Sicherheitslücken in kritischen Infrastrukturen


Fast 70 Prozent der Versorgungsunternehmen hatten im vergangenen Jahr mindestens einen ernsten Sicherheitsvorfall
Mehrheit der Energieversorger sowie der verarbeitenden Industrie sind nicht auf interne und externe IT-Angriffe vorbereitet

(18.08.14) - Eine neue Studie von Unisys hat weltweit bedenkliche Sicherheitslücken in kritischen Infrastrukturen aufgedeckt. Fast 70 Prozent der weltweit befragten Unternehmen, darunter Energie- und Wasserversorger sowie andere Dienstleister für kritische Infrastrukturen, hatten in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einen sicherheitsrelevanten Vorfall, der zu einem Verlust an vertraulichen Informationen oder zu einer Betriebsstörung führte. Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen Studie von Unisys und dem Ponemon Institut.

Lesen Sie zum Thema "IT-Sicherheit" auch: IT SecCity.de (www.itseccity.de)

In der Studie wurden insgesamt 599 Führungskräfte von Versorgungsunternehmen und der verarbeitenden Industrie befragt. 64 Prozent davon erwarten im kommenden Jahr einen oder sogar mehrere ernste, sicherheitsrelevante Angriffe. Trotz dieses Risikos ordneten lediglich 28 Prozent der Befragten das Thema Sicherheit unter die fünf wichtigsten strategischen Ziele ihres Unternehmens ein. Allerdings sind sich insbesondere die deutschen Befragten über das Gefährdungspotenzial durch Cyberattacken im Klaren: So ist für 67 Prozent der Befragten hierzulande die frühzeitige Erkennung von APT-Angriffen – also zielgerichteten Angriffen auf kritische Infrastrukturen – eine der wichtigsten Aufgaben der IT-Sicherheit. Dennoch: in 55 Prozent dieser Unternehmen ist gerade einmal ein einziger Mitarbeiter mit dieser Aufgabe betreut.

"Die Ergebnisse der Studie sind bestürzend wenn man bedenkt, dass diese Branchen das Rückgrat der Weltwirtschaft bilden und sich keine Betriebsstörung leisten können", sagt Dr. Larry Ponemon, Vorsitzender und Gründer des Ponemon Instituts. "Und obgleich der Wunsch nach Sicherheit bei den Unternehmen offensichtlich ist, wird nicht genug getan, um kritische Infrastrukturen vor solchen Angriffen zu schützen."

Nur jeder sechste der weltweit Befragten beschreibt die IT-Sicherheitsvorkehrungen seines Unternehmens als ausgereift. Die Mehrzahl der Sicherheitsverletzungen des vergangenen Jahres führen diese Personen allerdings auf interne Missgeschicke oder Fehler zurück. So bezeichneten 48 Prozent der deutschen Unternehmen den fahrlässigen Umgang ihrer Mitarbeiter mit sicherheitsrelevanten Systemen als Bedrohung für die Unternehmenssicherheit. Die Notwendigkeit von Weiterbildungen für alle Mitarbeiter im Bereich Cybersecurity erkennen dagegen lediglich 7 Prozent der deutschen Firmen (6 Prozent weltweit).

"Egal ob böswillig oder aus Versehen – Bedrohungen, die im Unternehmen entstehen, können ebenso verheerend sein wie äußere Angriffe", betont Dave Frymier, Chief Information Security Officer von Unisys. "Wir hoffen, dass die Umfrageergebnisse für alle Organisationen, die kritische Infrastrukturen bereit stellen, eine Art Weckruf sind, sich proaktiver und umfassender um den Schutz ihrer IT-Systeme gegen Angriffe zu kümmern. Man sollte bereits im Vorfeld gegen mögliche Angriffe aktiv werden, nicht erst wenn es bereits zu einer Verletzung der Datensicherheit kam."

Die Studie behandelt auch die Sorgen der befragten Führungskräfte bezüglich der Sicherheit ihrer Industrial Control- (ICS) sowie Supervisory Control and Data Acquisition-Systeme (SCADA). Das sind Systeme, die technische sowie betriebliche Prozesse beispielsweise zur Stromerzeugung überwachen und steuern. So antworteten 78 Prozent der weltweit befragten Sicherheitschefs (in Deutschland 72 Prozent), dass in den nächsten 24 Monaten ein erfolgreicher Angriff auf ihr ICS- oder SCADA-System durchaus möglich sei. Lediglich 21 Prozent der weltweit Befragten (Deutschland: 15 Prozent) glaubt, dass das Gefährdungslevel für ICS und SCADA aufgrund von Vorschriften oder branchenweiten Sicherheitsstandards abgenommen hat. Dies bedeutet, dass in diesem Bereich strengere Kontrollen und Standards von Nöten sind.

Methodik der Studie
Auf die Online-Umfrage haben 599 IT- und Sicherheitsverantwortliche von Versorgungsunternehmen und im produzierenden Gewerbe aus 13 Ländern zwischen April und Mai 2014 geantwortet.
(Unisys: ra)

Unisys: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.


Kostenloser Compliance-Newsletter
Ihr Compliance-Magazin.de-Newsletter hier >>>>>>


Meldungen: Studien

  • Durchsetzung von Kundenschutzrechten

    Eine Untersuchung des Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) zeigt klare Mängel bei der Umsetzung einiger Kundenschutzrechte des neuen Telekommunikationsgesetzes (TKG). Dafür wurden primär Verbraucherbeschwerden evaluiert. Probleme gibt es demnach insbesondere bei der Durchsetzung von Minderungsansprüchen und bei untergeschobenen Verträgen.

  • Datenschutz bei Online-Veranstaltungen

    ClickMeeting hat im Frühjahr 2022 untersucht, wie Nutzer es bei Online-Veranstaltungen mit dem Datenschutz halten. Und obwohl das Thema oft nur am Rande behandelt wird, verdeutlicht die Umfrage, dass sich die Organisatoren mit der Frage der Privatsphäre der Teilnehmer befassen sollten. Denn wie die Studie zeigt, möchten beispielsweise fast 90 Prozent der Nutzer vorab darüber informiert werden, wenn eine Online-Veranstaltung aufgezeichnet wird.

  • Neun von zehn Unternehmen setzen auf Industrie 4.0

    Ressourcen schonen, Energie sparen, CO2-Ausstoß reduzieren: Auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz spielt die Industrie eine Schlüsselrolle. Digitalisierung ist der wesentliche Hebel, um diese Ziele zu erreichen. So steht die Hannover Messe als weltweite Industrieleitmesse in diesem Jahr auch unter dem Leitthema "Digitalisierung und Nachhaltigkeit". Eine aktuelle, repräsentative Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom stellt die Bedeutung digitaler Anwendungen für mehr Klimaschutz heraus.

  • DSGVO-Chancen und -Herausforderungen aufzeigen

    2018 trat in der EU die Allgemeine Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in Kraft. Am 25. Mai feiert sie nun bereits ihren vierten Geburtstag. Für die Datenschutzspezialistin Piwik PRO Anlass genug, zeitgleich ihren aktuellen DSGVO-Report herauszugeben. Der Bericht untersucht Chancen und Herausforderungen, welche die DSGVO mit sich bringt und zeigt auf, wie europäische Unternehmen mit der DSGVO umgehen und wie bzw. ob sich das Gesetz auf die Entscheidungsfindung auswirkt.

  • Defizite bei Durchsetzung der Sanktionen

    Der Deutsche Bundestag hat den Gesetzentwurf zur effektiveren Durchsetzung von Sanktionen verabschiedet. Transparency Deutschland begrüßt dieses erste Sanktionsdurchsetzungsgesetz. Darauf aufbauend müssen jedoch viele weitere Verbesserungen zur Behebung der fundamentalen strukturellen Defizite im Kampf gegen Schattenfinanzen und Geldwäsche folgen.

Wir verwenden Cookies um unsere Website zu optimieren und Ihnen das bestmögliche Online-Erlebnis zu bieten. Mit dem Klick auf "Alle akzeptieren" erklären Sie sich damit einverstanden. Erweiterte Einstellungen