Fehlende Finanz- und Risiko-Architektur


Studie: Versicherern fehlt oft eine ganzheitliche, unternehmensweite Strategie als Wellenbrecher gegen die Regulationsflut
Versicherer unterschätzen die Folgen einer fehlenden Strategie zur Bewältigung der regulatorischen Anforderungen

(30.09.14) - Aufsichtsbehörden, Investoren und weitere Interessensvertreter verlangen von Versicherungsunternehmen bereits seit Jahren mehr Transparenz. Durch die Flut an neuen regulatorischen Anforderungen müssen Versicherungen ihre Finanzstrategie und Geschäftsprozesse sowie ihre IT-Systeme grundlegend verändern. Für die notwendige Prozessstabilisierung bleibt ihnen oft nur wenig Zeit. Vor diesem Hintergrund hat die Management- und Technologieberatung BearingPoint Vertreter führender Versicherungsunternehmen zum aktuellen Stand der Regulierungsmaßnahmen und zu konkreten Auswirkungen auf die Praxis befragt. Laut Studie verhindert ein oft vorhandenes Silodenken innerhalb betroffener Bereiche ein unternehmensweites, einheitliches Verständnis und hemmt damit maßgeblich das Finanz- und Risikoreporting der Unternehmen.

Die Hälfte aller befragten Unternehmen strebt eine Neustrukturierung ihres Datenhaushaltes an. Gleichzeitig sehen 85 Prozent der Versicherer in der Datenbereitstellung und ihrer Detailtiefe große Herausforderungen für ihre Finanz- und Risiko-Architektur. Weitere Optimierungsansätze werden im Bewertungsprozess gesehen. Nur ein Viertel der Unternehmen hat jedoch ein strategisches Konzept zur Umsetzung der selbstgesteckten Ziele. Eine ganzheitliche Analyse ist bislang kaum durchgeführt worden.

"Die Studie zeigt, dass die befragten Unternehmen zwar die Notwendigkeit einer übergeordneten Strategie und Konzeption erkannt haben, aber viele die Auswirkungen einer fehlenden Finanz- und Risiko-Architektur auf ihren Abschlussprozess unterschätzen. Sie können die Themen oft nicht übergreifend betrachten, was jedoch aufgrund der bestehenden Abhängigkeiten und Synergiepotenziale von Solvency II, IFRS 4 und IFRS 9 dringend notwendig wäre. Zeitliche Verzögerungen einzelner Vorgaben haben zudem bei zahlreichen Versicherern zu vorsichtiger Zurückhaltung geführt. Das bremst die Entwicklung maßgeblich aus und kann ernsthafte Konsequenzen für die Unternehmen haben", erläutert Patrick Mäder, firmenweiter Leiter des Segments Versicherungen bei BearingPoint.

Unterschiedliche und veraltete Systeme erschweren das Heben von Synergieeffekten
Laut Befragung von BearingPoint sind Synergieeffekte durch eine gemeinsame Bearbeitung der Themen Solvency II, IFRS 4 und IFRS 9 eines der obersten Ziele und Wunsch der Versicherer, damit sie weitere Anforderungen effizient umsetzen können.

Erschwert wird die übergreifende Zusammenarbeit vor allem durch die vielen unterschiedlichen und zum Teil stark veralteten Reportingtools und IT-Systeme. Daraus ergibt sich eine ganze Reihe an Mängeln: Es fehlt derzeit überwiegend an einer zentralen Datenbasis inklusive einer effizienten Datenanlieferung sowie an harmonisierten Prozessen und einer Standard-Schnittstelle zu den Behörden zur reibungslosen Übertragung der Daten. Darüber hinaus kämpfen Versicherer oft mit Laufzeitproblemen in ihren aktuariellen Systemen sowie mit unflexiblen Bestandssystemen, die die unterschiedlichen Bewertungsdaten nicht liefern können.

"Um diese Lücken zu schließen, haben wir ein dreistufiges Analyse-Tool entwickelt: den "BearingPoint Analyzer & Transformer – kurz Beat Box". Kernbaustein der Methode ist eine bereichsübergreifende, standardisierte Analysemethodik, die die unterschiedlichen, gruppenweiten Reporting-Anforderungen einbezieht. Je nach Kundenanforderung oder Einführung neuer oder geänderter Regularien lässt sich die Methode erweitern und stellt die Parameter sofort in einen Gesamtzusammenhang. Dadurch können die Entscheidungsträger der Versicherungsunternehmen schnell und effektiv auf die sich rapide ändernden Rahmenbedingungen reagieren und gemeinschaftlich in Sachen Strategie, Prozesse, Methodik und IT-Landschaft vorgehen", so Dr. Rolf Meyer, Leiter des Segments Versicherungen bei BearingPoint in Deutschland.

Insgesamt haben an der Studie 15 international und lokal agierende Versicherungsunternehmen aus dem deutschsprachigen Raum teilgenommen. 87 Prozent von ihnen sind börsennotiert. Im Fokus der Untersuchung standen die wichtigsten Kerntreiber Solvency II, IFRS 4 und IFRS 9. Es wurden vorrangig Projekt-, Abteilungs- und Bereichsleiter interviewt, die besonders eng mit den Regulierungsanforderungen vertraut sind. (BearingPoint: ra)

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