Sie sind hier: Home » Recht » EU & Europa » Europäisches Parlament

Big Data: Über Möglichkeiten und Risiken


EU-Parlament: Innenausschuss debattierte über die Folgen von Massendaten für die Grundrechte
Im Zusammenhang mit Massendaten könnten andererseits jedoch erhebliche Risiken und Herausforderungen entstehen, vor allem im Hinblick auf die Grundrechte, den Schutz der Privatsphäre und den Datenschutz



In unserem täglichen Leben sind wir von großen Mengen persönlicher und öffentlicher Daten umgeben. Dank leistungsfähiger Prozessoren und cleverer Algorithmen können jedoch immer mehr dieser Daten gespeichert und analysiert werden. Diese neue Ära der "Big Data", also des intelligenten Umgangs mit diesen großen Datenmengen, eröffnet neue Möglichkeiten für Unternehmen und Regierungen. Dem gegenüber stehen Bedenken bezüglich der Cyber-Sicherheit und des Schutzes unserer Privatsphäre.

Als "Big Data" (Massendaten), werden riesige Datenmengen bezeichnet, die aus verschiedensten Quellen wie dem Internet, sozialen Netzwerken, der Kaufhistorie, Sensoren oder Überwachungskameras stammen und gesammelt werden. Dazu zählen persönliche Daten wie Name, Alter oder Einkaufsgewohnheiten aber auch Daten zur Umweltverschmutzung oder zum Verkehrsaufkommen. Durch hochentwickelte Analyseverfahren können diese Daten dann zu verschiedensten Zwecken genutzt werden und eröffnen in zahlreichen Bereichen wie Marketing und Werbung, Handel, Stadtplanung, Gesundheitswesen, Transport oder dem Umweltsektor neue Möglichkeiten. Durch diese "Big Data"-Analysen verspricht sich vor allem die Wirtschaft Einblicke in das Verhalten und die Vorlieben ihrer oder potenziell neuer Kunden. Unternehmen können Verbrauchern maßgeschneiderte Produkte und Informationen anbieten. Gleichzeitig kann die Auswertung der Daten auch von Banken oder Versicherungen genutzt werden. Die Einsatzbereiche sind mannigfaltig.

Schätzungen zufolge werde der Markt für Massendaten bis 2017 einen Gesamtwert von 50 Milliarden Euro erreichen und könnte 3,75 Millionen neue Arbeitsplätze schaffen.

Der Innenausschuss debattierte über die Folgen von Massendaten für die Grundrechte. Die portugiesische EU-Abgeordnete Ana Gomes (S&D), die einen Initiativbericht zu diesem Thema verfasst, betonte in der Debatte: "Eine florierende datengesteuerte Wirtschaft ist eine Chance für Wachstum und Beschäftigung auch dank der Entstehung neuer Geschäftsmodelle und Dienstleistungen und im Zuge einer höheren Produktivität."

Im Zusammenhang mit Massendaten könnten andererseits jedoch erhebliche Risiken und Herausforderungen entstehen, vor allem im Hinblick auf die Grundrechte, den Schutz der Privatsphäre und den Datenschutz, so Gomes. Sie fügte hinzu: "Manche Menschen tun so, als ob es sich bei "Big Data" nur um Statistiken, die auf riesigen Datenbanken basieren, handele. Es geht hier nicht um traditionelle Statistiken, denn die Grundlage dieser Datenbanken sind persönliche Daten, die geschützt werden müssen."

Die massive Datenerhebung und Datenanalyse lässt bei vielen Menschen das Gefühl einer konstanten Überwachung entstehen, insbesondere nach den Enthüllungen von Edward Snowden über die NSA. Manche Menschen sehen daher eher davon ab, neue Technologien zu nutzen. Des Weiteren besteht die Gefahr der Datenweitergabe durch Sicherheitsverletzungen oder der Datenteilung mit Dritten ohne Zustimmung der betroffenen Person. Schließlich könnten Personen auch aufgrund der über sie gesammelten Daten bestimmte Dienstleistungen verweigert werden.

In der Debatte sagte Ana Gomes: "Wir müssen uns auf die Transparenz konzentrieren, bezüglich des Werts und der Nutzung gesammelter Daten, der Vorschriften für deren Verwaltung und der Art und Weise, wie die Daten gesammelt und verarbeitet werden. Gleichzeitig muss betont werden, dass der Einzelne ein zeitgemäßes und sinnvoll gestaltetes Recht auf Zugang zu Daten und auf Informationen über die Datenverarbeitung haben sollte." (Europäisches Parlament: ra)

eingetragen: 08.10.16
Home & Newsletterlauf: 03.11.16



Kostenloser Compliance-Newsletter
Ihr Compliance-Magazin.de-Newsletter hier >>>>>>


Meldungen: Europäisches Parlament

  • Rechenschaftspflicht von Unternehmen

    Die Abgeordneten des Europäischen Parlaments fordern ein neues EU-Gesetz, das Unternehmen dafür zur Verantwortung zieht, wenn ihr Handeln Menschen oder dem Planeten schadet. Die Abgeordneten debattieren im Plenum des Europäischen Parlaments einen Bericht des Rechtsausschusses über die Rechenschaftspflicht von Unternehmen. Darin wird die Kommission aufgefordert, ein Gesetz vorzulegen, das Unternehmen in der EU dazu verpflichtet, sich mit Aspekten ihrer Lieferketten zu befassen, die Menschenrechte (einschließlich soziale Rechte sowie Gewerkschafts- und Arbeitsrechte), die Umwelt (zum Beispiel der Beitrag zum Klimawandel) und die Regeln guter Unternehmensführung verletzen könnten.

  • Nachhaltigkeit und gute Unternehmensführung

    Der Rechtsausschuss des Europäischen Parlaments formuliert Anforderungen an ein neues EU-Gesetz, das Unternehmen zur Sorgfaltspflicht für ihre Lieferketten verpflichten soll. Der Entwurf der Gesetzesinitiative (angenommen mit 21 Ja-Stimmen, einer Gegenstimme und einer Enthaltung) fordert die Europäische Kommission auf, dringend ein Gesetz vorzulegen, das Unternehmen haftbar macht, wenn sie Menschenrechte, Umweltstandards und gute Regierungsführung verletzen oder dazu beitragen. Die Regeln zur Sorgfaltspflicht für Lieferketten sollen auch den Zugang zu Rechtsmitteln für Geschädigte garantieren. Die EU-Kommission hat einen entsprechenden Gesetzesvorschlag für Frühjahr 2021 angekündigt.

  • Die EU ist keine Einrichtung à la carte

    Abgeordneten des Europäischen Parlaments billigten jene Verordnung, die EU-Gelder vor Missbrauch durch Regierungen schützen soll, die die Rechtsstaatlichkeit beugen. Nach der neuen Verordnung können Zahlungen aus dem EU-Haushalt für Länder zurückgehalten werden, in denen festgestellte Verstöße gegen die Rechtsstaatlichkeit die Verwaltung der EU-Gelder gefährden. Gleichzeitig stellt die EU sicher, dass die Endbegünstigten nicht am Ende die Rechnung bezahlen. "Wir haben es geschafft. Jetzt ist es im EU-Recht verankert. Keine einseitige Erklärung kann diese Tatsache ändern. Der Konditionalitätsmechanismus wird uns in die Lage versetzen, zweifelhafte Pläne zur Verwendung von EU-Geldern im Hinblick auf die Achtung der Werte der EU prüfen", sagte der Mitberichterstatter Petri Sarvamaa (EV, FI).

  • Covid-19: Wie die EU helfen kann, KMU zu stärken

    In einem im Dezember 2020 angenommenen Bericht tritt das Europäische Parlament für Maßnahmen ein, um kleine und mittlere Unternehmen (KMU) dabei zu unterstützen, die Corona-Krise und große Herausforderungen wie Digitalisierung und Dekarbonisierung zu meistern. Warum sind kleine und mittlere Unternehmen wichtig? Die 24 Millionen KMU in der EU-27 bilden das Rückgrat der Wirtschaft und machen 99 Prozent aller Unternehmen in der EU aus. Sie erwirtschaften mehr als die Hälfte des europäischen BIP und beschäftigten vor der Covid-19-Pandemie rund 100 Millionen Menschen.

  • Kampf gegen Covid-19-Desinformationen

    Der Ausbruch des Coronavirus hat zur Verbreitung von gefälschten Nachrichten und Desinformationen geführt. Während viele Menschen Tag und Nacht darum kämpfen, Leben zu retten, haben Gesundheitsorganisationen und Faktenprüfer eine weitere gefährliche Seite der Pandemie aufgedeckt: Organisationen und einzelne Akteure, die die Krise für politische oder wirtschaftliche Manipulationen ausnutzen, anstatt diejenigen zu unterstützen, die Hilfe benötigen. Die EU-Institutionen haben wiederholt vor den Risiken gewarnt, die mit Desinformationsversuchen verbunden sind. Um sachliche und zuverlässige Informationen zu unterstützen, wurde bereits eine EU-Seite über die gemeinsamen Maßnahmen gegen das Coronavirus eingerichtet. Dort finden sich auch Informationen über Mythen im Zusammenhang mit Covid-19, die im Internet kursieren.