Sie sind hier: Home » Recht » Datenschutz und Compliance

Datenschutz und Grundgesetz


Datenhandel: Möglicherweise auch Telekom betroffen - Die Grünen fordern: "Datenschutz gehört ins Grundgesetz"
Datenmissbrauch bekämpfen: Einrichtung einer gemeinsam vom BKA und dem Bundesbeauftragten für Datenschutz besetzten Sonderkommission "Datenklau" im BMI


(20.08.08) - Nach Recherchen der NDR/WDR-Sendung "Kriminalreport" sind auch Kunden der Telekom vom illegalen Datenhandel betroffen. Ein Call-Center in Bremerhaven habe sich illegal Zugriff auf Datenbanken der Telekom verschafft und Daten davon offenbar an Dritte weiterverkauft, heißt es in dem Fernsehbericht. "Die Deutsche Telekom ist offenbar Opfer hochkrimineller Machenschaften. Dabei sollen einige Bildschirmausdrucke einer Kundendatenbank illegal Dritten zugänglich gemacht worden sein", erklärte Unternehmenssprecher Stephan Broszio.

"Bisher haben wir keine Erkenntnisse, dass unsere Kundendaten für Trickbetrügereien missbraucht worden sind. Wir werden alles unternehmen, um die illegale Weitergabe von Kundendaten aufzuklären und strafrechtlich verfolgen zu lassen", fügte Broszio an.

Zu dem jüngst bekannt gewordenen Fall von massenhaftem Missbrauch von Kontodaten erklärte Claudia Roth, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen:

"Der massenhafte Missbrauch von Kontodaten ungefragter Bürger ist ein Skandal sondergleichen. Mit unglaublicher krimineller Energie wurden die Kontodaten verkauft, die den Weg zur Abbuchung von erheblichen Beträgen ohne Einwilligung der Betroffenen geebnet haben. Er zeigt außerdem, wie gefährlich die unachtsame Herausgabe sensibler Daten ist.

Der Gesetzentwurf der großen Koalition zur illegalen Telefonwerbung reicht nicht aus, um Missbrauch dieser Dimension in Zukunft zu verhindern. Die schuldig gewordenen Firmen können die Bußgelder noch immer aus der Portokasse aufbringen. Auch eine schriftliche Bestätigung telefonisch abgeschlossener Verträge ist nach wie vor nicht vorgeschrieben. Hier besteht dringender Nachbesserungsbedarf.

Gerade im Bereich der Wirtschaft reicht der Datenschutz bei weitem nicht aus und befindet sich noch in der technologischen Steinzeit. Die Sammelwut von Wirtschaftsunternehmen, die das Verhalten ihrer Kunden im Internet, durch Kundenkarten und andere Überwachungsmaßnahmen im Detail protokollieren und für ihre Interessen nutzen, birgt die Gefahr von neuen Missbrauchs- und Skandalfällen. Der Weitergabe und Verwendung dieser Daten müssen gesetzliche Schranken gesetzt werden. Wir fordern ein grundsätzliches Verbot für den Handel mit persönlichen Daten. Es ist an der Zeit, das Bundesdatenschutzgesetz grundlegend zu reformieren, damit es den Bedürfnissen der Informationsgesellschaft gerecht wird.

Die wirksamste Maßnahme gegen Datenhandel und Datenbetrug bleibt Datensparsamkeit und mehr Aufklärungsarbeit in diesem Bereich. Wenn Wirtschaftsunternehmen und Bundesregierung immer weitere Datenberge aufhäufen, werden dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet."

Auf ihrer Website fordern die Grünen, "die Aufnahme des Datenschutzes in das Grundgesetz, damit sowohl dem Staat als auch der privaten Wirtschaft unmissverständlich deutlich wird, dass Datenschutz ein Grundrecht von hoher Bedeutung ist."
Es könne nicht sein, dass "in einer rechtlichen Grauzone munter mit den persönlichen Daten der Bundesbürger gehandelt (werde)": "Wir brauchen effektive Sanktionen."

"… Gerade im Bereich der Grundrechte ist es wichtig, dass die Bürgerinnen und Bürger ihre Rechte in der Verfassung selbst nachlesen können. Datenschutz gehört ins Grundgesetz. Wir haben dazu einen Gesetzentwurf 'Datenschutz ins Grundgesetz' (Bundestagsdrucksache 16/9607) vorgelegt. Mit dieser Initiative wollen wir auch die längst notwendige Überarbeitung der Datenschutzgesetze befördern, insbesondere auch um den Schutz vor zunehmend bedrohlicher privater Datensammlung auszubauen."

Soko "Datenklau"
Angesichts des Ausmaßes des illegalen Handels mit sensiblen persönlichen Daten erklärt Silke Stokar, innenpolitische Sprecherin:

"Wir fordern die Einrichtung einer gemeinsam vom BKA und dem Bundesbeauftragten für Datenschutz besetzten Sonderkommission "Datenklau" im BMI. Die Soko "Datenklau" soll Vorschläge für präventive Datensicherheit erarbeiten, gemeinsame Ermittlungsgruppen aufstellen, die den Datenbestand in Callcentern, Recherchediensten, Auskunfteien und Inkassobüros überprüft und die rechtlichen Grundlagen für eine effektive Strafverfolgung bei illegalem Datenhandel auf Schwachstellen untersucht.

Es kann nicht sein, dass Bundesinnenminister Schäuble, keinen Handlungsbedarf sieht, wenn die Konten der Bundesbürger abgeräumt werden. Millionen Bürgerinnen und Bürger müssen damit rechnen, dass Unbefugte Geld von ihrem Konto einziehen. Besonders perfide ist es, dass sich die Datenhehler gezielt ältere Menschen als Opfer aussuchen. Gerade die Innenminister, die den Datenschutz jahrelang als Täterschutz diffamiert haben, müssen doch jetzt endlich begreifen, dass Daten ohne Schutz Täter ermutigen und Opfer produzieren."
(Die Grünen: ra)

Lesen Sie auch:
Lottoskandal deckt massive Datenlecks auf
Callcenter sind im Besitz von Kontodaten


Kostenloser Compliance-Newsletter
Ihr Compliance-Magazin.de-Newsletter hier >>>>>>


Meldungen: Datenschutz und Compliance

  • BfDI legt Konsultationsbericht zu KI vor

    Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) veröffentlicht die Ergebnisse des Konsultationsverfahrens zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im Bereich der Strafverfolgung und der Gefahrenabwehr. Der BfDI, Professor Ulrich Kelber, sagte dazu: "KI wird eingesetzt, ohne dass grundlegende rechtliche Fragen beantwortet wären. Der Gesetzgeber sollte jetzt zeitnah die notwendigen Entscheidungen treffen."

  • "Dark Patterns" in sozialen Medien

    Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit ( BfDI) Prof. Ulrich Kelber, zeigt sich zufrieden mit den Leitlinien, die der Europäische Datenschutzausschuss (EDSA) beschlossen hat: "Ich freue mich besonders darüber, dass der EDSA die konsolidierten Leitlinien zur Zusammenarbeit der Datenschutzaufsichtsbehörden im Kooperationsverfahren beschlossen hat. Im EDSA finden wir gemeinsam konstruktive Lösungen für Probleme, die der Gesetzgeber offen gelassen hat."

  • Liegt ein Datenschutzverstoß vor?

    Dem BfDI wurde von Hinweisgebern gemeldet, dass es im Zusammenspiel von elektronischen Gesundheitskarten (eGK) und den Konnektoren der Telematik-Infrastruktur zu Datenschutzverstößen gekommen sein soll. Dazu haben uns viele Fragen erreicht, von denen wir die häufigsten hier beantworten. Im Rahmen der Zertifikatsprüfung bei der eGK-Gültigkeitsprüfung wird die Seriennummer der eGK-Zertifikate (konkret das AUT-Zertifikat) von gesperrten elektronischen Gesundheitskarten im Sicherheitsprotokoll der Konnektoren eines Herstellers lokal gespeichert. Die Spezifikation des Konnektors sieht vor, dass keine personenbezogenen Daten protokolliert werden dürfen. Das fehlerhafte Verhalten der Konnektoren des Herstellers konnte die gematik nachstellen und hat nach eigener Aussage den Hersteller direkt über das Fehlverhalten der Konnektoren informiert.

  • EDSA beschließt Leitlinien zum Auskunftsrecht

    Der Europäische Datenschutzausschuss (EDSA) hat Leitlinien zu den Betroffenenrechten der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) veröffentlicht. Im Fokus steht dabei das Auskunftsrecht, mit dem Betroffene unter anderem in Erfahrung bringen können, welche Daten Unternehmen und Behörden über sie gespeichert haben. Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI), Professor Ulrich Kelber, begrüßt die gemeinsamen Leitlinien: "Das Recht auf Auskunft ist das grundlegende Betroffenenrecht und wird von den Bürgerinnen und Bürgern häufig in Anspruch genommen. Allerdings lässt der entsprechende Artikel der DSGVO allein einen großen Interpretationsspielraum. Der EDSA sorgt hier nun für mehr Klarheit und Einheitlichkeit."

  • Behörde hätte gerne frühzeitig beraten

    Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI), Professor Ulrich Kelber, kritisiert einige Bestandteile der neuen gesetzlichen Regeln zur Kontrolle des Impf-, Genesenen- oder Teststatus (3G) durch Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber. "Die Vorarbeiten der Bundesregierung für den Deutschen Bundestag sind an einigen Stellen fehlerhaft und verzichten auf datenschutzfreundliche Regelungen. Meine Behörde hätte gerne frühzeitig und begleitend beraten. Darauf hat das federführende Ministerium aber verzichtet. Folge ist ein unnötiges Risiko datenschutzrechtlicher Fehler, die bei Klagen vor Gerichten zu Verzögerungen führen könnten. Der Pandemiebekämpfung würde das massiv schaden", sagte der BfDI.

Wir verwenden Cookies um unsere Website zu optimieren und Ihnen das bestmögliche Online-Erlebnis zu bieten. Mit dem Klick auf "Alle akzeptieren" erklären Sie sich damit einverstanden. Erweiterte Einstellungen