- Anzeigen -

Zinsen als Problem für das Finanzsystem


Bei weiter niedrigen Zinsen besteht die Gefahr, dass die Schuldentragfähigkeit von Marktteilnehmern überschätzt werde
Insolvenzen und damit Kreditausfälle könnten steigen, wenn sich die Wirtschaftslage unerwartet verschlechtert

- Anzeigen -





Schnell steigende Zinsen könnten sich zu einem Problem für das deutsche Finanzsystem entwickeln. Genauso würden aber dauerhaft nahe bei Null liegende Zinsen das Finanzsystem unter Druck setzen. Derzeit begünstige das konjunkturelle Umfeld die Lage, heißt es in dem von der Deutschen Bundesregierung als Unterrichtung (19/3080) vorgelegten fünften Bericht des Ausschusses für Finanzstabilität zur Finanzstabilität in Deutschland. Es würden aber Stabilitätsrisiken bestehen. Marktteilnehmer sollten daher "die momentan günstigen Bedingungen nicht zu optimistisch fortschreiben und auch Szenarien berücksichtigen, die zu hohen Verlusten führen können", mahnt der Ausschuss. Insbesondere bestehe bei weiter niedrigen Zinsen die Gefahr, dass die Schuldentragfähigkeit von Marktteilnehmern überschätzt werde: "Insolvenzen und damit Kreditausfälle könnten steigen, wenn sich die Wirtschaftslage unerwartet verschlechtert."

Dem deutschen Bankensystem wird in der Unterrichtung bescheinigt, seine Widerstandsfähigkeit gesteigert zu haben. Eigenkapital- und Liquiditätsausstattung seien verbessert worden. Das Niedrigzinsumfeld beeinträchtige aber die Ertragslage. Sparkassen und Kreditgenossenschaften seien aber "hohen Zinsänderungsrisiken" ausgesetzt.

Der Ausschuss verlangt einen Abbau der Privilegierung von Staatsschuldentiteln, die Banken in großem Umfang vor allem von den eigenen Staaten halten würden. Solche Titel würden beim Eigenkapital einer Nullgewichtung unterliegen und seien von Großkreditgrenzen freigestellt. "Diese Privilegien stehen einem adäquaten Umgang mit den tatsächlichen Kreditausfall- und Konzentrationsrisiken entgegen", heißt es in dem Bericht. Nach Angaben des Ausschusses ist ein Abbau dieser Privilegien im Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht aber "derzeit nicht mehrheitsfähig". Auch zu der auf europäischer Ebene diskutierten Bündelung von Staatsanleihen verschiedener Länder in einem Paket zu sogenannten "Sovereign Bond-Backed Securites (SBBS) nimmt der Ausschuss Stellung. Bei einer Umsetzung dieser Pläne gebe es "erhebliche Stabilitäts- und politische Risiken".

Eine erhöhte "Gefahr negativer Liquiditätsspiralen" sieht der Ausschuss durch die in letzter Zeit bei Anlegern immer beliebter gewordenen Investmentfonds. Wenn solche Fonds durch stark zunehmende Rückgaben von Anteilsscheinen ihre Vermögenswerte verkaufen müssten, könnte dies die Vermögenspreise weiter sinken lassen, wodurch Investoren noch mehr Anteile abgeben würden. In Deutschland stehe mit der Aussetzung der Rücknahme von Fondsanteilen nur ein Instrument zum Liquiditäts-Management zur Verfügung. Die Schaffung weiterer Instrumente könnte helfen, Liquiditätsrisiken bei Investmentfonds zu reduzieren.

Keine Gefahr wird hingegen durch die neuen Krypto-Währungen gesehen. Auch angesichts weiter stark steigender Preise für Immobilien werden bisher keine Risiken durch diesen Bereich für die Finanzstabilität gesehen. Es bestehe aber die Gefahr, dass der Wert von Kreditsicherheiten überschätzt werden könnte

Auch die deutschen Lebensversicherungsunternehmen würden durch die niedrigen Zinsen weiter erheblich belastet. Da die Marktzinsen deutlich unter den durchschnittlichen Zinsgarantien liegen würden, "stehen viele Lebensversicherer vor der Herausforderung, hinreichend Erträge zu erwirtschaften, um ihre langfristigen Verpflichtungen zu erfüllen". Zwar würde ein Zinsanstieg grundsätzlich positiv für die Versicherungen sein, doch könnte es bei abrupt steigenden Zinsen zu einer Kündigungswelle kommen, weil die Kunden von der höheren Rendite am Markt profitieren wollten. Die Versicherungen könnten in einem solchen "Extremfall" gezwungen sein, Kapitalanlagen zu deutlich gesunkenen Marktwerten zu veräußern.

Erwähnt wird in dem Bericht auch ein von der Deutschen Bundesbank entwickelter Frühwarnindikator für systemische Finanzkrisen, mit dem allerdings nur inländische Ungleichgewichte im Finanzsystem identifiziert werden können. Als Ergebnis wird festgehalten: "Der Gesamtindikator für Deutschland gibt derzeit kein Warnsignal, steigt seit Ende 2015 aber an." Ein großer Teil des Anstiegs wird auf die stark angestiegenen Wohnimmobilienpreise zurückgeführt. (Deutsche Bundesregierung: ra)

eingetragen: 03.08.18
Newsletterlauf: 06.09.18

- Anzeigen -




Kostenloser Compliance-Newsletter
Ihr Compliance-Magazin.de-Newsletter hier >>>>>>



Meldungen: Bundestag, Bundesregierung, Bundesrat

  • Vorhaben der Ministerien vorgestellt

    Die geplanten und laufenden Vorhaben und Formate des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) und des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) im Zusammenhang mit der Arbeit der im September eingesetzten Enquete-Kommission "Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt" sind am Montag Thema einer öffentlichen Anhörung der Kommission gewesen. In der vierten Sitzung des Gremiums stellten die Parlamentarischen Staatssekretäre der Ministerien entsprechende Vorhaben ihrer Ressorts vor und beantworteten die Fragen der Abgeordneten und Sachverständigen.

  • Verdienstgrenzen für Minijobs umstritten

    Die von der FDP-Fraktion in einem Gesetzentwurf geplante dynamische Erhöhung der Höchstgrenzen für Verdienste bei geringfügig entlohnter Beschäftigung (Mini-Jobs) und Beschäftigung in der Gleitzone (Midi-Jobs) (19/4764) ist während einer öffentlichen Expertenanhörung des Ausschusses für Arbeit und Soziales am Montag bei Gewerkschaftsvertretern auf Ablehnung und bei Arbeitnehmervertretern auf Zustimmung gestoßen. Die FDP schlägt in dem Gesetzentwurf vor, die Verdienstgrenzen an die Entwicklung des Mindestlohns zu koppeln. Im kommenden Jahr solle die Verdienstgrenze bei geringfügiger Beschäftigung auf das 60-fache des allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns festgelegt werden und bei Beschäftigung in der Gleitzone auf das 145-fache des Mindestlohns. Durch diese Änderung werde ein Automatismus eingeführt, der eine Anpassung der bisher starren Grenzen bei jeder Anpassung des Mindestlohns zulasse, wird argumentiert.

  • Bedenken gegen neue EU-Kompetenzen

    Die Deutsche Bundesregierung sieht die von der EU-Kommission geplanten Kompetenzerweiterungen für die europäischen Finanzaufsichtsbehörden (ESAs - European Supervisory Authorities) kritisch. In der Antwort (19/5759) auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion (19/5299) teilt die Regierung mit, sie teile die Kritik des Präsidenten der deutschen Finanzaufsichtsbehörde BaFin, "dass die Kommissionsvorschläge zu überlappenden Kompetenzen führen würden und auch mit Blick auf das Subsidiaritätsprinzip problematisch sind".

  • Verantwortung bei Bankenschieflagen

    Durch die verschiedenen Maßnahmen zur Entwicklung der europäischen Bankenunion wurden die geeigneten Werkzeuge geschaffen, in einer Bankenschieflage Eigentümer und Gläubiger in die Verantwortung zu nehmen. Dies versichert die Deutsche Bundesregierung in ihrer Antwort (19/5732) auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion (19/5297), die erfahren wollte, ob die Steuerzahler künftig nicht mehr bei Bankpleiten haften müssen. In den Jahren nach der Finanzkrise seien die Anforderungen an Kapitalausstattung, Liquidität und Risikomanagement der Banken stetig gesteigert und damit Ansteckungsrisiken verringert worden.

  • FDP fordert Presseauskunftsrecht

    Die FDP-Fraktion will ein Presseauskunftsrecht gegenüber Bundesbehörden gesetzlich verankern. In einem Antrag (19/6054) fordert sie die Bundesregierung auf, einen Gesetzesentwurf vorzulegen, der sich an den bestehenden Landespressegesetzen orientiert und der neben dem Recht auf Auskunftserteilung auch ein Recht auf Akteneinsicht für die Presse vorsieht. Eingeschränkt werden dürfe das Presseauskunftsrecht nur aus Gründen der Geheimhaltung oder aus öffentlichem Interesse.