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Krankenhäuser klagen über Bürokratie


Compliance im Gesundheitswesen: Der "gigantische Aufwand" für die Dokumentationspflichten werde von Mitarbeitern auch als Zeichen des Misstrauens gewertet
In Krankenhäusern würden eigene Dokumentationsassistenten eingesetzt und Softwareexperten, um die bürokratischen Vorgaben umsetzen zu können

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Die Krankenhäuser leiden nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) unter einer überbordenden Bürokratie. Der "gigantische Aufwand" für die Dokumentationspflichten, etwa in der Pflege, werde von Mitarbeitern auch als Zeichen des Misstrauens gewertet, sagte DKG-Präsident Gerald Gaß im Gesundheitsausschuss des Bundestages.

Die Mitarbeiter wollten für ihre Arbeit jedoch anerkannt werden und sich nicht ständig rechtfertigen müssen, sagte Gaß. Ein Pflegearbeitstag beinhalte bis zu drei Stunden für die Dokumentation. Es gebe Tausende zu beachtende Vorgaben mit "unendlichen Prüfungsoptionen". Das könne man hinterfragen, sagte der Klinikmanager. In Krankenhäusern würden eigene Dokumentationsassistenten eingesetzt und Softwareexperten, um die bürokratischen Vorgaben umsetzen zu können. Gaß warb dafür "hier "einen Schritt zurückzutreten".

Die von der Koalition geplante Ausgliederung der Pflegepersonalkosten aus den Fallpauschalen (DRG) wird von der DKG begrüßt. Allerdings wies Gaß darauf hin, dass die Umsetzung "komplex" sei und einen Paradigmenwechsel darstelle. In der Folge entstehe eine stärkerer Wettbewerb der Kliniken um Pflegekräfte, das könne auch Verwerfungen mit sich bringen.

Da es künftig beim Pflegepersonal eine Selbstkostendeckung gebe und die Kliniken daher keinen Anlass mehr hätten, am Personal zu sparen, stelle sich auch die Frage, ob das Konzept der Pflegepersonaluntergrenzen weiter verfolgt werden sollte, zumal auch dies mit einem hohen Dokumentationsaufwand verbunden sei.

Bereits in der vergangenen Wahlperiode wurden der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), die DKG und der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) damit beauftragt, verbindliche Personaluntergrenzen für sogenannte pflegesensitive Bereiche in Kliniken zu entwickeln. Bis Ende Juni sollen die Festlegungen stehen, die dann zum 1. Januar 2019 umgesetzt werden könnten.

Zwischenzeitlich hat die neue Koalition beschlossen, die Personaluntergrenzen auf alle Krankenhausbereiche auszuweiten. Gaß wies darauf hin, dass auch andere Versorgungsbereiche wie die Ergotherapie, Physiotherapie, Logopädie und die Hebammen nicht aus dem Blick geraten dürften. (Deutscher Bundestag: ra)

eingetragen: 08.07.18
Newsletterlauf: 07.08.18

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