Eine offene und vorurteilsfreie Gesprächskultur


Dieselgate oder was wir aus der VW Affäre lernen können und müssen
VW hat als Weltkonzern selbstverständlich eine Compliance, eine Corporate Governance, eine interne Revision und auch ein Ombudsmann-System, das anonymen Hinweisen auf Verstöße nachgeht. Und trotzdem konnte oder wollte der Betrug, der scheinbar intern bereits seit 2011 bekannt war, nicht verhindert werden.

Von Dieter Weichl

(23.11.15) - Die Abgasaffäre von VW überrascht – ja schockiert. Offensichtlicher Betrug von Kunden, Geschäftspartnern, Behörden und der Öffentlichkeit. German Engineering im Pakt mit dem Teufel Dreistigkeit zum Schaden von Mitarbeitern, Händlern, Kunden, Anlegern... oder mit anderen Worten: zum Schaden der Allgemeinheit, der Umwelt und dem Standort Deutschland. Und das einzig und allein zum eigenen Vorteil.

Fassungslos fragt man sich: "Wie konnte so etwas passieren?", "Wer hat davon gewusst?", "Wie kann man nur so blöd sein?"
VW hat als Weltkonzern selbstverständlich eine Compliance, eine Corporate Governance, eine Interne Revision und auch ein Ombudsmann-System, das anonymen Hinweisen auf Verstöße nachgeht. Und trotzdem konnte oder wollte der Betrug, der scheinbar intern bereits seit 2011 bekannt war, nicht verhindert werden. In das Horn über die Auswirkungen dieses Skandals werden wir nicht blasen. Was uns viel mehr interessiert ist, welche Schlüsse wir aus "Dieselgate" ziehen müssen. Und wie solche und ähnliche Entwicklungen in unseren eigenen Unternehmen vermieden werden können?

Strenge Regeln und Vorschriften auf dem Papier allein nützen wenig. Mehr Bürokratie führt in der Regel zu noch mehr Kreativität in deren Auslegung. Die Bankenbranche ist ein treffendes Beispiel hierfür.

Was dann? Es braucht eine Präsenz von gelebten Werten und Normen im Arbeitsalltag. Oder mit Joachim Gauck zu sprechen: "...Innere Einheit entsteht, wo wir sie wirklich wollen und uns dann ganz bewusst darum bemühen...."

Die selbstgesteckten und im Leitbild oder in der Unternehmensphilosophie verankerten Werte und Prinzipien müssen im tagtäglichen Umgang Relevanz und Offensichtlichkeit bekommen. Das Top-Management muss für sie ebenso brennen wie für wirtschaftliche Ziele. Sie müssen ebenso eingefordert, wie Verstöße dagegen konsequent geahndet werden. Nur so entsteht ein Gefühl für Fairness, Identifikation mit den Werten und Respekt für diese bei allen Mitarbeitern.

Hierfür braucht es vor allem Vorbildverhalten, eine offene und vorurteilsfreie Gesprächskultur, einen konstruktiven Umgang mit Fehlern und ein hohes Bewusstsein für den gemeinsamen Belang. Ein Betrug à la VW ist irgendwann einmal von irgendwem ausbaldowert worden und hat dann unbemerkt oder klammheimlich ignoriert oder vorsätzlich seinen Weg durch die Hierarchien genommen – hin zu einer Größenordnung von 11 Millionen Fahrzeugen! Denunziatorische und anonymisierte – vom Gesetzgeber z.T. eingeforderte - Kontrollmechanismen wie z. B. Whistleblowing werden solche Entwicklungen kaum verhindern können. Im Gegenteil – unserer Meinung nach befördern sie eher Misstrauen, Neidkultur und Geheimniskrämerei.

Einzig und alleine eine Atmosphäre des Vertrauens, in der offenes und ehrliches Feedback zum tagtäglichen Umgang gehört, und ein authentisches und ehrliches Vorbildverhalten wird alle Mitarbeiter in einer Organisation ermutigen, auch Missstände aufzudecken und daher Fehlentwicklungen, die zu Krisen und Skandalen führen, im Keim zu ersticken.
• >> Investieren Sie daher ab sofort in eine lebendige Unternehmenskultur!
• >> Nehmen Sie sich Zeit für Entwicklungs-, Coaching- und Kritikgespräche!
• >> Schieben Sie Konfliktbewältigung nicht auf die lange Bank!
• >> Zeigen Sie allen Mitarbeitern, dass Sie persönlich für Ihre Werte einstehen, sie einfordern und wo nötig auch zum Wohle des Ganzen verteidigen!
• >> Lösen Sie Krisen und Konflikte persönlich, direkt und Face-to-Face im Gespräch!
• >> Brennen Sie für Vertrauen und Ehrlichkeit ebenso wie für die Erreichung von Geschäfts- und Umsatzzielen!
Und denken Sie immer an das Große Ganze – den Belang, der über dem eigenen, über dem des Unternehmens stehen sollte.

Autor: Dieter Weichl
ist seit 1995 selbstständig als Verhaltenstrainer und –Coach tätig. Des Weiteren ist er seit 2004 Managing Partner von Business Culture – Hawlitzeck & Weichl PartG. Business Culture trainiert Führungskräfte und Mitarbeiter darin, sich auf authentische Weise kongruent zu Werten und Leitlinien ihres Unternehmens zu verhalten.
(Business Culture: ra)

Business Culture: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.


Kostenloser Compliance-Newsletter
Ihr Compliance-Magazin.de-Newsletter hier >>>>>>


Meldungen: Markt / Unternehmen

  • Einführung einer Risikoprüfung

    Der Bundesrechnungshof (BRH) kritisiert in einem aktuellen Prüfbericht, dass das Verfahren zur Auszahlung der Corona-Prämien an Pflegepersonal "fehlerhaft und missbrauchsanfällig" gewesen sei. Hochrangige Ermittler von Polizei und Krankenkassen bestätigen diese Kritik auch für andere Bereiche des Gesundheitswesens, vor allem wenn sie als "unbürokratisch" herausgestellt werden.

  • Nachweiserbringung für KRITIS digital möglich

    Betreiber Kritischer Infrastrukturen (KRITIS) müssen gegenüber dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) mindestens alle zwei Jahre nachweisen, dass IT-Systeme, Komponenten und Prozesse, die für den Betrieb elementar sind, nach dem Stand der Technik abgesichert sind. Im Rahmen der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes (OZG) hat das BSI jetzt die Nachweiserbringung digitalisiert. Somit können Nachweise zu rund 2.000 Kritischen Infrastrukturen durch die KRITIS-Betreiber über das Verwaltungsportal Bund beim BSI eingereicht werden.

  • Gastarife in Grund- und Ersatzversorgung

    Das Kammergericht in Berlin hat die Musterfeststellungsklage des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) gegen die GASAG AG zugelassen. Betroffene Verbraucher können sich jetzt beim Bundesamt für Justiz in das Klageregister eintragen, um an der Klage teilzunehmen. Der vzbv hatte am 16. August 2022 Klage erhoben, weil die GASAG im Winter 2021 in der Grund- und Ersatzversorgung mit Gas teurere Tarife für Neukunden eingeführt hatte.

  • TfS-Leitfaden für den CO2-Fußabdruck

    Im Rahmen der gemeinsamen Initiative " Together for Sustainability" (TfS) haben sich 37 Unternehmen der chemischen Industrie, darunter BASF, auf einen weltweit einheitlichen Leitfaden zur Berechnung ihrer Product Carbon Footprints (PCFs) geeinigt. CO2-Fußabdrücke sind eine wichtige Information zur Steuerung von Emissionen in der Wertschöpfungskette.

  • Es fehlt ein geeignetes Cyber-Risikomanagement

    Die Nachrichten über Cyber-Attacken sind mittlerweile allgegenwärtig und haben auch in kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) zu einer Sensibilisierung für den Bereich Informationssicherheit beigetragen. In vielen Fällen reagieren Unternehmen mit einem hohen Maß an technischen IT-Sicherheitsmaßnahmen - ohne jedoch die eigentlichen Risiken und deren Auswirkungen auf das Unternehmen zu kennen. Es fehlt ein geeignetes Cyber-Risikomanagement.

Wir verwenden Cookies um unsere Website zu optimieren und Ihnen das bestmögliche Online-Erlebnis zu bieten. Mit dem Klick auf "Alle akzeptieren" erklären Sie sich damit einverstanden. Erweiterte Einstellungen