Euro-Zone und Vergemeinschaftung von Schulden


Wirtschaftswissenschaftler fordern nationale Schuldenbremsen für Euro-Staaten
Umfrage: Ökonomen mehrheitlich gegen europäische Wirtschaftsregierung

(31.10.11) - Eine Mehrheit von Wirtschaftsprofessoren spricht sich in einer Umfrage gegen eine gemeinsame Wirtschaftsregierung im Euro-Raum aus. Die Umfrage wurde von der IW Consult im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) und der WirtschaftsWoche (WiWo) durchgeführt. 60 von 96 Wissenschaftlern glauben danach nicht, dass der Euro-Raum eine gemeinsame Wirtschaftsregierung benötigt. 33 Experten stimmen aber dafür.

Auch eine gemeinsame Fiskalpolitik lehnen die meisten der befragten Ökonomen ab (52 Gegenstimmen). Besser wäre nach Expertenmeinung die Einführung nationaler Schuldenbremsen mit Verfassungsrang. Dafür sprechen sich 81 Befragte aus, nur 14 sind dagegen. "Langfristiges Vertrauen kann nur durch langfristig bindende Reformen wiedergewonnen werden", erklärt dazu Prof. Ulrich van Suntum, Direktor des Centrums für angewandte Wirtschaftsforschung an der Universität Münster, der an der Umfrage teilgenommen hat. "Wir brauchen einen Stabilitätspakt II, der die Schuldenmacherei in allen Euroländern ein für alle Mal beendet", fordert der Botschafter der INSM weiter.

Keine Lösung bietet aus Expertensicht die Vergemeinschaftung von Schulden. Euro-Anleihen lehnen die befragten Professoren mehrheitlich genauso ab, wie den Aufkauf von Staatsanleihen durch die EZB. "Die Vergemeinschaftung von Schulden und Risiken widerspricht den Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft. Am meisten hilft man Europa mit glaubwürdigen Regeln, die das Subsidiaritätsprinzip wieder herstellen", erklärt der INSM-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr. Beim Bund und den Ländern in Deutschland hätte die Schuldenbremse schon Wirkung gezeigt. So schafft es Bayern als bestes westdeutsches Bundesland bereits bis zum Jahr 2013 seinen Haushalt auszugleichen. "Schuldenbremsen sind ein probates Mittel zur Eindämmung der Staatsverschuldung", resümiert Pellengahr.

Uneinigkeit unter den Experten herrscht hingegen über den geplanten dauerhaften Rettungsschirm für Euro-Staaten (ESM). 44 Professoren halten den ESM für sinnvoll, 50 Ökonomen glauben nicht, dass ein permanenter Rettungsschirm die Euro-Zone stabilisiert. Die Möglichkeit einer geordneten Insolvenz innerhalb des ESM-Regelwerks befürworten aber 80 der 96 Professoren. "Wo die Märkte zum Staatsbankrott tendieren, kann sich der Staat auch mit noch so großen Summen nicht dagegen stemmen. Er kann nur versuchen, den Staatsbankrott in geordnete Bahnen zu lenken, um so einen Neuanfang zu erleichtern", sagt dazu der Umfrageteilnehmer Charles B. Blankart, Professor für öffentliche Finanzen an der Humboldt-Universität Berlin.

Für das Expertenvotum des INSM-Deutschland-Checks hat die IW Consult, eine Tochtergesellschaft des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, 96 Professoren für Wirtschaftswissenschaften an deutschen Universitäten zwischen dem 19. und 29. September 2011 online befragt. Die Umfrage ist Teil des Deutschland-Checks, einer Dauerstudie im Auftrag der INSM und der WirtschaftsWoche. (INSM: ra)

INSM: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.


Kostenloser Compliance-Newsletter
Ihr Compliance-Magazin.de-Newsletter hier >>>>>>


Meldungen: Studien

  • Durchsetzung von Kundenschutzrechten

    Eine Untersuchung des Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) zeigt klare Mängel bei der Umsetzung einiger Kundenschutzrechte des neuen Telekommunikationsgesetzes (TKG). Dafür wurden primär Verbraucherbeschwerden evaluiert. Probleme gibt es demnach insbesondere bei der Durchsetzung von Minderungsansprüchen und bei untergeschobenen Verträgen.

  • Datenschutz bei Online-Veranstaltungen

    ClickMeeting hat im Frühjahr 2022 untersucht, wie Nutzer es bei Online-Veranstaltungen mit dem Datenschutz halten. Und obwohl das Thema oft nur am Rande behandelt wird, verdeutlicht die Umfrage, dass sich die Organisatoren mit der Frage der Privatsphäre der Teilnehmer befassen sollten. Denn wie die Studie zeigt, möchten beispielsweise fast 90 Prozent der Nutzer vorab darüber informiert werden, wenn eine Online-Veranstaltung aufgezeichnet wird.

  • Neun von zehn Unternehmen setzen auf Industrie 4.0

    Ressourcen schonen, Energie sparen, CO2-Ausstoß reduzieren: Auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz spielt die Industrie eine Schlüsselrolle. Digitalisierung ist der wesentliche Hebel, um diese Ziele zu erreichen. So steht die Hannover Messe als weltweite Industrieleitmesse in diesem Jahr auch unter dem Leitthema "Digitalisierung und Nachhaltigkeit". Eine aktuelle, repräsentative Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom stellt die Bedeutung digitaler Anwendungen für mehr Klimaschutz heraus.

  • DSGVO-Chancen und -Herausforderungen aufzeigen

    2018 trat in der EU die Allgemeine Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in Kraft. Am 25. Mai feiert sie nun bereits ihren vierten Geburtstag. Für die Datenschutzspezialistin Piwik PRO Anlass genug, zeitgleich ihren aktuellen DSGVO-Report herauszugeben. Der Bericht untersucht Chancen und Herausforderungen, welche die DSGVO mit sich bringt und zeigt auf, wie europäische Unternehmen mit der DSGVO umgehen und wie bzw. ob sich das Gesetz auf die Entscheidungsfindung auswirkt.

  • Defizite bei Durchsetzung der Sanktionen

    Der Deutsche Bundestag hat den Gesetzentwurf zur effektiveren Durchsetzung von Sanktionen verabschiedet. Transparency Deutschland begrüßt dieses erste Sanktionsdurchsetzungsgesetz. Darauf aufbauend müssen jedoch viele weitere Verbesserungen zur Behebung der fundamentalen strukturellen Defizite im Kampf gegen Schattenfinanzen und Geldwäsche folgen.

Wir verwenden Cookies um unsere Website zu optimieren und Ihnen das bestmögliche Online-Erlebnis zu bieten. Mit dem Klick auf "Alle akzeptieren" erklären Sie sich damit einverstanden. Erweiterte Einstellungen