Sie sind hier: Home » Recht » EU & Europa

Wer muss sich auf MiFID vorbereiten?


MiFID bringt mehr Transparenz ins Wertpapiergeschäft - Wer muss sich auf MiFID vorbereiten?
MiFID hat starke Auswirkungen auf das Geschäft und die IT eines Unternehmens

(29.11.06) - Kaum haben Banken sich mit der Umsetzung von Basel II, IFRS und Sarbanes Oxley auseinandergesetzt, beherrscht eine neue Abkürzung das aktuelle Geschehen: MiFID. Die "Markets in Financial Instruments Directive", am 21. April 2004 als EU-Rahmenrichtlinie beschlossen, gilt als wesentlicher Teil des Financial Services Action Plan (FSAP), mit dem die EU-Kommission einen einheitlichen Binnenmarkt schaffen will. MiFID löst das bisherige Regelwerk für Wertpapierdienstleistungen von 1993 ab und sieht im Kern vor, den Anlegerschutz zu stärken und den grenzüberschreitenden Wettbewerb der Markteilnehmer in Europa zu verbessern. Capgemini, einer der weltweit führenden Dienstleister für Management- und IT-Beratung, Technologie sowie Outsourcing, zeigt, worauf es bei MiFID ankommt.

Stichtag für die Umsetzung von MiFID ist der 01. November 2007
In einem vierstufigen Gesetzgebungsverfahren will die EU- Kommission die Umsetzung des Gemeinschaftsrechts spätestens am 01.11.2007 erreichen. Für die nötigen Vorbereitungen und die Umsetzung bei den Unternehmen bleibt also nur noch wenig Zeit. Durch die vorliegenden Vorentwürfe der technischen Durchführungsbestimmungen (zweite Stufe des Komitologieverfahrens) ist erkennbar, welche enormen Anstrengungen Banken zur Umsetzung unternehmen müssen. Erschwerend kommt hinzu, dass über die Ausgestaltung wesentlicher Regelungen im nationalen Kontext der Gesetzgebung noch keine endgültige Klarheit herrscht.

Wer muss sich auf MiFID vorbereiten?
Für Dienstleister im Wertpapierbereich, Kreditinstitute und organisierte Märkte (Börsen, Makler) sollte MiFID daher auf der Agenda ganz oben stehen. Aber auch Anlageberater und Betreiber von multilateralen Handelssystemen nicht geregelter Märkte sind gefragt, sich mit den Regelungen vom MiFID auseinanderzusetzen und die Auswirkungen auf Ihr zukünftiges Geschäft kritisch zu hinterfragen.

Auf welche Produktbereiche und Geschäftsfelder wirkt sich MiFID aus?
Der Fokus der traditionellen Finanzinstrumente (Aktien, Anleihen, etc.) wird durch die Aufnahme bestimmter Waren- und sonstigen Derivate ergänzt (z.B.: Kreditderivate, exotische Derivatekontrakte). Diese müssen so gehandelt und dokumentiert werden, dass sie unter aufsichtsrechtlichen Aspekten den traditionellen Finanzinstrumenten vergleichbar sind.
Von der Einführung sind nahezu alle Abteilungen betroffen, die sich mit Wertpapieren beschäftigen, dazu zählen insbesondere Handelsabteilung, Asset Management/ Vermögensverwaltung, Privat- und Firmenkundengeschäft, Geschäft mit institutionellen Investoren, Customer Relationship Management, Vertriebssteuerung, Produktmanagement, Marketing/ Kommunikation, IT/Organisation und Recht/ Compliance.

Welche Auswirkungen hat MiFID auf Unternehmen?
Die Auswirkungen der Regelungen zu MiFID lassen sich entlang der Securities Value Chain betrachten. Differenziert man nach Kundenfokus, den direkten Anforderungen an den Handel sowie den organisatorischen und berichtsmässigen Regelungen ergibt sich folgendes Bild.

Durch die Regelungsbreite und -tiefe von MiFID kann hier nur exemplarisch auf bestimmte Themenfelder eingegangen werden.


Wer muss sich auf MiFID vorbereiten?
Für Dienstleister im Wertpapierbereich, Kreditinstitute und organisierte Märkte (Börsen, Makler) sollte MiFID daher auf der Agenda ganz oben stehen. Aber auch Anlageberater und Betreiber von multilateralen Handelssystemen nicht geregelter Märkte sind gefragt, sich mit den Regelungen vom MiFID auseinanderzusetzen und die Auswirkungen auf ihr zukünftiges Geschäft kritisch zu hinterfragen.

Neue Grundsätze für die Behandlung von Kundenaufträgen - Wohlverhaltensregelungen
Die Neufassung der Wohlverhaltensregelungen nach Artikel 19 Abschnitt 2 der Richtlinie 2004/39/EG besagen, dass eine Wertpapierfirma bei der Erbringung von Wertpapierdienstleistungen und/oder gegebenenfalls Nebendienstleistungen für ihre Kunden ehrlich, redlich und professionell im bestmöglichen Interesse ihrer Kunden handeln muss.

Ausrichtung des Handelsbetriebs – Best Execution
Das heißt konkret, das Finanzdienstleister sorgfältig wählen müssen, welche Handelsplätze und Abwicklungswege geeignet sind und somit dem Kundenwunsch am Besten entsprechen können.
Das heißt auch, für die Ausführung der erforderlichen Parameter (Kurs, Kosten, Schnelligkeit, Wahrscheinlichkeit der Ausführung und Abrechung, Umfang, Art und alle sonstigen relevanten Aspekte) muss ein Verfahren gefunden werden, um ein bestmögliches Ergebnis erzielen zu können. Unternehmen müssen hier ihre eigene "Best Execution Policy" erarbeiten, implementieren, offen legen und die regelkonforme Ausführung sicherstellen.

Maßnahmen zur Kundeninformation und -klassifikation
MiFID sieht eine Vielzahl von Pflichtinformationen für Kunden vor und differenziert hinsichtlich der Professionalität des Anlegers. So müssen Banken in Zukunft die Anforderungen zur Klassifikation nach Kleinanlegern, professionellen Kunden und der geeigneten Gegenpartei berücksichtigen. Dem Kunden werden hier Entscheidungsspielräume eingeräumt, z.B.: können professionelle Kunden auf Wunsch auch ein höheres Schutzniveau genießen. Unternehmen sind also gefordert, ihre Verfahren, internen Richtlinien, Vertragsdokumentationen und Marketinginhalte auf diese flexiblen Differenzierungen anzupassen.

Cross Border Business – MiFID als Chance begreifen
Es steht außer Frage, dass die Umsetzung der MiFID Anforderungen Kosten in beträchtlichem Maße, insbesondere in Prozesse und Systeme nach sich zieht. Andererseits zielt die EU mit der Richtlinie auch darauf ab, den Wettbewerb in der EU zu harmonisieren und eröffnet durch den Zugewinn an Rechten bei grenzüberschreitenden Dienstleistungen im Wertpapierbereich und der Anlageberatung strategische Handlungsspielräume. Durch den Wegfall des Börsenzwangs liegen Chancen darin, Aktiengeschäfte nicht nur über organisierte Märkte (Börsen), sondern als "systematischer Internalisierer" oder als Betreiber eines multilateralen Handelssystems (multilateral trading facility – MTF) auszuführen.

Wie wirkt sich MiFID auf Unternehmen aus?
MiFID enthält eine hohe Anzahl an Vorgaben für die Organisationen und den Betrieb für Wertpapierdienstleister. Man kann es quasi als das neue "Grundgesetz" für das Wertpapiergeschäft bezeichnen, dass sich auf sämtliche Unternehmensbereiche auswirkt.
Der Umfang und die hohe Regelungstiefe bedeuten, dass Strukturen, Prozesse und IT-Systeme reorganisiert und der Bankbetrieb ganzheitlich betrachtet werden muss. MiFID wird erhebliche Investitionen nach sich ziehen und lässt Chancen erahnen, die im individuellen Kontext zu konkretisieren sind. Damit ist es auch ein strategisches Thema, das Entscheidungen zur Gesamtausrichtung des Geschäfts und der IT einfordert.

Was müssen Unternehmen tun, um sich auf MiFID vorzubereiten?
In Anbetracht des ehrgeizigen Umsetzungstermins am 01.11.2007 müssen sich Unternehmen mit den Auswirkungen von MiFID intensiv befassen und schnellstmöglich handeln
>> Es ist also zu hinterfragen, welche Auswirkungen MiFID auf das Geschäft und die IT hat;
>> Man muss die für die Umsetzung kritischen Bereiche spezifizieren;
>> Maßnahmen zur Umsetzung müssen definiert werden;
>> Es sollten frühzeitig Budgets und ausreichend Ressourcen für die Umsetzung eingeplant werden;
>> MiFID sollte ganzheitlich geplant und gesteuert werden und nicht zuletzt sollte für
>> Sponsoring auf höchster Unternehmensebene gesorgt werden.
>> Wichtig ebenfalls: Mitarbeiter müssen hinreichend auf das Thema vorbereitet werden, um die Umsetzung effektiv und effizient durchführen zu können

Was kann Capgemini für Unternehmen tun?
Capgemini kann dabei helfen, aktuelle Entwicklungen besser zu überblicken und das Bewusstsein für die bevorstehenden Herausforderungen zu schärfen. Der Dienstleister unterstützt bei der Formulierung der Anforderungen in strategischer Hinsicht und hilft, die unternehmensweit erforderlichen Planungen und Maßnahmen zu koordinieren.
Expertise Capgeminis im Hinblick auf MIFID, Compliance -und Risk-Themen, IT-Programme und Prozesse im Wertpapierbereich hilft den Unternehmen bei der Umsetzung der erforderlichen Maßnahmen

Warum Capgemini?
Das "Joint European MiFID Team" von Capgemini und das "Center of Excellence" beleuchten das Thema gemeinsam europaweit. Capgemini hat bereits Projekterfahrungen im Bereich MiFID gesammelt und unterstützt auch länderübergreifend. (Capgemini: ra)


Kostenloser Compliance-Newsletter
Ihr Compliance-Magazin.de-Newsletter hier >>>>>>


Meldungen: EU und Europa

  • Finanzmarktinfrastrukturen & Widerstandsfähigkeit

    Der Rat der EU hat Schlussfolgerungen zur strategischen Autonomie des europäischen Wirtschafts- und Finanzsektors angenommen. Angesichts der dramatischen Veränderungen des geopolitischen Kontexts in den letzten Monaten erhält das Ziel, strategische Autonomie der EU bei gleichzeitiger Wahrung einer offenen Wirtschaft zu erreichen, eine noch größere Bedeutung.

  • Polizeiliche und justizielle Zusammenarbeit

    Der Rat der EU hat eine Änderung der Verordnung zur Errichtung der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte gebilligt. Mit diesem Text soll das Mandat der Agentur erweitert und ihre Arbeitsweise durch effizientere Verfahren verbessert werden.

  • Zugang zu elektronischen Beweismitteln

    Der Rat hat einen Beschluss angenommen, mit dem die Mitgliedstaaten ermächtigt werden, im Interesse der EU das Zweite Zusatzprotokoll zum Übereinkommen über Computerkriminalität (Budapester Konvention) zu unterzeichnen. Dieses Protokoll wird den grenzüberschreitenden Zugang zu elektronischen Beweismitteln wie in der Cloud befindlichen E?Mails oder Dokumenten für die Verwendung in Strafverfahren verbessern.

  • Gesetz über digitale Dienste

    Mit der vorläufigen, politischen Einigung zwischen dem Rat und dem Europäischen Parlament über das Gesetz über digitale Dienste wurde ein wichtiger Schritt getan. Was den Anspruch, die Art der regulierten Akteure und den innovativen Aspekt der damit verbundenen Aufsicht anbelangt, ist das Gesetz ein weltweites Novum im Bereich der Regulierung des digitalen Raums.

  • Verordnung über europäische grüne Anleihen

    Die EU unternimmt weitere Schritte zur Umsetzung ihrer Strategie für die Finanzierung nachhaltigen Wachstums und des Übergangs zu einer klimaneutralen, ressourceneffizienten Wirtschaft. Die Ständigen Vertreterinnen und Vertreter bei der EU haben den Standpunkt des Rates zu einem Vorschlag zur Schaffung europäischer grüner Anleihen gebilligt.

Wir verwenden Cookies um unsere Website zu optimieren und Ihnen das bestmögliche Online-Erlebnis zu bieten. Mit dem Klick auf "Alle akzeptieren" erklären Sie sich damit einverstanden. Erweiterte Einstellungen