Nur für amerikanische Unternehmen vorteilhaft?


Umfrage: Mittelstand sieht in TTIP mehr Risiken als Chancen
Sehr viele Unternehmen beklagen ein als unzureichend empfundenes Informationsangebot zum Thema TTIP

(05.04.16) - Die mittelständische Wirtschaft erwartet durch das geplante Freihandelsabkommen TTIP zwischen Europa und USA kaum bessere Exportmöglichkeiten. Im Gegenteil: Der stärkere Wettbewerbsdruck wird zum Risikofaktor! Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Mitgliederbefragung des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) durch das Forschungsinstitut Prognos für den BVMW und die Schöpflin Stiftung, die jetzt veröffentlicht wurde. Der Informationspolitik der großen Wirtschaftsverbände stellen die befragten Unternehmen ein schlechtes Zeugnis aus.

"Die Umfrage bestätigt unsere Einschätzung, dass TTIP gerade für viele der kleinen und mittelständischen Unternehmen mehr Risiken als Chancen mit sich bringt", so Martina Römmelt-Fella, Geschäftsführerin der Fella Maschinenbau GmbH und Mitinitiatorin der Wirtschaftsinitiative KMU gegen TTIP. "Die Wirtschaftsverbände müssen endlich aufhören so zu tun, als stünde die Wirtschaft geschlossen hinter TTIP."

An der Befragung von Prognos haben insgesamt 800 Unternehmen teilgenommen. Sehr viele Unternehmen beklagen ein als unzureichend empfundenes Informationsangebot zum Thema TTIP. An die Adresse der nationalen Politik (76 Prozent), aber vor allem auch an die Adresse der klassischen Wirtschaftsverbände (62 Prozent) geht der Wunsch nach besseren Informationen zu TTIP. "Diese Ergebnisse stellen den klassischen Wirtschaftsverbänden ein schlechtes Zeugnis aus", so Römmelt-Fella.

Was jetzt passieren muss
Für Römmelt-Fella ist klar, was jetzt folgen muss: "Die Studienergebnisse bedeuten zum einen, dass das Wirtschaftsministerium und die EU-Kommission jetzt sektorspezifische Untersuchungen für den deutschen Mittelstand vorlegen müssen. Wie wirkt sich TTIP tatsächlich auf die einzelnen Branchen aus? Welche Regelungen führen zu einem Einbahnstraßeneffekt und sind damit nur für amerikanische Unternehmen vorteilhaft? Welche Maßnahmen wird die EU-Kommission ergreifen, um sensible Branchen in den europäischen Mitgliedsstaaten zu schützen? Zum anderen bedeuten die Studienergebnisse aber auch, dass die traditionellen Wirtschaftsverbände schleunigst ihre Blockadehaltung aufgeben müssen – und den Dialog mit TTIP-kritischen Unternehmen und Wirtschaftsinitiativen wie der unseren suchen müssen."

Die Untersuchungsergebnisse zeigen:
>> 52 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass TTIP die Erschließung ausländischer Märkte nicht vereinfachen würde, gerade einmal 8 Prozent erwarten hier positive Effekte.
>> 46 Prozent erwarten eine spürbare Zunahme der Konkurrenz durch große internationale Unternehmen.
>> Insgesamt erwarten 35 Prozent sehr negative bzw. eher negative Auswirkungen für das eigene Unternehmen durch TTIP.

"Kleine und mittelständische Unternehmen legen häufig besonderen Wert auf hohe soziale und ökologische Standards", erklärt Gottfried Härle, Inhaber der Brauerei Clemens Härle und Mitinitiator der Wirtschaftsinitiative KMU gegen TTIP. Für sein Bier verwendet Härle nur gentechnikfreies und regionales Braugetreide. "Wir mittelständischen Unternehmen fürchten den unfairen Wettbewerb von internationalen Konzernen, die diese höheren Standards nicht berücksichtigen", so Härle weiter.

Hintergrund: Die Wirtschaftsinitiative "KMU gegen TTIP" – "Kleine und Mittlere Unternehmen gegen das Transatlantische Handelsabkommen" – wurde Anfang September von fünf Unternehmerinnen und Unternehmern aus unterschiedlichen Branchen und Bundesländern gegründet. Die Arbeitsgemeinschaft möchte zu einer differenzierten Diskussion um TTIP beitragen und kritischen Stimmen aus den Reihen der Wirtschaft eine Stimme geben. Aktuell haben über 2.300 Unternehmen den Aufruf unterschrieben, die TTIP-Verhandlungen zu stoppen. Immer mehr kritische Unternehmen engagieren sich und kommen beispielsweise im Rahmen von öffentlichen Veranstaltungen zu Wort.
(BVMW: KMU gegen TTIP: ra)

KMU gegen TTIP: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.


Kostenloser Compliance-Newsletter
Ihr Compliance-Magazin.de-Newsletter hier >>>>>>


Meldungen: Studien

  • Risikominderung mit Versicherung

    Fast 80 Prozent der Unternehmen, die eine Cyberversicherung abgeschlossen haben, haben bei ihrem Versicherer bereits Ansprüche geltend gemacht, mehr als die Hälfte davon mehrfach. Das ist das Ergebnis einer Befragung von Delinea, dem Spezialisten für Privileged-Access-Management-Lösungen (PAM) für nahtlose Sicherheit. Infolgedessen ziehen sich Versicherungsunternehmen vermehrt von der Deckung kritischer Risiken zurück.

  • Auch Social-Media-Plattformen in der Verantwortung

    Sie verunsichern, sie verwirren und sie beeinflussen: Gezielt gestreute, manipulative Falschmeldungen, kurz Fake News, gefährden den gesellschaftlichen Frieden. Nicht immer sind sie einfach zu erkennen, einmal veröffentlicht, verbreiten sie sich im Internet schnell weiter und sind schwer einzufangen. Die Mehrheit der Befragten in Deutschland (59 Prozent) fordert, dass Regierung und Behörden mehr tun müssen, um die Verbreitung von Fake News zu verhindern.

  • Betrugsschutz bleibt auf der Strecke

    Keinen Grund zur Entwarnung gibt die European Fraud Map 2021, die der führende Analytiksoftware-Anbieter Fico auf Basis von Daten des Marktforschungsinstituts Euromonitor International, Consumer Finance 2022 Edition erstellt hat. Die Umfrage zeigt, dass Kreditkartenbetrug in vielen der untersuchten 18 Länder von 2020 auf 2021 schlimmer geworden ist.

  • Patientendaten in Gesundheitseinrichtungen

    Laut einer aktuellen Studie von Soti mit dem Titel "Eine entscheidende Investition: Am Puls der Technologie im Gesundheitswesen" haben 91 Prozent der Gesundheitseinrichtungen in Deutschland (70 Prozent weltweit) seit dem Jahr 2020 mindestens einen Datenschutzvorfall erlitten. Dennoch sind 83 Prozent der Befragten (76 Prozent weltweit) der Meinung, eine vollständige Digitalisierung von Patientenakten könne die Datensicherheit verbessern und die Gefahr von Datenverlusten verringern.

  • Ehemalige Mitarbeiter ein Cybersicherheitsrisiko

    Ehemalige Mitarbeiter können ein zusätzliches IT-Sicherheitsrisiko für den Mittelstand in Deutschland darstellen, wie der aktuelle "Kaspersky SMB Cyber Resilience Report" zeigt. Denn nur 41 Prozent aller befragten Unternehmensverantwortlichen können ausschließen, dass ehemalige Mitarbeiter noch Zugriff auf in der Cloud gespeicherte Unternehmensdaten haben, und nur 46 Prozent sind sich sicher, dass Ex-Mitarbeiter die Accounts im Unternehmen auch wirklich nicht mehr nutzen können.

Wir verwenden Cookies um unsere Website zu optimieren und Ihnen das bestmögliche Online-Erlebnis zu bieten. Mit dem Klick auf "Alle akzeptieren" erklären Sie sich damit einverstanden. Erweiterte Einstellungen