente und Graumarktgeschäfte; Verdreifachung der Zugriffszahlen auf fragwürdige Internetseiten

>> Von den 2.986 untersuchten Online -potheken hatten nur zwei das VIPPS-Gütesiegel (Verified Internet Pharmacy Practice Sites)

>> Am Beispiel eines der Medikamente zeigte sich bei den illegalen Online-Apotheken ein Preisvorteil von rund 85 Prozent gegenüber zertifizierten Apotheken.

>> 60 Prozent der im Jahr 2007 untersuchten – meist zweifelhaften – Online Apotheken sind noch aktiv.

>> Mehr als ein Drittel der Online-Apotheken wird so häufig besucht, dass sie schon ein eigenes Ranking bei Alexa aufweisen. Jede dieser Seiten wird durchschnittlich von 99.000 potentiellen Kunden aufgesucht; die Zahl hat sich im Vorjahresvergleich verdreifacht.

>> Die Betreiber bewerben ihre Web-Seiten immer offensiver. MarkMonitor schätzt, dass allein für die Suchanzeigen dieser sechs Medikamente rund 26 Millionen US-Dollar ausgegeben werden.

>> Schätzungen von MarkMonitor zufolge generierten allein die sechs untersuchten Medikamente einen Online-Umsatz in Höhe von 12 Milliarden US-Dollar. Dies entspricht einer Verdreifachung gegenüber 2007.

>> 64 Prozent der 2.986 untersuchten Online Apotheken schützen die Daten ihrer Kunden nicht und gefährden so deren Identitätsinformationen. Dies entspricht einem Plus von 59 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

>> 49 Prozent der 2.986 untersuchten Online-Apotheken wurden in den USA gehostet, gefolgt von Großbritannien mit 12 Prozent sowie von Deutschland mit 9 Prozent.

>> Auch der Online-Großhandel mit losen Einzelpillen sowie geschützten Medikamentenbestand­teilen ist auf dem Vormarsch: Die Untersuchung von nur 40 Angeboten auf B2B-Marktplätzen zeigte ein Handelsvolumen von rund 30 Millionen US-Dollar. Diese Graumarktgeschäfte bedrohen massiv die pharmazeutische Lieferkette.

Brandjacking Trends: Cybersquatting allgemein weiter auf dem Vormarsch

>> Cybersquatting – d.h. die Registrierung eines Domain-Namens, welcher eine Marke oder einen Slogan enthält, an denen der Registrierende keine Rechte hält – nahm im Bereich der Medikamentenmarken um 35 Prozent zu.

>> Cybersquatting der 30 bekanntesten Marken hat mit 428.617 Fällen im zweiten Quartal 2008 einen neuen Rekordwert erreicht: Im Vergleich zum Vorjahr beträgt der Zuwachs 38 Prozent.

>> Die Unterhaltungs- und die Automobilindustrie bleiben die bevorzugten Ziele der Brandjacker. In der Automobilindustrie konnten in Q2 2008 27.600 Fälle (60 Prozent Zuwachs gegenüber 2007), in der Unterhaltungsindustrie sogar 41.797 Fälle (17 Prozent Zuwachs gegenüber 2007) von Cybersquatting aufgedeckt werden. Der Markenmissbrauch in der Bekleidungsindustrie wuchs um 68 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dies war der höchste jährliche Zuwachs in allen beobachteten Industrien. Auch bei den Luxusgütern wurde ein Anstieg beobachtet (30 Prozent).

>> Dreiviertel der verdächtigen Internetseiten wurden in den USA gehostet. Deutschland belegte mit 5 Prozent wieder den zweiten Platz, gefolgt von China (2007: Rang 7).

Phishing-Ziele: Am häufigsten betroffen sind webbasierte Auktionshäuser und Finanzinstitute

>> 35 Prozent der insgesamt 485 betroffenen Firmen wurden zum ersten Mal Opfer eines Phishing-Angriffs. Die Gesamtzahl der betroffenen Firmen erhöhte sich im Vergleich zum vergangenen Quartal um 19,5 Prozent.

>> Phishing-Angriffe gegen Finanzinstitute nahmen im zweiten Quartal 2008 um 66 Prozent gegenüber dem Q1 2008 zu.

>> Die Phishing-Angriffe gegenüber Auktionsseiten – obwohl immer noch ein beliebtes Ziel für Phisher – verringerten sich um 50 Prozent.

>> Im zweiten Quartal 2008 wurden 35 Prozent der Phishing-Seiten in den USA gehostet; China folgt auf Platz 2 mit 8 Prozent.

Methodologie
Der vierteljährlich erscheinende Brandjacking Index ist ein unabhängiger Bericht von MarkMonitor, der Angriffe auf die 30 führenden globalen Marken der Interbrand-Studie „Best Global Brands“ verfolgt und analysiert. Unter Einsatz firmeneigener Algorithmen untersucht MarkMonitor täglich etwa 134 Million öffentliche Datensätze auf Markenmissbrauch in den Domaindaten sowie die Daten der amerikanischen und internationalen Patent- und Markenämter. Es werden keine Kundendaten oder geschützten (Kunden-)Informationen verwendet.

Basis der Daten zum Missbrauch in der Pharmaindustrie ist die Analyse der Angebote sechs führender Medikamente. Drei dieser Medikamente belegen die führenden Plätze in einer Studie von Drugs.com ("Top 200 Brands for 1007 by U.S. Sales"); die anderen drei sind die am häufigsten online nachgefragten Medikamente. Die erhobenen Daten wurden mit den Ergebnissen der letztjährigen Studie von MarkMonitor zum selben Thema verglichen. (MarkMonitor: ra)



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