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Korruption in der Geschäftswelt


"The Economics of Corruption": 1. Passauer Antikorruptionssymposium an der Universität Passau vom 4. bis 11. Oktober
Journalist Declan Hill, Undercover FBI-Agent Joseph Pistone und Siemens-Vorstandsmitglied Peter Y. Solmssen an der Uni Passau


(09.09.08) - Untreue, Amtsmissbrauch und Bestechung bestimmen die Schlagzeilen über die deutsche Unternehmenswelt. Dass sich Korruption in der Geschäftswelt nicht lohnt und wie der Unternehmensalltag "sauber" gestaltet werden kann, wollen Prof. Dr. Johann Graf Lambsdorffund sein Team vom Lehrstuhl für Volkswirtschaftstheorie der Universität Passau im Rahmen ihrer Veranstaltung "The Economics of Corruption" (www.icgg.org) zeigen und diskutieren. Vom 4. bis 10. Oktober verbindet ein internationales, englischsprachiges Trainingsprogramm Theorie und Praxis, der zweite Teil vom 10. bis 11. Oktober ist als Symposium mit Gastvorträgen namhafter Experten vorgesehen. Besondere Höhepunkte sind die Vorträge von Journalist Declan Hill, Undercover FBI-Agent Joseph Pistone und Siemens-Vorstandsmitglied Peter Y. Solmssen.

Unternehmerischer Wettbewerb ohne Korruption, das ist nicht nur möglich, sondern langfristig auch die lohnendere Variante. "Korruption kann nicht nur auffliegen und so vielfältige Kosten verursachen, sie macht auch erpressbar", weiß Prof. Dr. Johann Graf Lambsdorff, Veranstalter des Symposiums und international bekannter Antikorruptions-Experte. Seit vielen Jahren ist die Universität Passau global in der Korruptionsforschung ausgewiesen.

Graf Lambsdorff und seine Mitarbeiter erstellen hier unter anderem den Länderindex zur Messung der Korruption im internationalen Vergleich für Transparency International. Seit 2003 findet an der Universität Passau eine jährliche, internationale Veranstaltung zur Korruptionsbekämpfung statt. Neu ist in diesem Jahr die Aufteilung der Veranstaltung in zwei Blöcke: Eine fünftägige praktische Schulung sowie das daran anknüpfende zweitägige Symposium mit hochkarätigen Gastrednern, das im Herbst in dieser Form Premiere feiert.

Der Champions League Pokal, die olympische Goldmedaille, die Weltmeisterschaftstrophäe - alles keine Frage der sportlichen Leistung sondern das Ergebnis von Intrigen und Bestechung? Den Traum vom sportlich fairen Fußballspiel zerstört Declan Hill mit seinem soeben veröffentlichten Buch "Fußball und organisiertes Verbrechen oder wie Spiele manipuliert werden". Auch das WM-Achtelfinale zwischen in Deutschland zwischen Ghana und Brasilien steht den Recherchen zufolge unter Manipulationsverdacht. Am Freitag erklärt er ab 8.30 Uhr im Rahmen des praktischen Trainingsprogramms Recherchemethoden und Ansatzpunkte, um Bestechung im Fußball aufzudecken.

Ein ebenso brisanter und interessanter Gast ist Gastredner Joseph Pistone. Auch wenn die New Yorker Mafia nicht mehr 500.000 Dollar auf seinen Kopf bietet, noch immer ist Pistone im Zeugenschutzprogramm der Vereinigten Staaten, reist nur verkleidet und unter falschem Namen. Der FBI-Agent lebte in den 80er Jahren als Donnie Brasco sechs Jahre lang undercover in den Mafiakreisen des Big Apple und sorgte mit seinen Zeugenaussagen für mehr als 200 Anklagen und 100 Verurteilungen. Außerdem gilt er als Experte über die Tätigkeiten der Mafia in Europa. Am Freitag hält Pistone ab 19 Uhr den Dinnervortrag des Symposiums.

Zum aktuellen Korruptionsskandal um Siemens steht am Samstag Vorstandsmitglied Peter Y. Solmssen Rede und Antwort. Weitere Gastredner sind unter anderem Prof. Dr. Kai-D. Bussmann (Universität Halle-Wittenberg), Michael Hershman (Fairfay-Group), Dr. Wolfgang Hetzer (Europäische Betrugsbekämpfungsbehörde OLAF), Prof. Dr. Muel Kaptein (Universität Rotterdam), Prof. Dr. Martin Paldam (Universität Århus), Wolfgang Schaupensteiner (Chief Compliance, Deutsche Bahn) sowie Prof. Dr. Dr. Friedrich Schneider (Universität Linz). (Nähere Informationen über die Kandidaten auf der beiliegenden Liste der Teilnehmer)

"Das Symposium soll eine systematische und wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema Korruption ermöglichen, oft werden die betroffenen Unternehmen nur einseitig an den Pranger gestellt", so Graf Lambsdorff. Das Passauer Antikorruptionssymposium soll Unternehmen eine Orientierung geben, einen Austausch über aktuelle betriebliche Maßnahmen der Bekämpfung von Korruption ermöglichen und Anhaltspunkte dafür bieten, wie sich Unternehmen durch Compliance-Maßnahmen, Whistleblowing-Systeme und die Ausgestaltung von Wohlverhaltensregeln im Kampf gegen Untreue und Betrug neu ausrichten lassen. Des Weiteren werden Graf Lambsdorff und seine Kollegen die Probleme und Notwendigkeiten thematisieren, die vielfältige Gesetzesänderungen auf nationaler und internationaler Ebene in den letzten Jahren aufgeworfen haben.

Eine Anmeldung für das Symposium ist über die Homepage der Veranstaltung, www.icgg.org möglich.
Weitere Details: hier
Das Programm (pdf-Dokument) erhalten Sie hier.

Die Tagungsgebühr beträgt 100 Euro (inklusive Abendessen), für Studenten 25 Euro, Tagungsort ist die Universität Passau, Innstraße 31.
(Thoralf Dietz: Universität Passau: ra)

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