- Anzeigen -
Besuchen Sie auch unser Zeitschriftenportfolio im Bereich Governance, Risk, Compliance & Interne Revision

Sie sind hier: Home » Markt » Hintergrund

Missverhältnis: Arbeitszeiten und Produktivität


Buch prognostiziert in den nächsten zehn Jahren eine Revolution in der Arbeitsorganisation
Das Gehalt wird sich in Zukunft nach den konkreten Arbeitsergebnissen richten und nicht nach der bloßen Arbeitszeit


(29.11.11) - Eine Arbeitswelt, in der Angestellte selbst darüber entscheiden können, wann, wo und wie sie ihre Arbeit verrichten, ist vielleicht nur noch ein Jahrzehnt entfernt. Erfolgreiche Unternehmen werden ihre Mitarbeiter nach Ergebnissen statt nach Arbeitsstunden beurteilen und Büros werden nicht mehr Orte sein, an denen von 9:00 bis 17:00 Uhr gearbeitet wird, sondern Räumlichkeiten, an denen sich die Mitarbeiter treffen und Besprechungen abhalten können.

Dies ist die These zweier Gastprofessoren der Cass Business School (City University London) und der Henley Business School. Ihr neues Buch mit dem Titel Future Work: How Businesses Can Adapt and Thrive in the New World of Work (Wie Unternehmen sich in der neuen Arbeitswelt zurechtfinden und in ihr aufblühen können) wird in diesem Monat im Verlag Palgrave Macmillan erscheinen.

Das Buch stützt sich auf eine Befragung internationaler Manager und bringt Beispiele von Unternehmen, in denen diese Umstellung bereits erprobt wird. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die mit einem radikalen Wandel der Arbeitsorganisation verbundenen neuen Freiheiten in den Unternehmen zu Produktivitätssteigerung, Kostensenkung und Mitarbeitermotivation beiträgt und den Zugang zu neuen Märkten beschleunigt.

"Im 21. Jahrhundert halten wir an einem Modell fester Arbeitszeiten und Arbeitsplätze fest, das auf das Industriezeitalter zugeschnitten ist", bemerkt Frau Maitland, Senior Visiting Fellow an der Cass Business School. "Lange Arbeitszeiten werden oft gefordert und auch bezahlt, ohne dass die entsprechende Produktivität gemessen wird. Es besteht jedoch nahezu kein Zweifel, dass Arbeitnehmer produktiver sind, wenn sie freier darüber entscheiden können, wo, wann und wie sie arbeiten. Das Vertrauen, das Unternehmen ihren Angestellten entgegenbringen, indem sie ihnen, individuell oder als Team, die Gestaltung ihres Arbeitslebens überlassen, zahlt sich aus."

Bei Google werden Ingenieure bereits nach Leistung beurteilt und nicht danach, wo und wann sie ihre Arbeit erledigen. "Unsere Ingenieure können frei über ihre Arbeitszeit bestimmen", erklärt Matt Brittin, Google-Geschäftsführer für Großbritannien und Irland, "vorausgesetzt, sie sprechen sich mit ihren Kollegen ab und bringen die vereinbarte Leistung. Sie können durchaus nachts arbeiten.”

Der Schlüssel für die Einführung der "Arbeit von Morgen" ist die Messung der Arbeitsleistung, schreiben die Verfasser. Durch Vereinbarungen darüber, was erreicht werden soll, kann die Geschäftsführung ihre Mitarbeiter von der Anwesenheitspflicht befreien - dem Zwang, oft sehr lange am Arbeitsplatz anwesend zu sein, unabhängig davon, ob Arbeit zu erledigen ist oder nicht - und ermöglicht ihnen dadurch, produktiver zu arbeiten. Neben der höheren Produktivität sind nach Ansicht der Verfasser auch erhebliche Einsparungen mit dem neuen Konzept verbunden, sowohl im Hinblick auf die benötigte Bürofläche - in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ein nicht zu vernachlässigender Vorteil für die Unternehmen - als auch durch die Verringerung von Personalfluktuation und betrieblichen Fehlzeiten.

Der Bekleidungshändler Gap konnte den Mitarbeiterabgang der Abteilungen Produktion und Design im kalifornischen Geschäftsbereich Gap Outlet durch die Einführung eines ausschließlich leistungsorientierten Arbeitsumfelds (Results-Only Work Environment – ROWE) um die Hälfte reduzieren. "Man fühlt sich, als wäre man wieder an der Uni", kommentiert Eric Severson, Senior Vize-Präsident der Abteilung Personalwesen & Kommunikation bei GAP, in einer im Buch beschriebenen Fallstudie. "Was zählt, ist die Leistung der Mitarbeiter und nicht, wie lange oder von wo aus sie an einem Projekt arbeiten." Die Führungskräfte von Gap sind davon überzeugt, dass dieser Ansatz dem Unternehmen einen dreijährigen Wettbewerbsvorsprung gebracht hat.

Die Verfasser verweisen auf eine Befragung von 24.000 IBM-Mitarbeitern weltweit, die ergeben hat, dass Mitarbeiter mit flexiblen Arbeitszeiten bis zu 19 Stunden pro Woche mehr arbeiten können, ehe sie denselben Stress-Level erreichen und unter denselben gesundheitlichen Problemen leiden, wie Arbeitnehmer mit festen Arbeitszeiten.

Je mehr sich die "Arbeit von Morgen" durchsetzt, desto mehr Telearbeit und so genannte "Work hubs”, speziell für mobile Arbeitnehmer konzipierte und ausgestattete Arbeitsplätze, wird es geben. "Das Büro ist dann nicht mehr ein Ort, an dem die Mitarbeiter zu festen Arbeitszeiten zusammenkommen, um konzentriert zu arbeiten, sondern könnte sich zu einem Ort entwickeln, an dem Kontakte geknüpft und gepflegt werden", erklärt Frau Maitland.

In den Niederlanden konzipierte Microsoft ihren Unternehmenssitz in der Nähe des Flughafen Schiphol für eine Arbeitswelt, in der es keine festen Arbeitszeiten und Arbeitsplätze mehr gibt. Das Gebäude umfasst hauptsächlich Sitzungsräume und nur ein paar Räumlichkeiten für konzentrierte Arbeit.

Die Macquarie Group, ein weltweit tätiger Finanzdienstleister mit Sitz in Australien, praktiziert das Konzept des "Activity-based Working". Alle Mitarbeiter arbeiten mit Laptops und lassen sich in dem jeweils benötigten Arbeitsumfeld nieder, das von Sitzungsräumen über thematische Gemeinschaftsräume bis hin zu Ruhezonen und Cafés reichen kann.

Aus einer speziell für das Buch durchgeführten Umfrage ergibt sich, dass eine Umstellung auf die "Arbeit von Morgen" unmittelbar vor der Tür stehen könnte. Zwei Drittel der über 360 befragten internationalen Manager aus 40 Ländern sind der Ansicht, dass die derzeitige Arbeitsorganisation in den kommenden zehn Jahren revolutioniert werden wird. Fast 90 Prozent meinen, dass Mitarbeiter produktiver sind, wenn sie die Organisation ihrer Arbeit selbst bestimmen können. Über 80 Prozent glauben, dass sich neue Arbeitsformen positiv auf ihr Unternehmen auswirken würden.

"Um mit alten Gewohnheiten zu brechen, bedarf es einer mutigen Unternehmensführung. Eine solche Umstellung entspricht jedoch den Wünschen der heutigen Generation von Arbeitnehmern und ist auch vom unternehmerischen Standpunkt aus sinnvoll", schließt Frau Maitland. "Unternehmen, die dies erkannt haben, ernten bereits die Früchte dieser Umstellung. Die anderen laufen Gefahr, von den Ereignissen überrollt zu werden." (Cass Business School: ra)

Cass Business School: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.

- Anzeigen -




Kostenloser Compliance-Newsletter
Ihr Compliance-Magazin.de-Newsletter hier >>>>>>


Meldungen: Europäische Kommission

  • Anwendung der Datenschutzvorschriften

    80 Prozent der Deutschen haben von den neuen europäischen Datenschutzvorschriften gehört, aber nicht immer machen die Menschen ausreichend von ihren Rechten Gebrauch. So liest sich nur jeder zehnte Deutsche die Datenschutzerklärungen vollständig durch, EU-weit sind es 13 Prozent. Das geht aus einem veröffentlichten Eurobarometer hervor, das die Europäische Kommission anlässlich des ersten Jahres der Anwendung der EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) veröffentlicht hat. Die Kommission startet ab sofort eine Sensibilisierungskampagne, mit der die Bürger ermutigt werden sollen, Datenschutzerklärungen durchzulesen und ihre Datenschutzeinstellungen so zu optimieren, dass sie nur noch solche personenbezogenen Daten mitteilen, zu deren Preisgabe sie bereit sind.

  • Herstellung eigen hergestellter Sprengstoffe

    Substanzen, die für die Eigenherstellung von Explosivstoffen verwendet werden können, werden in der EU künftig strenger kontrolliert. Der Rat hat eine Verordnung angenommen, mit der die Vermarktung und Verwendung von Ausgangsstoffen für Explosivstoffe in der gesamten EU strenger geregelt wird. Ziel ist es, die Verfügbarkeit dieser Stoffe für die Allgemeinheit einzuschränken und sicherzustellen, dass verdächtige Transaktionen entlang der Lieferkette entsprechend gemeldet werden.Mit den neuen Vorschriften wird der Zugang zu chemischen Stoffen, die für die Eigenherstellung von Explosivstoffen verwendet werden können, weiter eingeschränkt. Ziel ist es, angesichts der zunehmenden Bedrohung der öffentlichen Sicherheit durch Terrorismus und andere schwere Straftaten die illegale Herstellung von Explosivstoffen zu verhindern.

  • Bekämpfung von Desinformation

    Die EU-Kommission hat als Beitrag zum Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs eine erste Bilanz zur Bekämpfung von Desinformation rund um die Europawahl gezogen. "Wir sind davon überzeugt, dass wir die Auswirkungen von Desinformationskampagnen - auch von ausländischen Akteuren - durch unsere Anstrengungen, darunter die verstärkte Koordinierung zwischen der EU und den Mitgliedstaaten, begrenzen konnten. Es bleibt aber noch immer viel zu tun. Die Wahlen zum Europäischen Parlament waren schließlich nicht frei von Desinformation. Das dürfen wir so nicht als normal hinnehmen", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Kommission und der Hohen Vertreterin für die Außen- und Sicherheitspolitik. "Böswillige Akteure ändern ständig ihre Strategien. Wir müssen stets versuchen, ihnen voraus zu sein. Die Bekämpfung von Desinformation ist eine gemeinsame, langfristige Herausforderung für die EU-Organe und die Mitgliedstaaten."

  • Eigen- und Fremdkapitalinvestitionen

    Neue Regeln werden es den Versicherern erleichtern, in langfristig in Unternehmen zu investieren, besonders in kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Die derzeitige Höhe der Eigenkapitalanforderungen (Solvency II) macht es für die Versicherer kostspielig, KMU zu finanzieren. Das gilt besonders für langfristige Eigen- und Fremdkapitalinvestitionen. Fortan müssen Versicherer dafür weniger Kapital zurücklegen. Das dürfte Investitionen des privaten Sektors für die Realwirtschaft mobilisieren - ein zentrales Ziel der Kapitalmarktunion.

  • Einheitliche Testmethodik für Lebensmittel

    Die Europäische Kommission hat die Ergebnisse einer europaweiten Untersuchung von Lebensmittelprodukten veröffentlicht. Es wurde kein Ost-West-Unterschied bei der Zusammensetzung von Markenlebensmitteln festgestellt, aber ein Drittel der getesteten Produkte, die als identisch oder ähnlich vermarktet wurden, wies eine unterschiedliche Zusammensetzung auf. Tibor Navracsics, Kommissar für Bildung, Kultur, Jugend und Sport und zuständig für die Gemeinsame Forschungsstelle, erklärte: "Es gibt unter den europäischen Verbraucherinnen und Verbrauchern die Wahrnehmung, dass von ihnen erworbene Markenlebensmittel sich von einschlägigen anderswo erhältlichen Produkten unterscheiden und - möglicherweise - schlechter sind. Die Kommission hat ihren wissenschaftlichen Dienst beauftragt, zu der objektiven Bewertung, wie verbreitet solche Unterschiede im Binnenmarkt sind, beizutragen. Die Bilanz fällt gemischt aus: Zwar ist zu begrüßen, dass sich hinsichtlich der Zusammensetzung von Markenlebensmitteln keine Anzeichen für eine Kluft zwischen Ost und West feststellen ließen, doch erfüllt es mich mit Sorge, dass knapp ein Drittel der geprüften Produkte eine unterschiedliche Zusammensetzung aufwies, aber als identisch oder ähnlich vermarktet wurde."