Sie sind hier: Home » Markt » Hintergrund

Wirtschaftsspionage ein 50-Milliarden Euro-Problem


Trotz zunehmender Wirtschaftsspionage gehen viele Unternehmen fast blauäugig mit dem Schutz ihrer Daten um - Besonders anfällig sind Mitarbeiter auf Auslandsreisen
Wirtschaftsspionage: Viele der Firmen, die bereits Opfer geworden sind, melden die Schäden aus Angst vor Imageproblemen nicht


(29.09.08) - Den Schaden, der deutschen Unternehmen durch Wirtschaftsspionage entsteht, beziffern Experten auf bis zu 50 Milliarden Euro jährlich - Tendenz steigend. Einer der Gründe: Die Betriebsamkeit mancher Geheimdienste nimmt, trotz gegenteiliger Beteuerungen, schnell zu.

Vor allem China und Russland gelten als besonders aktiv, wenn es um die Bespitzelung deutscher Unternehmen und ihres begehrten Know-hows geht, aber auch der Heimatschutz in den USA treibt weiter seine Blüten. Ohne richterliche Kontrolle darf etwa die National Security Agency NSA E-Mails lesen und auswerten; es reicht, wenn der Provider in den USA sitzt.

Ganz besonders anfällig sind Mitarbeiter, die in diese Länder reisen. Sehr hemmungslos gehen China und Russland vor, deren Geheimdienste sich nicht einmal die Mühe machen, eigentlich heimliche Notebook-Durchsuchungen zu verbergen. Aber auch wer in die USA und sogar Großbritannien einreisen will, muss damit rechnen, seine Passwörter für das mitgeführte Notebook preisgeben zu müssen, das anschließend von den Behörden kurz entfernt werden kann. Was dann mit den Daten passiert, kann sich jeder ausmalen.

Datenschützer beklagen, dass insgesamt zwischen 20 und 40 Prozent aller deutschen Unternehmen bereits Opfer von Wirtschaftsspionage geworden sind - vor allem Mittelständler, und vor allem Maschinen- und Anlagenbauer, Rüstungs- sowie Luft- und Raumfahrtbetriebe.

Eine genaue Angabe über die Anzahl der betroffenen Firmen ist kaum möglich, da nur sehr wenige Fälle tatsächlich angezeigt werden und die Dunkelziffer entsprechend hoch ist. "Merkwürdigerweise sehen sich die meisten Unternehmen, mit denen wir sprechen, zunächst nicht bedroht", erklärt Markus Bernhammer, Executive Vice President Central and Eastern Europe der Utimaco Software AG in Oberursel, "und viele der Firmen, die bereits Opfer geworden sind, melden die Schäden aus Angst vor Imageproblemen nicht".

Ein Großteil des Informations- und Datendiebstahls geschieht über die IT außerhalb des Unternehmens: Gestohlene USB-Sticks oder Festplatten, gehackte Laptops, Einbrüche in Netze, Abhören von Internet-Verbindungen, Lesen von E-Mails oder eingeschleuste Trojaner, Viren und sonstige Malware gehören zu den Klassikern der Wirtschaftsspionage.

Trotzdem hinken viele Firmen bei der Sicherheit ihrer Daten weit hinterher: "Sogar global agierende Unternehmen haben erschreckender Weise völlig unzureichende Sicherheitskonzepte, weil sie die Probleme nicht wahrnehmen oder sogar verdrängen", beklagt Bernhammer. "Dieses Vogel-Strauß-Verhalten kann aber, angesichts der immensen Schäden, fatal sein."

Utimaco rät zu einer umfassenden, von höchster Stelle beschlossenen Sicherheitsstrategie, die firmenweit implementiert wird und nicht nur Daten hinter der Firewall schützt, sondern vor allem mobile Geräte wie Notebooks oder USB-Sticks wirkungsvoll verschlüsselt - so sicher, dass Geheimdienste sie sogar mit größtem technischen Aufwand nicht knacken können. Security darf nicht als Option und im Ermessen des Einzelnen liegend gesehen werden, sondern muss fest im Unternehmen verankert sein.

"Wirtschaftsspionage darf gerade heutzutage nicht unterschätzt werden", unterstreicht Bernhammer. "Unternehmen müssen sich der Gefahr bewusst werden und ihre IT schützen, allem voran ihre mobile IT. Eine 100-prozentige Sicherheit wird es wohl nicht geben, Spionen im staatlichen oder Industrieauftrag kann man das Leben aber mit heutigen Sicherheitskonzepten schon sehr schwer machen." (Utimaco: ra)


Kostenloser Compliance-Newsletter
Ihr Compliance-Magazin.de-Newsletter hier >>>>>>


Meldungen: Markt / Hintergrund

  • Vier Fragen rund um ESG

    Deutschland - so will es die Bundesregierung - soll ein führender Sustainable-Finance-Standort werden. Eine Schlüsselrolle bei der Transformation zur nachhaltigen Wirtschaft nimmt dabei der Mittelstand ein. Denn längst haben sich die ESG-Kriterien von der reinen Anlagestrategie der Kapitalmarkt-Elite zum entscheidenden Faktor für Geschäftsentscheidungen und die Unternehmensausrichtung entwickelt.

  • Konjunkturelle Entwicklung im Zeichen des Krieges

    Der russische Angriffskrieg in der Ukraine führt nicht nur zu unvorstellbarem Leid aufseiten der ukrainischen Zivilbevölkerung, er hat auch massive Auswirkungen auf die europäische und deutsche Wirtschaft. Zu Recht hat Bundeskanzler Olaf Scholz bereits wenige Tage nach Kriegsausbruch das Wort Zeitenwende benutzt, um die mit dem Krieg in Europa einhergehenden Konsequenzen zu umschreiben. Stand heute ist weder ein Ende des Krieges absehbar noch erkennbar, welche Szenarien oder Eskalationen noch eintreten können. Diese Unsicherheit belastet die Wirtschaft zusehends.

  • Meldung rechtswidriger Inhalte

    Morddrohungen, Beleidigungen, Volksverhetzung: Hass und Hetze haben im Netz ein erschreckendes Ausmaß angenommen. Sie vergiften das gesellschaftliche Klima, unterdrücken die Meinungsfreiheit und gefährden die Demokratie. Deutschland hat mit dem im Oktober 2017 in Kraft getretenen Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) reagiert. Hiernach müssen soziale Netzwerke rechtswidrige Inhalte zeitnah löschen (§ 3 NetzDG) und seit 1. Februar 2022 beim Bundeskriminalamt (BKA) melden (§ 3a NetzDG).

  • Wie IT-Forensik die Demokratie schützt

    Eine Demokratie bietet den Menschen, die in ihr leben, viele Rechte und Freiheiten. Diese zu garantieren und zu schützen, ist Aufgabe des Staates. Exterro erläutert, wie digitalforensische Untersuchungen von Datenträgern, IT-Systemen und Kommunikationsverbindungen dabei helfen.

  • Hinter den Kulissen: Was Ransomware kostet

    Die Sicherheitsforscher von Check Point Research (CPR geben neue Einblicke in die Ransomware-Ökonomie, nachdem die Leaks der Conti-Gruppe und verschiedene Datensätze von Ransomware-Opfern weiter analysiert wurden. Das gezahlte Lösegeld ist nur ein kleiner Teil der tatsächlichen Kosten eines Ransomware-Angriffs für das Opfer, denn CPR schätzt die Gesamtkosten auf das Siebenfache. Die Cyberkriminellen verlangen eine Summe, die sich am Jahresumsatz des Opfers orientiert und zwischen 0,7 und fünf Prozent liegt.

Wir verwenden Cookies um unsere Website zu optimieren und Ihnen das bestmögliche Online-Erlebnis zu bieten. Mit dem Klick auf "Alle akzeptieren" erklären Sie sich damit einverstanden. Erweiterte Einstellungen